Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Dem würden die Psychologen Malte Mienert und Sabine Pitcher wohl widersprechen. Denn die zentrale Botschaft ihrer Einführung in die pädagogische Psychologie lautet: Der Mensch lernt ein Leben lang. Das betonen sie in dem schmalen Büchlein eindringlich: Pädagogische Psychologie kann, soll, muss auf die Perspektive des "lebenslangen Lernens" erweitert werden – weg von der alleinigen Betrachtung von Kindern und Jugendlichen.

Nachdem die Autoren dies zum x-ten Mal festgestellt haben, fällt es allerdings schwer, das Buch nicht zuzuklappen. Mienert und Pitcher ergänzen sogar noch ein Kapitel, das den Titel "Der Lebensverlauf – Lernen ein Leben lang" trägt.

Erfreulich nachvollziehbar ist hingegen die Gliederung: Nach einer Reihe von Definitionen stellen die Autoren die Sichtweisen verschiedener theoretischer Schulen auf Lernen und Entwicklung vor: Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus. Anschließend tritt der Mensch selbst in den Fokus. Bei Grundschülern würden noch Neugier und Freude am Lernen vorherrschen, so die Autoren. Bei Jugendlichen träten aber zunehmend Belohnungen an die Stelle der intrinsischen Motivation – eine ungünstige Entwicklung, da nur der Spaß an einer Tätigkeit langfristig Erfolg ermögliche.

Im folgenden Kapitel geht es um die Rolle der Gesellschaft, der Eltern und der Lehrer. Hier wird eine Schwäche des Buchs besonders deutlich: Trotz seiner Kürze finden sich zahlreiche Redundanzen. Dagegen bleibt viel Wesentliches im Dunkeln. Ein Beispiel: "Besonders fatal können an dieser Stelle Erziehungsideologien wirken, die die Pädagogik grundsätzlich in Frage stellen oder sie für politisch-ideologische Ziele instrumentalisieren." Der Leser erfährt weder, was für Ziele das sein könnten, noch welche Ideologien die Verfasser hier im Sinn haben.

Recht gut gelingt es Mienert und Pitcher allerdings, die Forschung zu den Erfolgsfaktoren von Lehrern zusammenzufassen. Ein Hindernis in der Beziehung zu den Schülern seien die unbewussten Annahmen der Lehrer, die zum Beispiel auf so genannten Halo-Effekten beruhen könnten: "Eine hervorstechende Eigenschaft eines Schülers strahlt wie ein Sonnenhof auf andere Eigenschaften über." Unterdrücken könnten Lehrer diese unbewussten Urteile nicht, aber durch gesicherte Erkenntnisse über die tatsächlichen Fähigkeiten der Schüler ersetzen. Die Autoren zitieren hierzu eine Untersuchung von 2010, nach der allein schon der Vorname von Schülern einen Einfluss auf die Benotung einer schriftlichen Arbeit hatte: Bei wortgleichem Text erhielten Sophie, Simon und Maximilian bessere Noten als Kevin, Jacqueline und Chantal.

Für das Buch als Ganzes gilt leider: So nachvollziehbar die Gliederung ist, so unzureichend ist die Darstellung der Inhalte. Noch dazu erschweren Abbildungen und Tabellen die Lektüre, da sie inhaltlich überladen und zu klein gedruckt sind. Am meisten hapert es aber an der Lesbarkeit: Man muss sich häufig zwingen, Abschnitte mehrfach zu lesen, denn die einzelnen Sätze hängen oft nicht klar zusammen oder bestehen aus ermüdenden Aufzählungen. Natürlich sind Lehrbücher selten eine rundum erfreuliche Lektüre, aber etwas leserfreundlicher geht es schon.