Seit Jahrhunderten begeistert der Flug der Vögel uns Menschen – wie sie sich scheinbar mühelos in den Himmel schwingen können und dort stundenlang kreisen oder mit den Winden in den Süden reisen. Ebenso lange mühen wir uns auch, es den Vögeln gleich zu tun: von Daidalos und seinem Sohn Ikaros in der griechischen Mythologie bis zu den modernen Düsenflugzeugen der heutigen Zeit. Die Eleganz der Vögel, die sich nur mit Hilfe ihrer Muskelkraft fortbewegen, bewundern wir trotz allen Fortschritts aber immer noch.

Aus dieser Bewunderung entstanden immer wieder Filme, die sich den Tieren auf Augenhöhe näherten – erinnert sei nur an den Kinoerfolg "Die Nomaden der Lüfte". Auch John Downer verfolgt mit "Die fantastische Reise der Vögel" dieses Ziel, und passend zur fünfteiligen Fernsehdokumentation (die im Oktober auf Arte lief), erschien auch das Begleitbuch "Vogel-Perspektiven". Neben fantastischen Aufnahmen fliegender Vögel und anderer Naturbilder liefert es auch ausführliche Erklärungen, wie die Filme entstanden.

Seit "Nomaden der Lüfte" hat die Technik nochmals gewaltige Fortschritte gemacht. Vögel selbst tragen winzigste Kameras, die zum Beispiel Albatrosse beim Fischen mit Schwertwalen beobachten. Auch Downers Team setzte auf diese Filmtechnik und bestückte beispielsweise verschiedene Adler mit den Kameras – so kann man quasi direkt aus der Perspektive des Greifvogels seinem Leben folgen. Andere Aufnahmen entstanden von Bord spezieller Ultraleichtflugzeuge, an die Kraniche oder Gänse gewöhnt worden waren: Sie folgten dem Fluggerät und konnten daher wirklich direkt auf Augenhöhe aufgezeichnet werden.

Der logistische Aufwand für das Projekt war jedenfalls immens: Gedreht wurde auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis, im Regenwald ebenso wie in der Wüste oder im Eis der Arktis. Die Kameraleute "verfolgten" die Tiere durch die Häuserschluchten amerikanischer Großstädte wie hinter die Wasserkaskaden der Iguazu-Fälle an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien. Und immer wieder mussten bürokratische Hürden überwunden werden, schließlich macht der Vogelflug nicht an Landesgrenzen Halt – und der Naturschutz hat auch ein (berechtigtes) Wort mitzureden.

Die vierjährige Arbeit hat sich aber auf alle Fälle gelohnt: Selten sah man wohl so einprägsame Szenen aus dem Leben der Vögel, wenn sie durch die Lüfte fliegen. Die Macher der Filme entdeckten und filmten Verhaltensweisen, die uns zuvor nicht bekannt waren. Und sie bemerkten, dass Vögel selbst auch ausgesprochen gute Verhaltensforscher sind, die andere Tiere beobachten und logische Schlüsse zu ihrem eigenen Vorteil daraus ziehen: Das gilt etwa für mexikanische Pelikane, die gezielt einen Strand aufsuchen, um dort laichende Fische zu fressen, oder für südafrikanische Möwen, die Robben folgen, die sich ins Territorium gefräßiger Haie wagen.

Wer Tieraufnahmen mag und die Kombination von Hightech mit Natur schätzt, ist mit "Vogel-Perspektiven" gut beraten. Der Bildband ist eine optimale Ergänzung zur fantastischen BBC-Fernsehdokumentation.