David Sieveking sitzt mit seiner Mutter Gretel am Frühstückstisch. "Der Malte hat angerufen", berichtet er ihr, "er ist gut angekommen in der Schweiz." "Wie heißt der?" fragt Gretel, während sie sich einen Bissen in den Mund schiebt. "Malte", wiederholt David. "Dein Mann. Mein Vater. Du bist meine Mutter und er ist mein Vater und ihr wohnt hier in diesem Haus seit über zwanzig Jahren." Gretel schaut ihren Sohn verwirrt an. "Was? Das habe ich ja noch nie gehört!"

Gretel hat Demenz. Ihr Ehemann Malte kümmert sich seit seiner Pensionierung vor fünf Jahren um sie. Um neue Kraft zu tanken, ist er für ein paar Wochen in die Schweiz gefahren. Sohn David zieht in der Zeit wieder zu Hause ein und übernimmt die Pflege seiner kranken Mutter. Mit Erlaubnis der Eltern dokumentiert Sieveking diese Wochen – und so entsteht "Vergiss mein nicht", eine berührende Dokumentation über das Leben einer Familie mit dem Vergessen.

Während Gretel ihr Gedächtnis verliert, wird David klar, wie wenig er über das Leben seiner Mutter weiß. In Fotoalben und Archiven begibt er sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit und erzählt, woran Gretel sich selbst schon nicht mehr erinnern kann. Obwohl sie lieber den ganzen Tag im Bett liegen würde, motiviert er seine Mutter unermüdlich zu Spaziergängen und Ausflügen. Er nimmt sie mit nach Stuttgart, wo ihre Heimat ist und ihre Schwester lebt, sowie nach Zürich, wo Gretel zu Beginn ihrer Ehe fünf Jahre lang mit Malte wohnte – und gibt ihr so ein Stück ihres Lebens zurück.

Der Zuschauer ist die ganze Zeit über hautnah dabei und gewinnt tiefe – manchmal fast zu tiefe – Einblicke in den Alltag der Familie und die Ehe von Gretel und Malte. Er erlebt, wie sich Gretels Persönlichkeit verändert, wie sie die einfachsten Dinge verlernt, Ehemann und Sohn verwechselt. Sieveking selbst geht die meiste Zeit über erstaunlich gelassen mit der Situation um. Nur selten lässt er durchblicken, wie belastend die Pflege der demenzkranken Mutter sein kann, etwa wenn er zugibt: "Schon nach einer Woche bin ich völlig erledigt. Keine Ahnung, wie mein Vater das die letzten Jahre geschafft hat!"

Insgesamt erzählt "Vergiss mein nicht" traurig und schön zugleich, wie die Demenzerkrankung Davids Familie vor große Herausforderungen stellt, doch am Ende – trotz aller Höhen und Tiefen – enger zusammenbringt als je zuvor.