Man feiert eine Party und richtet dafür extra das Wohnzimmer hübsch her. Jetzt ist dort jede Menge Platz, und außerdem spielt da die Musik. Trotzdem drängeln sich die Gäste in der Küche. Der Journalist Walter Schmidt hat recherchiert, woran das liegt. An den Kochplätzen der Menschheitsgeschichte sei schon immer etwas los gewesen, schreibt er: Hier sei stundenlang gearbeitet und dabei besprochen worden, wonach einem der Sinn stand. Die Küche als traditioneller Platz des Informationsaustauschs also – woher sonst sollte das Wort "Gerüchteküche" stammen? Doch der Kochplatz steht auch für Behaglichkeit, ein wärmendes Feuer und sättigendes Essen. All das ist für uns heute noch genauso attraktiv wie für unsere steinzeitlichen Vorfahren.

Schmidt präsentiert unterhaltsame Antworten auf Fragen der räumlichen Psychologie. Er erklärt, wieso wir im Restaurant versuchen, einen Fensterplatz zu ergattern, weshalb wir in der Wüste im Kreis laufen und warum die Chefetage in den Obergeschossen zu finden ist und nicht im Parterre. Auskünfte hierzu fand er bei Historikern, Psychologen, Verhaltensforschern, Physikern, Geografen und Wissenschaftlern anderer Disziplinen. Seine gesammelten Erkenntnisse stellt er kompakt, kurzweilig und humorvoll vor – so, wie man es auch aus anderen Werken von ihm kennt, etwa aus "Dicker Hals und kalte Füße" (2013) oder "Morgenstund ist ungesund" (2012). Ein besonderer Hingucker sind die humorvollen Zeichnungen von Oliver Weiss.

Bei all seinen Erklärungen bleibt Schmidt stets verständlich und konzentriert sich auf alltagsrelevante Themen. So erläutert er, warum Jugendliche nachts lärmen: weil der Mensch instinktiv Angst vor der Dunkelheit hat. Oder er legt dar, weshalb Stammplätze uns ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Und wussten Sie, dass es für das Flüstern in Kirchen eine mathematische Formel gibt?

Komplizierte Fachbegriffe zieht Schmidt oft durch den Kakao – immerhin hat man sie dann schon mal gehört und kann bei der nächsten Party damit angeben. Ach ja, und warum Männer nicht nebeneinander pinkeln wollen, darauf gibt er auch eine Antwort. Kurz: Öffentliche Urinale haben meist weniger als einen halben Meter Abstand untereinander, was den Intimbereich des Mannes verletzt.