Kaum etwas erscheint heute erstrebenswerter, als "resilient" zu sein. Der Begriff stammt aus der Materialwissenschaft und beschreibt ursprünglich die Eigenschaft von Werkstoffen, nach mechanischer Verformung wieder den Ausgangszustand anzunehmen. Im übertragenen Sinn wird er für die psychische Widerstandskraft verwendet.

Über große seelische "Elastizität" verfügt, wer etwa Belastungen am Arbeitsplatz oder Schicksalsschläge wie den Verlust eines nahestehenden Menschen gut verkraftet. Dass dies dem einen besser und dem anderen schlechter gelingt, ist altbekannt. Doch wie kommen solche Unterschiede zu Stande? Zu wissen, wie Resilienz entsteht, hilft womöglich auch dabei, sie zu stärken – bei uns selbst ebenso wie bei anderen.

Die Wissenschaftsjournalistin und "SZ"-Redakteurin Christina Berndt verknüpft gekonnt Personenporträts mit der wissenschaftlichen Studienlage und ordnet die Fakten. Ihr Buch ist in fünf Abschnitte gegliedert: Zunächst geht es um Menschenin Krisen – von dem burnoutgeplagten Fußballtrainer Ralf Rangnick über das Entführungsopfer Natascha Kampusch bis hin zu Zeitgenossen in alltäglichen Notlagen. Sodann stellt Berndt die wichtigsten Säulen des Stehaufmännchen-Effekts vor – etwa eine optimistische Grundhaltung, Glaube an sich selbst, aber auch Akzeptanz für die Schattenseiten des Lebens. Nach einer Vorstellung jener Einflüsse, die unsere Psyche prägen (Umwelt, Gehirn, Genetik und Epigenetik), sowie der Frage, wie Kinder resilient werden, zieht die Autorin praktische Schlüsse für jedermann.

Ganz oben auf dem 10-Punkte-Plan für eine gefestigte Psyche steht: Beziehungen zu Mitmenschen knüpfen! Denn starke soziale Bande bieten den besten Schutz vor Seelenpein. Wichtig ist laut Berndt aber auch, sich realistische Ziele zu setzen, aktiv zu bleiben und Selbstfürsorge zu betreiben. Die Autorin gibt viele Anregungen dazu, wie sich das konkret umsetzen lässt. Eingestreute Tests, Interviews und Zusammenfassungen machen die Lektüre dabei sehr abwechslungsreich. Kurz: ein Buch, das keine Wünsche offenlässt. Jetzt muss man die guten Ratschläge für ein stabiles Nervenkostüm nur noch befolgen.