Bakterielle Infektionen, die sich mit Antibiotika kaum noch behandeln lassen, sind ein wachsendes Problem: Geschätzte 700 000 Menschen weltweit sterben bereits jedes Jahr an einer solchen Erkrankung, 2050 könnten bereits mehrere Millionen pro Jahr betroffen sein. Schon heute existieren panresistente Keime, die auf keines der derzeit gebräuchlichen Antibiotika ansprechen. Helfen würden neue Antibiotika – die aber sind Mangelware.

Ein Video aus dem Labor von Roy Kishony von der Harvard Medical School macht deutlich, wie schnell Resistenzen entstehen und sich in einer Population durchsetzen. Die riesige Petrischale, die dies vor Augen führt, ist zwar vorrangig als Schauobjekt für Medizinstudenten konzipiert: In ihr arbeiten sich Bakterien binnen weniger Tage in Gebiete mit immer höheren Antibiotikakonzentrationen vor, indem sie ihre Gene immer besser an die feindliche Umgebung anpassen.

Das Geschehen beeindruckt aber selbst Wissenschaftler und bringt ihnen zuweilen sogar neue Erkenntnisse: So waren manche Resistenzmechanismen, die das Forschungsteam mit Hilfe der Platte nachweisen konnte, zuvor noch unbekannt. Beispielsweise zeigte sich, dass nicht immer die Organismen mit der stärksten Resistenz am Ende das Rennen machten – häufig waren es "schwächere" Mutanten, die zuerst Regionen höherer Antibiotikadosis erreichten, sich dort weiterentwickelten und schließlich die Petrischale mit ihren Abkömmlingen dominierten.

Um eine "Antibiotika-Apokalypse" noch zu stoppen, sind große Anstrengungen nötig. Neue Varianten dieser Wirkstoffe sind zwar in Arbeit: Forscher wollen sie zum Beispiel synthetisch erzeugen (SciViews-Video) oder nach dem Lego-Prinzip entwickeln (xeNews-Video bei Arte).

Vor allem aber müssen die Medikamente schon heute sparsamer eingesetzt werden. Viele Ärzte greifen beim Thema Antibiotika allzu freizügig zum Rezeptblock. Aber auch ihr Dauereinsatz in der Viehwirtschaft, wo sie als wachstumsfördernde Stoffe missbraucht werden, begünstigt die Entstehung von resistenten Keimen, welche dann, auf dem Umweg über unsere Teller, in unserem Körper landen.

In manchen Ländern greift man mittlerweile bereits zur Phagentherapie (Video auf Arte Future). Phagen sind Viren, die Bakterien infizieren. In Deutschland ist ihre Anwendung zwar noch nicht zugelassen. Nach Jahrzehnten im Schatten von Antibiotika könnten sie aber in Zukunft zu einer der wertvollsten Waffen im Kampf gegen die Keime werden.