Haben Sie Angst vor der Zukunft? Gehören Sie zu denen, die gern vorhersehen würden, was da kommt, um auf der sicheren Seite zu sein? Aber warum? Ist es nicht besser, dem Künftigen aufgeschlossen entgegenzusehen – Zukunft zu wagen, wie es Matthias Horx in seinem neuen Buch fordert?

Horx, Begründer des "Zukunftsinstituts" in Frankfurt am Main und umtriebiger Unternehmensberater, ruft angesichts des unablässigen Wandels in der Welt zu kluger Gelassenheit auf. In seinem Buch geht er detailliert auf Zukunftsängste und -hoffnungen ein. Er fragt, warum wir uns so oft vor dem Kommenden fürchten, wo wir doch mehr denn je in einer sicheren und komfortablen Umgebung leben. Er will wissen, wie wir Zukunftsbilder in unserem Kopf formen und warum wir immer wieder meinen, früher sei alles besser gewesen. Gerade angesichts von Finanz- und Eurokrise haben viele Menschen Angst davor, ihren Lebensstandard einzubüßen.

Könne man nicht, fragt Horx, mit der Zukunft so umgehen wie seine Großmutter Hildegard? Die Art, wie diese die zahlreichen Schicksalsschläge ihres Lebens verkraftete, bezeichnet Horx als "Erwartungsmanagment" und meint damit, dass Hildegard nie den Mut verloren habe. "Abwarten" hieß ihre Devise – und dabei keine Ansprüche stellen, die aller Voraussicht nach enttäuscht werden.

Horx schildert viele persönliche Erinnerungen, etwa dass seine Eltern für einen eventuellen Atomkrieg im Jahre 1962 Vorräte im Keller angelegt hatten. Indem er von dort zur Zukunftsforschung überleitet, kommt er zu dem Schluss, dass es in der Natur der Menschen liege, sich vor dem Kommenden zu fürchten. Es fehle an vorwärtsgewandtem Optimismus, weil Menschen vor allem das im Blick hätten, was sie eventuell verlieren könnten – statt ihr Augenmerk auf den möglichen Gewinn zu lenken. So betrachtet kann man schnell hinter jeder Ecke einen Weltuntergang vermuten.

Sinngemäß schreibt Horx, dass die Menschen in der heutigen Zivilisation aus jedem Missgeschick und jedem Unfall ein existenzielles Problem machten. Der Absturz eines Flugzeugs werfe sogleich die Frage auf, ob das Fliegen an sich überhaupt gewagt werden könne. Bestärkt werde das durch den Umstand, dass unser Gehirn auf Gefahrenanzeichen besonders intensiv reagiere – während es Vorgänge, die reibungslos und ohne Gefahrenpotenzial für uns abliefen, weniger Aufmerksamkeit widme. Diese Angst, so Horx, verselbstständige sich in uns und beginne, ein Eigenleben zu führen. Geschürt werde sie von der allgegenwärtigen medialen Dauererregung.

Einen möglichen Ausweg bietet der "evolutionäre Humanismus". Der von dem englischen Biologen und Philosophen Julian Huxley (1887-1975) geprägte Begriff umreißt eine naturwissenschaftlich geprägte Weltanschauung, die auf vernunftbasierte Ethik setzt statt auf religiös geprägte Moral. Ihr zufolge gibt es keine feststehenden Dogmen, vielmehr solle moralisches Handeln einen evolutionären Prozess durchlaufen, der sich an veränderte soziale Umstände anpasst und offen ist für neue Erkenntnisse. Mit dem evolutionären Humanismus, so Horx, könne der Mensch eine Haltung zur Welt einnehmen, in der er die Wirklichkeit nicht ständig verleugnen muss, um seine (Zukunfts-)Ängste zu bewältigen. Dazu gehöre es, den Wandel zu bejahen.

Werden wir die Eurokrise überstehen? Werden die Rohstoffe reichen? Wird uns der Klimawandel das Leben kosten? Horx ist optimistisch. Er meint, viele unserer Abhängigkeitsverhältnisse, die anfangs hochkomplex und labil seien, so dass ihr Zusammenbrechen drohe, würden in einem evolutionären Prozess – vorangetrieben von aufeinanderfolgenden Krisen – nach und nach einfacher, robuster und weniger störanfällig. Das sei ein guter Grund, davon auszugehen, dass wir es schaffen werden.