Neutrinos, die unter anderem bei Fusionsprozessen im Zentrum der Sonne entstehen, fliegen durch den menschlichen Körper, ohne die geringste Wechselwirkung einzugehen. Die allermeisten von ihnen durchdringen auch mühelos den ganzen Erdball. In diesem Video erklärt der Kanadier Art McDonald als animierte Zeichentrickfigur, wie er einem ihrer Geheimnisse auf die Spur kam. 2015 erhielt McDonald, Leiter eines der weltweit wichtigsten Neutrino-Observatorien, dafür gemeinsam mit dem Japaner Takaaki Kajita den Nobelpreis für Physik.

Wer bei dem liebevoll und ideenreich animierten Clip genau hinsieht, wird belohnt, etwa wenn das Eis in McDonalds Hand offenbar seine Geschmacksrichtung ändert, während er vom "flavour change" der Neutrinos redet. Damit meint er natürlich keine "Änderung der Geschmacksrichtung", sondern vielmehr das physikalische Phänomen, dass Neutrinos verschiedener Typen sich ineinander umwandeln können.

Die Teams von McDonald und Kajita mussten riesige Detektoren tief unter der Erde installieren, um solche Neutrinowandlungen nachweisen zu können. Den Grund für die ungewöhnliche Ortswahl streift McDonald im Video nur kurz: An der Erdoberfläche kommen noch zu viele energiereiche Teilchen aus der kosmischen Strahlung an. Die wenigen Neutrino-Ereignisse in einem Detektor würden im Rauschen der vielen anderen Teilchen untergehen. Einige Kilometer tief unter der Erde hingegen sind fast alle anderen Teilchen ausgefiltert.

McDonalds Entdeckung hat übrigens Konsequenzen für das Standardmodell der Elementarteilchenphysik. Denn er bedeutet, dass Neutrinos – entgegen herkömmlichen Annahmen – doch über eine geringe Masse verfügen (siehe zum Beispiel Neutrinos: Die Stiefkinder des Standardmodells auf Spektrum.de).

Das Nature-Video entstand in Kooperation mit den Lindauer Nobelpreisträgertagungen und wurde von der US-Nahrungsmittelfirma Mars Incorporated gesponsert, die dafür in der zweiten Hälfte des Videos einen Werbeclip unterbringen durfte.