Ein großes Unterfangen: Wie können die Ergebnisse und die Bandbreite wissenschaftlicher Arbeit der Öffentlichkeit gegenüber verständlich gemacht werden? Häufig fällt es ja schon den Fachleuten schwer, die Resultate der Kollegen nachzuvollziehen. Doch es ist die Öffentlichkeit, die die Forschung mit ihren Steuergeldern finanziert, und so sollte es selbstverständlich sein, Wissenschaft gleichsam wieder „unter das Volk“ zu bringen. Gisela Graichen hat diesen Versuch unternommen und mit "Humboldts Erben" ein Buch herausgegeben, in dem das weite Feld der Wissenschaften anhand aktueller Forschungsprojekte dargestellt wird. Insgesamt vier Beiträge berichten aus Ecuador, China, Sibirien und Chile. Im Zentrum des Interesses: eine Fülle von Wissenschaftsdisziplinen und ihre Arbeitsmethoden. Der Bezug auf den Universalforscher Alexander von Humboldt ist also durchaus angebracht: Auch er bereiste ferne Landstriche, war ein gelehrter Tausendsassa und versuchte, sich ein ganzheitliches Bild von der Erde und dem Leben auf ihr zu machen. Natürlich haben solche Vorhaben stets damit zu kämpfen, dass sie nicht sämtliche Bereiche – weder geographisch noch inhaltlich – abdecken können. So ist es auch in „Humboldts Erben“. Auch hier wurde nicht die Wissenschaft dargestellt. Die Einzelkapitel sind für Laien gut verständlich aufbereitet und berichten recht plastisch und spannend von der häufig abenteuerlichen Seite der Expeditionen. Aber Alltägliches findet ebenso Platz; besonders schön ist, dass den nicht fachkundigen Lesern geradezu plastisch vor Augen geführt wird, dass auch Forscher nur Menschen sind — die arbeiten, essen, schlafen, verstimmt sein können und sich hin und wieder fast diebisch über ihre Ergebnisse freuen. Die optische Aufmachung des Buchs ist neben anderem dank der vielen Fotos besonders gelungen. Leider ist nicht zu jedem Kapitel weiter führende Literatur angegeben. Andererseits klasse: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat den Inhalt abgesegnet. Somit darf auch er als "echte" Wissenschaft gelten.