Jüngst nahm ich an einer tamilischen Pubertätszeremonie teil – etwas völlig Neues für mich. Denn mir war nicht bewusst, dass es Völker auf dieser Erde gibt, die den Eintritt von Mädchen in eine neue Lebensphase, den Beginn der Menarche, so groß feiern würden. Hier trägt das Mädchen das erste Mal einen Sari und bekommt viele Geschenke.

Warum aber ist die Menarche, der Beginn der Geschlechtsreife so wichtig? Was verbirgt sich hinter diesem wichtigen Aspekt der Weiblichkeit? Warum läuft diese bei den Menschen so ganz anders ab als bei den meisten anderen Tieren? Welcher Sinn steckt dahinter? Was hat sich die Evolution dabei gedacht, Frauen mit diesen besonderen Eigenschaften auszustatten? Und sind diese Eigenschaften tatsächlich so besonders?

"Wie die Frauen zu ihren Kurven kamen" von David P. Barash, Judith E. Lipton beschäftigt sich mit diesen Fragen, die die Frau und ihre Weiblichkeit, betreffen. Die beiden Biologen und Psychologen wollen wissen, wie die Frau zu ihren Rundungen kam, warum ihr Eisprung verborgen bleibt und sie in die Menopause gelangt. Fragen über Fragen, die den evolutionsbiologischen Sinn dieser sexuellen Phänomenen beleuchten.

Auf knapp 300 Seiten und in fünf Kapiteln erfährt der Leser etwas über die Menstruation, eben den unsichtbaren Eisprung, den rätselhaften Orgasmus und das Menopause-Mysterium – also vieles, was die Frauen geschlechtlich ausmacht und was sie von Männern unterscheidet. Denn diese können ihre sexuelle Erregung nicht vortäuschen oder verstecken: Sie ejakulieren. Damit haben sie ihren Auftrag im Sinne der Evolution – nämlich die Weitergabe ihres genetischen Materials – erfüllt. Bei Frauen ist dagegen nicht so offensichtlich: Sie können einen Orgasmus vortäuschen, und nicht einmal der eigene Partner bemerkt dies.

Barash und Lipton hinterfragen all diese Dinge unter rein evolutionsbiologischen Aspekten: Ihnen geht es darum, warum es bei den Menschenfrauen die Menstruation gibt und nicht wie sie abläuft. Dient die monatliche Blutung einem Reinigungszweck? fragen sie. Und dieser Gedanke liegt nahe, wenn man andere Völker und deren Interpretation der Monatsblutung betrachtet: Häufig heißt es dann, die Frau sei erst wieder nach der Monatsblutung rein. Sie darf währenddessen ihren Partner nicht berühren, ein heiliges Buch anfassen oder ein Gebetshaus betreten. Die beiden Autoren verfolgen den Reinigungsgedanken ebenfalls – allerdings unter biologischen Gesichtspunkten.

Beginnt man erst damit, das Buch zu lesen, möchte man es gar nicht mehr aus der Hand legen. Es ist wie eine Krimigeschichte spannend geschrieben. Als Leser hat man das Gefühl, dass man die beiden Autoren auf eine Expedition "Frau" begleitet. Und es eröffnet den Blick für neue Ideen und Gedanken, die Mann und Frau sich auf keinen Fall entgehen lassen sollten.