Vom 3. bis zum 28. März präsentiert der Fernsehsender ARTE eine 20-teilige Dokumentationsreihe. Jeweils wochentags um 15:50 Uhr berichtet der französische Arzt Bernard Fontanille von seinen Reisen in ferne Länder. Er hat Kollegen und Naturheiler besucht, die bei ihren Patienten noch traditionelle Behandlungsmethoden anwenden oder diese zumindest in die Behandlung einbeziehen. Hierfür begab sich Fontanille nach Ost- und Südasien, Afrika, Indonesien und Südamerika.

Den ersten Episoden zufolge, die mir zur Anschauung vorlagen, bekommt der Zuschauer vor allem Landschaften zu sehen – fremd, teils wunderschön und manchmal auch recht einsam – und lernt viele herzliche Menschen kennen, die Kluges von sich geben und deren oft schöne Gesichter vom Leben geprägt sind. Die Filme nähren die Illusion, der französische Arzt sei mutterseelenallein unterwegs, etwa wenn er mit dem Jeep stundenlang durch die mongolische Steppe fährt und eine kleine Jurtensiedlung aufsucht, wo ein Heiler und Viehzüchter ihn bei seiner medizinischen Arbeit zusehen lässt. In Wahrheit war natürlich ein vielköpfiges Team aus Kameraleuten, Beleuchtern, Technikern, Assistenten und anderen dabei.

Für meinen Geschmack steht Fontanille zu sehr im Vordergrund der Dokuserie, auch wenn er durchaus sympathisch ist. Immer wieder sieht man ihn anreisen, seine Gastgeber begrüßen, staunen, Freundschaften schließen, sich mit interessanten Menschen unterhalten – dem Zuschauer bringt das zu wenig. Demgegenüber bleiben die Erläuterungen zu den verschiedenen Diagnose- und Heilmethoden dünn und wenig erhellend. Mitunter entstehen komische, sogar peinliche Situationen, etwa wenn der Europäer die Geste seines Gegenübers nicht versteht, dass man beim Essen nicht sprechen solle, und selbst dann noch weiterfragt, als sein Gastgeber ihm höflich und zurückhaltend die Gründe dafür genannt hat. Solche Szenen machen deutlich, wie wenig der ach so aufgeschlossene Arzt – beziehungsweise sein Team – bereit sind, sich den örtlichen Gepflogenheiten anzupassen.

Wer von diesen Sendungen mehr erwartet als nur flüchtige Einblicke in traditionelle Medizin, wird enttäuscht. Dass ein chinesischer Mönch große Kräutersammlungen anlegt, aus denen er für jeden Kranken die passende Arznei mixt, zeugt zwar von seiner großen Kunstfertigkeit und Erfahrung – aber was lehrt uns das? Fontanille darf zum Kräutersammeln mitkommen, an Blüten und Blättern schnuppern, manche auch kauen – und erfährt vor laufender Kamera, wozu dieses oder jenes Gewächs gut ist oder wie ein bestimmtes, eigentlich giftiges Kraut richtig dosiert werden könne. Das war’s aber auch schon. Nur ganz selten wird eine Pflanze taxonomisch exakt bezeichnet.

An anderer Stelle lernen wir, dass traditionelle chinesische Mediziner nur anhand dreier Druckpunkte am Puls etwas über sämtliche inneren Organe erfahren können. Leider verliert der Film aber kein Wort darüber, warum ein sehr alter Kräuterarzt, der ebenfalls in der Episode zu sehen ist, so oft die Finger zu auffälligen Figuren zusammenlegt. Dabei verbirgt sich dahinter eine traditionelle Selbstheilmethode der fernöstlichen Medizin. Anscheinend fiel das Verhalten des alten Mannes niemanden im Filmteam auf.

Immer wieder klingt die Botschaft durch, man solle möglichst zufrieden, glücklich und ausgeglichen leben, tätig bleiben, den Sinn und das Schöne suchen. Und natürlich auch, sich gesund und maßvoll ernähren. Das helfe, gesund zu bleiben und ein hohes Alter zu erreichen. Um dies zu veranschaulichen, sucht das Filmteam die ältesten Japaner auf, die Bewohner Okinawas, lässt eine über 90-jährige Golfspielerin ihre Lebensphilosophie erzählen und setzt in Szene, wie man bereits Gesunde behandelt, nicht erst die Kranken. Obgleich unterhaltsam und menschlich interessant, bleiben diese Berührungen mit den Lebensphilosophien ferner Kulturen aber an der Oberfläche. An medizinischen Einsichten bringen sie nicht viel mehr als das allgemein Bekannte.