Beinahe eine Million Insektenarten sind weltweit wissenschaftlich erfasst. Für den Biologen Gregor Faller ist dies nur einer von vielen Gründen, sich mit dem Farben- und Formenreichtum dieser erstaunlichen Tiergruppe zu beschäftigen. In seinem Buch stellt er die wichtigsten heimischen Arten vor und gewährt erstaunliche Einblicke in deren Lebens- und Verhaltensweisen.

Eine Besonderheit des Insektenkörpers ist die Dreiteilung. Der Kopf trägt Fühler, Mundwerkzeuge und Facettenaugen. Das Bruststück ist, mit sechs Beinen und vier Flügeln ausgestattet, für die Fortbewegung zuständig. Der Hinterleib hingegen enthält die Verdauungs- und Geschlechtsorgane. Ein Bauplan, den man bei allen Gruppen wiederfindet – egal ob Libellen, Heuschrecken, Schmetterlinge, Käfer, Wanzen oder Fliegen.

Trotz der immer gleichen Grundstruktur sind dem Reichtum an Größen, Farben oder Körperformen kaum Grenzen gesetzt. Auch die vielfältigen Anpassungen an die Umwelt und die zahlreichen Strategien des Überlebens, Jagens oder Tarnens sind bemerkenswert. So beherrschen viele Schwebfliegen die Kunst der Täuschung, Mimikry genannt. Nachtfalter, Käfer und Hautflügler nutzen Duftstoffe (Pheromone) zur Partnerfindung, auch über größere Distanzen. Und wessen Tarnung auf Baumrinden oder zwischen Blättern "aufgeflogen" ist, der warnt mit grellen Augen-Imitaten oder droht mit ruckartigen Bewegungen. Woher soll der Fressfeind auch wissen, dass sich dahinter eine völlig harmlose Raupe oder ein wehrloser Falter verbirgt.

So verschieden die Arten, so unterschiedlich sind auch ihre Lebensräume. Der Wald etwa ist das Reich der Käfer, das Wasser die Domäne der Libellen, das Gebirge die Heimat des Apollofalters. Nur im Meer gibt es keine Insekten. Dem Lebensraum Wiese widmet Faller sein umfangreichstes Kapitel. Für Einsteiger mag es sich seltsam anhören, dass trockene Magerrasen äußerst artenreiche Lebensräume darstellen, während saftige Fettwiesen, die in unserer Kulturlandschaft aufgrund der Nahrungsmittelproduktion überwiegen, ökologisch verarmt sind. Der Autor nimmt diesen Befund zum Anlass, für den Erhalt selten gewordener Falterwiesen und Insektenbiotope zu werben. Er stellt erfolgreiche Schutzkonzepte vor und schafft es immer wieder, den Leser durch wunderschöne Makrofotografien in den Bann zu ziehen. Denn was dem Insektensammler früher das Netz war, ist Faller heute die Kamera.

Die Absicht des Biologen ist klar erkennbar: Es geht ihm vor allem um den Schutz der Sechsbeiner. Zugleich plädiert er dafür, auch in Deutschland die Aufzucht von Insekten, beispielsweise des Schwalbenschwanzes, im Schulunterricht zu erlauben. Denn was, so schreibt er, könne für Kinder und Jugendliche spannender sein, als die langsame Entwicklung eines Schmetterlings aus eigener Anschauung mitzuerleben – vom Ei über die Raupe und das Puppenstadium bis zum adulten Tier. Oder selbst zu sehen, dass sich bei Libellen, deren Larven oft jahrelang im Wasser leben, der Schritt zum imposanten Fluginsekt an nur einem Vormittag vollzieht.

"Insekten" ist ein idealer Einstieg in die faszinierende Welt der Kerbtiere und gibt zahlreiche Tipps zum Weiterlesen.