In unserer Welt gibt es so viele Entfaltungsmöglichkeiten wie nie zuvor. Nicht alle Menschen profitieren jedoch hiervon, und dies gilt besonders für Kinder: Sie sind einer Vielzahl von unkontrollierbaren Einflüssen und Ansprüchen ausgesetzt, die ihrer Entwicklung erheblichen Schaden zufügen können. Wissenschaftler entdeckten jedoch Erstaunliches: Ein Teil der Kinder kommt auch mit den widrigsten Lebensumständen bestens zurecht. Diese Fähigkeit bezeichnen Psychologen als "Resilienz".

Um diese wichtige Charakterstärke geht es im Buch von Klaus Fröhlich-Gildhoff und Maike Rönnau-Böse. Sehr verständlich beschreiben die beiden Wissenschaftler von der Evangelischen Hochschule Freiburg, was Resilienz ausmacht und wie man sie fördern kann. Das Buch richtet sich an Studierende der Soziologie, Pädagogik und Psychologe sowie an alle, die Interesse daran haben, die innere Widerstandsfähigkeit von Kindern zu stärken.

In den letzten Jahren hat sich in der Forschung ein Wandel vollzogen. Es geht nicht mehr nur um die Frage, wie man Risikoeinflüsse wie Krankheit, Armut oder Erziehungsdefizite abschwächen kann, sondern auch darum, wie man Resilienz stärken kann. Pionierin der Resilienzforschung ist Emmy Werner, die den gesamten Geburtsjahrgang 1955 der hawaiianischen Insel Kauai über mehrere Jahrzehnte hinweg begleitete. Ein Drittel der untersuchten Insulaner lebte mit einer hohen Risikobelastung wie beispielsweise Armut und Krankheit, und wiederum ein Drittel von diesen kam mit ihren schlechten Lebensbedingungen bestens zurecht. Es stellt sich also die wichtige Frage nach dem Warum: Was zeichnet diejenigen aus, die dies schaffen?

Das Ganze beruht auf einem komplizierten Wechselspiel, stellen die beiden Autoren fest. Den Risikofaktoren stehen Schutzfaktoren gegenüber, die sich gegenseitig beeinflussen. Individuelle Eigenschaften eines Kindes wie beispielsweise ein positives Temperament oder soziale Faktoren wie eine stabile Bezugsperson können das Risiko einer Fehlentwicklung abpuffern. Sowohl Verletzlichkeit als auch Resilienz sind keine gleich bleibenden Persönlichkeitseigenschaften, sondern ändern sich mit den alltäglichen Anforderungen.

Von hoher Bedeutung ist es, möglichst frühzeitig und damit präventiv Resilienz zu fördern und zu entwickeln. Denn die Wurzeln für zahlreiche Verhaltensauffälligkeiten liegen in der frühen Kindheit. Vieles weist daraufhin, dass Verhaltenauffälligkeiten und seelische Erkrankungen ein ganzes Leben lang bestehen bleiben, wenn man nicht rechtzeitig gegensteuert. Entsprechende Programme müssen nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern und das soziale Umfeld erreichen. Langfristige Programme sind erfolgreicher als kurze, und verhaltensnahe Übungen haben bessere Effekte als "offene", die nur wenige Vorgaben machen.

Inzwischen wurden in Deutschland verschiedene resilienzorientierte Präventionsprogramme entwickelt. Die Autoren stellen die wichtigsten vor. Es gibt sie für das Vorschul- und Schulalter sowie für das Jugendalter. Wichtig ist, dass sie das Kind unterstützen, aktiv seine Probleme zu lösen.

Wie die Autoren schreiben, möchten sie mit ihrem Buch die grundlegenden Konzepte der Resilienz und Resilienzförderung verständlich darstellen, wobei ihnen der Bezug zur Praxis sehr wichtig ist. Dies ist ihnen ausgezeichnet gelungen. "Resilienz" von Fröhlich-Gildnau und Rönnau-Böse ist ein verständlich geschriebenes und klar gegliedertes Buch zu einem angemessenen Preis. Das Buch weckt Hoffnungen: Selbst Kinder, die unter ungünstigsten Verhältnissen aufwachsen, können glückliche und erfolgreiche Erwachsene werden.