Ob NSU oder Anders Breivik: Vielen rechtsextremen Attentätern geht es vor allem darum, unter Ausländern Panik zu verbreiten. Im Spiegel der Medien werden ihre Motive zu wenig beachtet oder verharmlost, so die zentrale Aussage dieses Sammelbands. In rund einem Dutzend Beiträgen analysieren deutsche, schwedische und norwegische Journalisten und Kommunikationswissenschaftler, wie Presse, Funk und Fernsehen über Rechtsterrorismus berichten.

Unter den Fachautoren ist auch Christian Pfeiffer, Jurist und Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, der bereits mehrere Studien zum Thema veröffentlicht hat. Er kritisiert die norwegischen Medien dafür, dem Attentäter Anders Breivik seinen größten Wunsch erfüllt zu haben: nämlich seine Botschaft beim Prozessauftakt live vor der ganzen Welt verkünden und sich als subversiven Helden darstellen zu können. Pfeiffer diskutiert darüber hinaus noch andere Dinge, die im Kontext extremistischer Gewalt eine Rolle spielten, aber in der Berichterstattung zu kurz gekommen seien – etwa die von Breivik als "Übungsgelände" bezeichneten Computerspiele, in denen man sich seine Tötungshemmung zu einem gewissen Grad abtrainieren könne.

Beim Blick zurück auf die Ermittlungen zur NSU-Mordserie nimmt Pfeiffer sich selbst von der Kritik nicht aus. Mangels rechtsterroristischer Bekennerschreiben habe auch er damals als Berater nur nach dem "vermeintlich Naheliegenden" gesucht. Das Etikett "Döner-Morde" sei für Ermittler wie Journalisten so bequem gewesen, dass man es nicht hinterfragt habe. Von der fehlenden Berichterstattung über rechtsextreme Tendenzen, zum Beispiel über Konzerte als Stimmungsmacher, zieht er eine direkte Verbindung zu entsprechenden Überzeugungen in der Bevölkerung: Die örtliche Presse scheine "gerade in Hochburgen rechtsextremer Gesinnung" oft versagt zu haben.

Die medienwissenschaftlichen Analysen in dem Buch widmen sich nicht nur der Rolle des Meinungsklimas in der Gesellschaft, sondern auch rechten Onlineplattformen. Zum Abschluss diskutieren einige Autoren, was Journalisten für die Praxis lernen können. Sie schildern den schmalen Grat zwischen journalistischer Aufklärungspflicht und der Zurückhaltung, die man walten lassen muss, um den Tätern kein Podium zu liefern. Trotz vieler Schreibfehler und sprachlicher Unebenheiten ist der Band insgesamt gelungen. Ein notwendiges und aufschlussreiches Werk für Medienschaffende ebenso wie für psychologisch und kriminologisch Interessierte.