Mit der Erscheinung im Jahr 2011 liegt das Buch nunmehr in der vierten Ausgabe vor. Es blickt auf eine lange Geschichte zurück; die erste Auflage erschien bereits 1979. Es gehört zu den bekanntesten Büchern zum Thema astronomische Berechnungen für den Amateurbereich. Die vorliegende Auflage ist überarbeitet und stark erweitert. Seit der dritten Ausgabe sind 22 Jahre vergangen. Damals enthielt es noch nicht die Spreadsheets (Tabellenkalkulation) und Koautor Jonathan Zwart war noch nicht dabei. Die Titelseite wurde komplett neu gestaltet, das markante Design mit der Koordinatenkugel und den Sieben-Segment-Zahlen wurde aufgegeben.

Das Buch ist spiralgebunden, hat aber trotzdem einen Papierrücken, man kann es im Regal also wiederfinden. Auch liegt es damit gut in der Hand und ebenso gut aufgeschlagen auf dem Tisch. Das ist ideal, um die Beispiele nebenher mitzurechnen. Es enthält ein Glossar und einen detaillierten Index sowie eine Liste der verwendeten Symbole, Formelzeichen und Abkürzungen. Die astronomischen Problemstellungen sind mit detaillierten Skizzen versehen, die Tabellenblätter sind als vereinfachte Bildschirmkopie wiedergegeben.

Damit erspart sich der Benutzer beim reinen Durchlesen das Öffnen der Dateien. Die Tabellendateien werden nicht mit dem Buch mitgeliefert, können aber auf der Webseite des Verlags in Varianten für Excel und Calc (die kostenlose Openoffice. org-Variante) heruntergeladen werden. Wegen des in die Dateien eingebetteten Kodes können die Beispiele für die präzise Berechnung nicht vollständig durch Abtippen aus dem Buch nachvollzogen werden.

In den Vorbemerkungen wird zunächst die Handhabung des Buchs und der Umgang mit Taschenrechner und den Tabellen erläutert. Der Hauptteil des Buchs besteht aus fünf Teilen. Die ersten beiden Teile nehmen etwa die Hälfte des Umfangs ein und widmen sich den Grundlagen. Hier finden sich die Umrechnungen zwischen verschiedenen Zeitskalen und Koordinatensystemen, geometrische Berechnungen, Auf- und Untergangszeiten sowie physikalische Effekte wie Präzession und atmosphärische Brechung. In den weiteren drei Teilen geht es um konkrete Fragestellungen wie Planeten- und Kometenpositionen, Dämmerungszeiten und Finsternisberechnungen. Über diese klassischen Berechnungsthemen geht es thematisch selten hinaus. Etwas exotischer sind lediglich die Umlaufbahnen von Doppelsternen.Der Bedarf eines Astronomie-Hobbyisten sollte damit reichlich abgedeckt sein.

Wer aber nutzt heute noch einen Taschenrechner? Und wer rechnet die Positionen der Planeten noch selbst? Für kein oder sehr wenig Geld gibt es Computerprogramme, die das Ganze sehr viel schneller und präziser rechnen, ebenso Webseiten, die kaum astronomische Rechenwünsche offen lassen und dies oft auch unterwegs mit Smartphone, Tablet oder Notebook. Zwischen dem theoretischen Verständnis für Astronomie und dem Hinnehmen von vorgefertigten Berechnungen bleibt jedoch eine Lücke. Wer daran Interesse hat, die mathematischen Hintergründe der beobachtenden Astronomie zu verstehen, braucht einen Einstieg dazu. Wer eigene Vorstellungen von Berechnungen hat, die sich nicht in den üblichen Programmpaketen finden, braucht flexible Hilfsmittel.

