Christine Maggiore war HIV-positiv, schloss sich den AIDS-Leugnern an, nahm keine Medikamente mehr und starb deshalb viel früher als nötig. Warum verfallen Menschen einem solch fatalen Irrglauben wie dem, es gebe kein Immunschwächesyndrom? Und wie kann man sie zum Umdenken bewegen? Der Psychologe und Journalist Sebastian Herrmann hält in seinem Ratgeber eine Menge "Psychotricks" bereit, die dabei helfen sollen, Fehlgeleitete wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Nicht nur Leugner der Evolutionstheorie, Befürworter der Homöopathie oder Impfgegner ließen sich damit zur Einsicht bringen – auch bei Streits mit dem Partner oder dem Chef könne man von den Ratschlägen profitieren.

Zunächst bereitet der Autor seine Leser auf verbohrte Zeitgenossen vor. Er erklärt anhand psychologischer Studien, warum wir bisweilen zu Dickköpfen werden: weil wir gefühlsgesteuert und auf Selbstwert bedacht durch die Welt navigierten und zu bequem seien, unser Weltbild in Frage zu stellen. Das habe sich exemplarisch bei den Anhängern der amerikanischen Sektenführerin Marian Keech gezeigt, die im Jahr 1954 den Weltuntergang erwarteten. Die ausbleibende Katastrophe brachte sie keinesfalls von ihren kruden Überzeugungen ab – sie hätten ja dann eingestehen müssen, an welch fürchterlichen Unsinn sie geglaubt hatten. Stattdessen versuchten sie fortan, alle anderen zu ihren Ansichten zu bekehren. Mit solchen Beispielen gelingt es Herrman, ein schönes Bild der starrköpfigen Psyche zu zeichnen.

Wenn Herrmann im zweiten Teil seines Buchs Strategien auflistet, um Sturköpfe gegenüber erfolgreich zu argumentieren, wirkt das ein wenig wie ein Katalog, aus dem der Leser die passenden Angebote auswählen kann. So empfiehlt er etwa, statt vieler schwacher lieber wenige starke Argumente zu bringen, Botschaften anschaulich in Texten zu verpacken, Fragen richtig zu stellen, den Fehlgeleiteten zu loben und sich ihm gegenüber geduldig zu zeigen und vieles mehr. Jede dieser Strategien untermauert Herrmann mit wissenschaftlichen Studien und veranschaulicht sie mit Geschichten. Das ist grundsätzlich begrüßenswert, doch angesichts der großen Menge an Tipps verliert man irgendwann den Überblick und fängt an, sich zu fragen, wie man all dies in einem Gespräch berücksichtigen soll.

In seinem Abschlusswort fängt Herrmann diese Zweifel jedoch auf. Schlüssig fasst er hier das Wichtigste zusammen und macht so noch einmal deutlich, welche Argumente und Verhaltensweisen im Streitfall angemessen sind. Wer Sturköpfen und Verschwörungstheoretikern künftig souverän begegnen möchte, der findet in Herrmanns Buch einen geeigneten Ratgeber.