Eifrigen Lesern der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung werden die Texte in diesem Buch bekannt vorkommen. Ulf von Rauchhaupt, Physiker und FAZ-Redakteur, hat im Wissenschaftsteil seiner Zeitung die Sternbilder in den Jahren 2010 bis 2012 einzeln vorgestellt. Der Band bündelt die Artikel nun und ordnet sie nach deutschen Sternbildnamen. Das Ergebnis überzeugt voll und ganz. Zwar gibt es eine gewisse Redundanz, sie stört aber nicht. Schreibstil und Ausdruckskraft bewegen sich durchweg auf hohem Niveau – nicht ohne Grund hat der Autor zahlreiche Journalistenpreise gewonnen.

In einer kurzen Einführung geht von Rauchhaupt auf die Geschichte der Sternbilder ein, angefangen bei den alten vorderasiatischen Völkern und weiter über Griechen, Araber und die Sternatlanten des 16. Jahrhunderts bis hin zur Neuzeit. Da wurde der noch unbekannte Südhimmel mit neuen, teils fragwürdigen Konstellationen bestückt. In der großen Reform von 1922 sorgte die Internationale Astronomische Union aber für Ordnung, indem sie die Spreu vom Weizen trennte und die noch heute gültige Anzahl von 88 Sternbildern festlegte. Etwas zu kurz kommt in dem Buch die Tatsache, dass Sternbilder (auch heute noch) Ortsangaben sind. Wenn man sagt, ein Objekt liege zwischen der Deichsel des Großen Wagens und Arktur, oder 2 Grad südwestlich von Gamma Cygni, so ist jedem Astronomen – ob Profi oder Amateur – klar, wo man hinschauen muss.

Auf den folgenden 265 Seiten porträtiert der Autor nacheinander die 88 Konstellationen, vom Achterschiff über die Große Bärin (schön, dass hier "Ursa Major" korrekt übersetzt ist) bis zu den Zwillingen. Dabei besticht er mit einer überzeugenden Kombination aus Fachwissen, Humor, Kritik und Liebe zum Detail. Zu sehen gibt es jeweils eine Karte mit erläuterndem Text, die das Sternbild samt bezeichneten Hauptgestirnen, Verbindungs- und Grenzlinien sowie Umgebung zeigt. Weitere interessante Objekte sind markiert und werden im Text behandelt – etwa Sternhaufen, Nebel, Galaxien und besondere Sterne.

Die Artikel sind alle ähnlich aufgebaut, was für ein homogenes Erscheinungsbild sorgt. Sie beschreiben Mythologie und Geschichte, erläutern Sternbildnamen und weisen auf außergewöhnliche Objekte hin. So erzählt der Autor beim Sternbild Andromeda die Geschichte der äthiopischen Königstocher, erklärt den Ursprung des Sternnamens Mirach (beta Andromedae) und weist auf die berühmte Andromedagalaxie (M 31) hin. Dabei spart er nicht mit amüsanten Bemerkungen, die er oft in Bildbeschriftungen unterbringt, etwa "Reptil gib acht – links oben kommt eine leckere Fliege vorbei" beim Sternbild Chamäleon.

Am Südhimmel finden sich allerdings viele Konstellationen, die mythologisch nichts zu bieten haben und nur eine abstruse Verbindung schwacher Sterne darstellen, versehen mit einem nicht minder seltsamen Namen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die "Luftpumpe", eine von 14 Kreationen des französischen Astronomen Nicolas Louis de Lacaille (1713-1762). Von Rauchhaupts Kommentar: "Das soll wohl ein Scherz sein! Wo bitte ist denn hier eine Luftpumpe?"

Im Anhang findet sich ein ausführliches Register, den "Quark-Stern" konnte ich im Buch aber leider nicht finden. Es folgt das obligatorische griechische Alphabet, ein Verzeichnis der Sternbildnamen und – besonders interessant – eine Liste von 17 ausgemusterten Sternbildern, etwa "Szepter und Hand der Gerechtigkeit". Insgesamt sind mir nur wenige Fehler aufgefallen. So enthält der 1781 publizierte Messier-Katalog natürlich 103 Objekte und nicht 110; die restlichen wurden erst im 20. Jahrhundert hinzugefügt. Auch ist der Quasar QSO 0957+561 (Ursa Major) bei weitem nicht "das entfernteste Objekt, das sich mit einem Amateurteleskop beobachten lässt".

Alles in allem ist Ulf von Rauchhaupt ein tolles Büchlein gelungen, das eine erbauliche Lektüre garantiert und unbedingt zu empfehlen ist. Man kann es durchgehend lesen oder einzelne Sternbilder herausgreifen. Immer wieder stößt man auf fantasievolle Formulierungen und überraschende Tatsachen, egal ob man sich "In den Sternen" auskennt oder nicht.