Wer aber vor dem Aufwand herkömmlicher Programmierung zurückschreckt, versucht sich zunächst mit den erreichbaren Hilfsmitteln Papier und Bleistift, sowie Taschenrechner. Die moderne Erweiterung heißt Tabellenkalkulation. Hier setzt das Buch an. Im Sinne der früheren Auflagen des Buchs wird jeder Berechnungsschritt einzeln angegangen. Es wird schnell klar, dass das Buch darüber hinaus eine Brücke schaffen will, weg von der einzelnen Formel hin zu Berechnungsbausteinen, die sich gegenseitig verknüpfen lassen. So wird zum einen die Transparenz der Einzelrechnung bewahrt, zum anderen die Möglichkeit gegeben, komplexere Berechnungen schnell anzustellen. Durch das konsequente Verbergen des präzisen Kodes bleibt der Blick auf die Fragestellung erhalten, das algorithmische Vorgehen steht im Hintergrund. Und hier liegt auch die Stärke der Tabellenberechnung.

Nach einmaliger Anknüpfung an die Berechnung lassen sich sehr schnell, und ohne tiefere Kenntnis der Berechnung an sich, viele Ergebnisse übersichtlich anordnen. Variationen in Eingangsparametern können leicht gegenübergestellt werden. Ausprobieren und Was wäre-wenn-Überlegungen sind Angelegenheiten von wenigen Minuten. Die Berechnungen und Ergebnisse lassen sich an Ort und Stelle erläutern und kommentieren und für spätere Wiederverwendung sinnvoll speichern.

Als Lektüre kann das Buch von jedem Sternfreund genossen werden. Für den praktischen Einsatz richtet es sich an den fortgeschrittenen Amateur mit konkreten Vorstellungen zur Vorbereitung seiner Beobachtungen. Das Buch setzt eine Vertrautheit mit astronomischen Begriffen und Phänomenen sowie räumliches Vorstellungsvermögen voraus, erläutert aber alle Begriffe ausreichend für Einsteiger. Vorerfahrung mit Programmierung ist nicht erforderlich, jedoch die Bereitschaft, sich auf eine intensive Beschäftigung mit Rechenanweisungen, Programmcode und Formeln einzulassen.

Alle Themen werden zunächst für den Taschenrechner angegeben und anhand eines Beispiels demonstriert. Das funktioniert recht gut, man braucht aber im Normalfall einen Notizzettel, um Zwischenergebnisse zu notieren. Bereits erarbeitetes Formelwissen aus vorherigen Kapiteln wird als Referenz angegeben. Benutzer mit ein wenig Office-Erfahrung denken spätestens beim zweiten Anwenden der selben Formel an eine Tabellenkalkulation. Und so ist für jedes Beispiel noch eine Tabelle angegeben. Die zuvor für den Taschenrechner beschriebenen Schritte lassen sich hier problemlos wiedererkennen.

Die Tabellenzellen dienen jedoch teilweise lediglich als Ein- und Ausgabefelder. Die eigentliche Rechenlogik versteckt sich dann in eingebettetem Basic-Programmcode. In vielen Fällen ist dieser von erheblich höherer Präzision als die Formeln für den Taschenrechner. Allerdings wird er nicht im Detail erläutert. Vielfach wird die Benutzung des Basic-Codes als Bibliothek für eigene Programmanwendungen nahegelegt; so gibt es die Einzelschritte zusätzlich fertig als aufrufbare Unterprogramme. Einige Beispiele werden explizit durchgesprochen, so zum Beispiel die Berechnung einer Sonnenfinsternis.

Der Leser kann innerhalb der Tabellenblattwelt auch ohne große Programmiererfahrung mächtige Berechnungen einfach selbst zusammenstellen, die über den im Buch erläuterten Bereich hinausgehen. Dieses Buch bietet dem Leser eine ausgezeichnete Brücke, um von angelesenem Sachwissen zu einer echten Fertigkeit im Umgang mit den praktischen Methoden der Amateurastronomie zu gelangen. Die Einbeziehung von Tabellenkalkulationen und eingebettetem Code stellt einen raffinierten Weg dar, um ohne Programmierung mächtige Werkzeuge zu erstellen.

Die Autoren schaffen damit den Übergang in die moderne Softwarewelt, ohne die Eleganz und Transparenz der Berechnung per Hand aufzugeben.