Die Geschichte des Universums und der Erde könnte wohl deutlich mehr als nur ein Buch füllen; der Physiker und Sachbuchautor Jörg Resag hat sie trotzdem in einen einzelnen Titel gepackt. Den 13,7 Milliarden Jahre langen Zeitraum vom Urknall bis zum heutigen Tag macht er dabei anhand einer Wegstrecke deutlich, bei der ein Millimeter einem Jahr entspricht und die von der Stadt Darwin im nördlichen Australien quer über den Globus in das 13 700 Kilometer entfernte Köln führt.

Auf diesem Zeitpfad ist das Buch in sieben chronologische Teile aufgegliedert: "Die Geburt des Universums", "Sterne und Galaxien", "Sonnensystem und Erde" beschäftigen sich mit den kosmologischen und astrophysikalischen Vorgängen unserer Herkunft, während die Kapitel "Erdaltertum", "Erdmittelalter" und "Erdneuzeit" vor allem auf die Evolution des Lebens eingehen. "Die Zukunft" gibt schließlich einen kurzen Ausblick auf das Schicksal unserer Erde und des Kosmos. Dass Resag Physiker ist, merkt man den ersten Abschnitten zur Kosmologie deutlich an. So führt er in die Theorie zum Urknall ein und schreckt auch vor Begriffen wie "Inflatonfeld" oder der Verwendung von einigen nötigen Formeln, beispielsweise zur kritischen Dichte des Universums, nicht zurück. Obwohl er selbst zugibt, in sein Buch mit den komplexesten Sachverhalten einzusteigen, sind die Erklärungen klar und übersichtlich formuliert.

Sie sind auch so vollständig, dass der Leser nicht mit dem Gefühl zurückgelassen wird, nur die Hälfte der Geschichte präsentiert bekommen zu haben, weil er die andere sowieso nicht verstehen würde. Bei der Entstehung des Sonnensystems und der Planeten geht es dann weit weniger theoretisch und eher deskriptiv zu. Inhaltsbedingt gibt es einen Bruch in der Mitte des Buchs: weg von der Physik, hin zur Geologie und zur Evolution. Resag beschreibt die wechselnden Klimabedingungen auf der Erde, Plattentektonik und die Evolution des Lebens. Leider wird dies alles unübersichtlich insofern, als dass der Leser von den vielen genannten Tierarten, ihren Entwicklungslinien und Kategorien, fast erschlagen wird. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich auf einige wenige Spezies zu konzentrieren, diese dafür ausführlicher zu behandeln und so Schwerpunkte zu setzen.

So bleibt bei mir nach der Lektüre nur ein sehr oberflächlicher Eindruck von einer endlosen Abfolge von Namen zurück – hängengeblieben ist wenig. Der Versuch, nichtintuitive Größenordnungen wie Millionen oder gar Milliarden von Jahren über greifbarere Vergleiche verständlich machen zu wollen, ist sinnvoll. Allerdings frage ich mich dann doch irgendwann, wie informativ solche Aussagen wirklich sind: "Auf unserem Zeitpfad von Norden Australiens zum Kölner Dom kommen wir im Jura in der Nähe der Stadt Frankfurt vorbei, die rund 150 Kilometer Luftlinie von Köln entfernt ist." Nachdem dieser Vergleich zwischen Zeit- und Längeneinheit einige Dutzend Mal herangezogen wurde, ist er überstrapaziert.

Als echtes Highlight von "Zeitpfad" sind die zahlreichen, durchgehend farbigen Grafiken zu nennen. Egal, ob es sich um Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble, Schemata des inneren Erdaufbaus oder eine künstlerische Darstellung des Tyrannosaurus rex handelt: Die Bebilderung ist qualitativ hochwertig und trägt zum Verständnis des Texts bei. Angesichts dieser ausgezeichneten Aufmachung ist es fast ein wenig schade aber wegen des eher langweiligen zweiten Teils möchte ich für dieses Buch nur eine eingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.