Über den Gesundheitswahn ist schon viel geschrieben worden. Aber selten so unterhaltsam! Der Mediziner und Wissenschaftsjournalist Christian Guht schildert die absurden Auswüchse des Vorsorge- und Fitnesswahns und hält damit seiner eigenen Zunft einen Spiegel vor. Denn so mancher Arzt verdient nicht schlecht an unnützen oder sogar kontraproduktiven Untersuchungen und Mittelchen.

Natürlich begibt sich Guht bei diesem Thema auf eine Gratwanderung. Was sollte man ernsthaft einzuwenden haben gegen mehr Bewegung, weniger Stress, den konsequenten Verzicht auf Alkohol und Zigaretten sowie gegen Müsli statt Marmorkuchen zum Frühstück? Nichts – und dennoch: Mit der Sorge um das persönliche Wohl und Wehe kann man es durchaus übertreiben, zumal sie nicht nur Geld und Nerven kostet, sondern mitunter auch erst jene Leiden produziert, denen man eigentlich vorbeugen wollte. Wer schon immer den Verdacht hegte, dass uns so mancher Gesundheitsapostel mit seinen "wissenschaftlich fundierten" Ratschlägen nur verrückt macht, findet in diesem Buch reichlich Material, das ihn bestätigt.

Im Detail mag man darüber streiten, ob Guht nicht – der Pointe wegen – so manchen Rat aus der Präventionsmedizin allzu schnell abwatscht. Regelmäßiger Ausdauersport senkt laut Studien durchaus das Krebsrisiko, was der Autor in Abrede stellt. Und dass jede Joggingrunde im Park zwangsläufig eine Form der Selbstkasteiung ist, mag man auch bezweifeln. Doch letztlich nimmt das Buch jenen Jugend- und Machbarkeitswahn ins Visier, der uns vorgaukelt, wer es nur richtig anstelle, könne auch mit 80 noch Marathon laufen und geistige Höhenflüge vollbringen. Wer länger lebt, wird eben auch nicht jünger.

Der Mediziner Guht plädiert für mehr Augenmaß. Warum, so fragt er ketzerisch, soll man sich jeglichen Spaß an den großen und kleinen Sünden des Lebens vorenthalten – nur, um ihn noch länger nicht zu haben? Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass auch die moderne Medizin nicht den Weg zum Heil weist. Welche Eskapaden wir uns und unserem Körper zumuten wollen, bleibt der eigenen Entscheidung überlassen. Wohl dem, der sie gut informiert fällt!