Bildbände gehören nicht zu jener Sorte Bücher, die man mal eben schnell in der Bahnhofsbuchhandlung mitnimmt. Nein, kauft man sich wirklich einmal selbst einen Bildband, dann wohl, um sich ob der visuellen Opulenz zu erfreuen. Bei Titeln über die Regionen der Erde – sei es Neuseeland, Island oder der Amazonas-Urwald – bekommt der Betrachter vielleicht auch glatt Lust, diesen Ort selbst einmal zu erkunden. Das gilt auch für den vorliegenden Titel von Stuart Clark – wobei es leider unmöglich ist, in das nächste Raumschiff zu steigen und Kurs auf den Tarantel-Nebel oder die Whirlpool-Galaxie zu nehmen.

So muss man sich mit der "kosmischen Reise" zwischen zwei Buchdeckeln begnügen, einem großformatigen Bildband mit 101 kosmischen Stationen, die in vier Abschnitte unterteilt sind: den interplanetaren, interstellaren, intergalaktischen und intertemporalen Bereich. Während im ersten Abschnitt das Sonnensystem dargestellt ist, zeigt Clark dem Betrachter im zweiten hauptsächlich Nebel der unterschiedlichsten Art, die sich aber alle noch im Milchstraßensystem befinden.

Im dritten Teil schließlich schaut man über den galaktischen Tellerrand hinaus auf andere Sterneninseln, während der letzte Abschnitt auf die größten Strukturen im Universum eingeht, die Superhaufen und den kosmischen Mikrowellenhintergrund. Diese Gliederung funktioniert sehr gut, auch, weil sie durch ein Informationsfeld zu jedem Objekt ergänzt wird, das seine genaue Art angibt, die ungefähre Position am Himmel, seine Ausdehnung sowie die Entfernung zur Erde. So wird der Leser nicht von der Fülle hübscher Bilder erschlagen, sondern erhält eine Einordnung in das große Ganze und letztlich einen guten Eindruck davon, wie es in unserem Universum aussieht.

Jeder Station ist eine Doppelseite gewidmet. Darüber hinaus liefert der Autor – er ist Mitarbeiter bei der europäischen Weltraumbehörde ESA und Wissenschaftsjournalist – zu jeder Station Erklärungen, die aber selten mehr als eine halbe Seite einnehmen. Darin liegt allerdings auch mein einziger Kritikpunkt: Die Erklärungen sind manchmal allzu blumig geraten. So bezeichnet Clark die Sonne als "strahlende Göttin". Über die Kollision zweier Schwarzer Löcher schreibt er: "Mit Teufelshörnern aus Gas im Gefolge treffen sich diese beiden gigantischen Löcher zum Jüngsten Gericht." Das kann man so machen, muss man aber nicht.

Andererseits handelt es sich hier weder um ein Sachbuch im eigentlichen Sinne noch um ein Nachschlagewerk, wo eine sachliche Sprache nötig ist. Außerdem lässt sich der Text zu Gunsten der Bilder auch getrost ignorieren – denn diese sind fantastisch. Das Layout hilft hier insofern, als dass die Aufnahmen nicht doppelseitig abgedruckt worden sind, wobei die Mitte des Bilds gerne einmal im Buchfalz verschwindet. Stattdessen wird ein Objekt auf der gesamten linken Seite gezeigt und auf der rechten Seite von zwei kleineren Aufnahmen ergänzt. Es ist ein Buch, das mich in Staunen über unser Universum versetzt. Auf jeden Fall ist es zu schade, um als dekorativer Hingucker auf einem Wohnzimmertisch zu verstauben.