Die Dokumentation "Die Zelle – unser geheimes Universum" erzählt von der Erforschung der kleinsten Einheiten von Lebewesen. In insgesamt drei Episoden besucht Wissenschaftsjournalist Adam Rutherford die Schauplätze wichtiger wissenschaftlicher Durchbrüche. Dabei schildert er etwa, wie der holländische Textilhändler Antoni van Leeuwenhoek (1632-1723) die ersten Einzeller entdeckte, wie der Physiologe Friedrich Miescher (1844-1895) erstmals Nukleinsäuren beschrieb und wie Wissenschaftler heute daran arbeiten, die ersten künstlichen Zellen zu erschaffen.

In Gesprächen mit Forschern und in nachgestellten Experimenten bringt Rutherford den Zuschauern die Wissenschaft nahe. Er schaut durch das private Reisemikroskop des britischen Botanikers Robert Brown (1773-1858) und liest in Büchern aus Charles Darwins persönlicher Bibliothek. Auf einem staubigen Dachboden in Berlin demonstriert er, wie der jüdische Forscher Robert Remark vor über hundert Jahren Hühnerembryonen präparierte und darin Zellteilungen beobachtete. Von den dabei gewonnenen Erkenntnissen profitierte der deutsche Arzt Rudolf Virchow (1821-1902). Weiterhin besucht Rutherford aktive Forscher wie den Schweizer Molekularbiologen Walter Gehring, der bekannt geworden ist durch seine Analysen homöotischer Gene und der dazugehörenden Homöoboxen.

Röntgenaufnahme enthüllte DNA-Struktur

An anderer Stelle stellt Rutherford den Versuchsaufbau des US-Biologen Stanley Miller (1930-2007) vor, mit dem dieser zeigte, dass unter den Bedingungen der irdischen Uratmosphäre spontan organische Lebensbausteine entstehen konnten. Auch das DNA-Modell aus Blech und Draht der berühmten Biochemiker James Watson und Francis Crick kommt vor, ebenso die Röntgenaufnahme ihrer Kollegin Rosalind Elsie Franklin (1920-1958), die den beiden Forschern entscheidende Hinweise auf die Doppelhelixstruktur des Erbmoleküls gab.

Die Dokumentation vermittelt gekonnt die Faszination von Wissenschaft und Entdeckerdrang. Rutherford ist präsent und überzeugt in seinem Auftreten. Er gibt dem Publikum eine Ahnung davon, wie aufregend es für die frühen Zellforscher gewesen sein muss, weitgehend auf sich gestellt und ohne teure Ausrüstung bedeutende wissenschaftliche Durchbrüche zu erzielen. Zwar bekommen die Zuschauer kaum Animationen, mikroskopische Aufnahmen und anderes Bildmaterial zu sehen. Da die Dokumentation aber mehr über Personen und Geschichte handelt und weniger über komplexe Molekularbiologie, die es zu veranschaulichen gilt, fällt dies nicht ins Gewicht.