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Erdnahe Objekte

Asteroideneinschlag im Meer

Ein 250-Meter-Brocken stürzt – in einer Simulation – aus dem All in den Ozean. Der Platscher wäre gigantisch, die Wellen blieben eher harmlos.
Visualization of Analysis of Threats from Asteroid Ocean Impacts

Veröffentlicht am: 25.09.2016

Laufzeit: 0:04:59

Sprache: englisch

Untertitel: ohne Untertitel

Francesca Samsel ist eine Spezialistin für Computergrafik an der University of Texas in Austin.

Rund 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Asteroiden schlagen darum statistisch häufiger im Ozean ein als auf dem Land. Was an der Einschlagstelle eines 100 bis 250 Meter großen Brockens passiert, haben Forscher des Los Alamos National Laboratory und der University of Texas in einer Studie nun berechnet und visualisiert. Die bei einer Supercomputing-Konferenz im November 2016 in den USA vorgestellte Simulation zeigt: Auch wenn auf hoher See kaum jemand von den Gesteinsbrocken erschlagen würde, könnten die Folgen für die Menschheit beträchtlich sein.

Kommentiert von einem der Forscher, zeigt das Video einige der simulierten Szenarien. Gewaltige Wassermengen – mehrere hundert Megatonnen – würden verdampfen und im ungünstigsten Fall bis in die Stratosphäre aufsteigen. Dort können sie über Monate bis Jahre erhalten bleiben und einen Treibhauseffekt hervorrufen. Dessen Auswirkungen bekäme die Menschheit viel stärker zu spüren als die unmittelbare Wucht des Aufpralls.

Gewaltige Tsunamis, die Küstenstädte überrollen, und andere Zerstörungsszenarien, wie man sie aus Katastrophenfilmen kennt, sind von Asteroiden dieser Größe indessen nicht zu erwarten. Die Wellen, die sich ringförmig um die Einschlagstelle ausbreiten, verlieren schnell an Energie und entsprächen schon in geringer Entfernung vom "Ground Zero" nur noch denen eines tropischen Sturms. Lediglich falls der Einschlagspunkt weniger als 20 Kilometer von der Küste entfernt läge, käme es zur Zerstörung von Städten – durch Tsunamis, aber auch durch Druckwellen und Hitze.

Einen beträchtlichen Unterschied macht es, ob der Asteroid bis zum Aufprall am Stück bleibt oder bereits in der Luft explodiert, wie etwa der rund 20 Meter große Bolide von Tscheljabinsk, der 2013 über Russland niederging. Sollte dies der Fall sein, sind die Auswirkungen auf die Wasseroberfläche laut der Simulation erheblich geringer.

Die preisgekrönte 3-D-Visualisierung der Einschlagssimulation veranschaulicht, welche gewaltigen Kräfte im Zentrum des Impakts auftreten. In rötlichen Farbtönen sind Stellen mit einem hohen Anteil von Gesteinsmaterial dargestellt, blaue Töne repräsentieren das Meerwasser und gelbe die Temperatur. Der Ozean ist im simulierten 46 mal 24 Kilometer großen Areal 5000 Meter tief. Bei manchen Einschlägen, so zeigen die Bilder, scheinen Wasserdampf und Gesteinsmaterial den Weg des Meteoriten zurückzuverfolgen. Offenbar reißt der Brocken durch seine extrem hohe Geschwindigkeit einen luftleeren Kanal in die Atmosphäre, in den hinein das von der Einschlagstelle emporspritzende Material gesaugt wird.

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