Warum ist "mit Klaus nicht gut Kirschen essen"? Werden die Kirschen bei ihm etwa immer schlecht? Und warum sagt Tina erst, dass sie sich total auf das nächste Treffen mit Susi freut, und zieht dann gemein über Susi her? Die meisten von uns haben wohl verstanden: Mit Klaus sollte man sich nicht anlegen und Tina möchte Susi einfach nicht ins Gesicht sagen, was sie wirklich von ihr denkt.

Für Daniela Schreiter war all das sehr lange ein Rätsel. Es fällt ihr schwer, nicht alles wortwörtlich zu nehmen, ihre Mitmenschen verhalten sich für sie oft sonderbar. Was ist an Daniela so anders? Die Comic-Zeichnerin hat Asperger-Autismus.

Asperger-Autisten nehmen ihre Welt anders wahr als Menschen ohne Autismus. Das merkt man in zwei Bereichen: Zum einen im Sozialen – das heißt, im zwischenmenschlichen Miteinander. Wenn jemand nicht genau das sagt, was er meint, versteht ein Asperger-Autist das nur schwierig. Zum anderen spüren die Betroffenen Reize in ihrer Umwelt viel stärker als wir. So fühlt sich Omas gestrickter Pulli für Daniela sehr unangenehm an, da sie das kratzige Gefühl der Wolle auf der Haut zu intensiv wahrnimmt; hohe Töne tun ihr regelrecht weh – und ganz anstrengend wird es auf einer Party, wo sich zig Menschen gleichzeitig unterhalten und im Hintergrund der Bass brummt.

Daniela Schreiter zeichnet seit vielen Jahren unter dem Namen "Fuchskind" witzige Bildergeschichten – unter anderem den Comic "Sofia & Nyno", der hier bei Spektrum neo erscheint. "Schattenspringer" ist ihr erster Comic in Buchform, in dem sie uns mit auf eine humorvolle Reise durch ihre Kindheit und Jugend nimmt.

Auf dieser Reise lernt der Leser eine Menge über den Asperger-Autismus. Sie zeigt, dass diese andere Art der Wahrnehmung durchaus ihre Vorzüge haben kann: Weil Daniela so einen empfindlichen Geruchssinn hat, erkennt sie zum Beispiel viel früher als Nichtautisten, wenn Lebensmittel schlecht geworden sind. Außerdem ist sie sehr gerecht und mag es nicht, wenn Menschen über andere herziehen.

Nicht zuletzt berührt die Geschichte mit ihren liebevoll angefertigten und lebhaften Zeichnungen. Ihr werdet überrascht sein, an wie vielen Stellen ihr euch wiedererkennt. Auch wenn ihr vielleicht keine Autisten seid, kennt wahrscheinlich jeder dieses Gefühl, anders zu sein. "Schattenspringer" zeigt uns, wie liebenswert eben diese Eigentümlichkeiten sind, die jeden Menschen zu etwas Besonderem machen.