Der subjektive Eindruck trügt nicht: Naturkatastrophen nehmen immer bedrohlichere Ausmaße an. Deshalb hatte die UNO die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts zur Internationalen Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen (IDNDR) erklärt. Nun haben 40 Mitglieder des Deutschen IDNDR-Komitees nach Ablauf dieses Jahrzehnts ein Buch verfasst. Nach einem einführenden Kapitel zu den wissenschaftlich-gesellschaftlichen Herausforderungen folgen vier weitere Abschnitte: technische Vorsorge, gesellschaftliche Aufgaben, Möglichkeiten der Vorhersage und Frühwarnung sowie Katastrophenmanagement. Dabei wird deutlich: Natürliche Extremphänomene sind nicht die alleinige Ursache für Verheerungen, denn da ist auch noch der Mensch. Er beansprucht immer mehr Raum für sich und wohnt in immer höherer Dichte auch in potenziell gefährdeten Regionen. Das bedeutet: Falsche Siedlungspolitik und Landschaftsnutzung sowie steigende Wertkonzentrationen und fragile Techniken und Strukturen in Gefahrenzonen tragen zu den hohen menschlichen und finanziellen Verlusten bei. Diese Erkenntnis muss Folgen haben: erstens die Aufstellung von regional angepassten Maßnahmenkatalogen für den Notfall und zweitens eine Sensibilisierung der (lokalen bis globalen) Bevölkerung für die Naturräume, in denen sie lebt. Das umfangreiche Thema wird von den Autoren adäquat angegangen. Sie behandeln nicht nur eingehend die naturwissenschaftliche Seite, nämlich Ursachen und Wirkungsweisen eines jedes „Katastrophentyps“ — Erdbeben, Überschwemmungen usw. Sondern sie bieten auch konstruktive gesellschaftliche Lösungsvorschläge sowie eine ausführliche Übersicht über deutsche Institutionen — vom Auswärtigen Amt über Nichtregierungsorganisationen bis hin zu den Medien —, die beim Katastrophenschutz eine wesentliche Rolle spielen oder zumindest spielen könnten.