Auf dem International Astronautical Congress (IAC) in der australischen Küstenstadt Adelaide hat Raketenpionier und Internetmilliardär Elon Musk am 28. September 2017 seine Ideen für eine Marsrakete weiter präzisiert. Im Video ist sein Vortrag zu hören. Bereits im letzten Jahr, auf dem IAC 2016, hatte er das Projekt einer gigantischen Rakete vorgestellt, die er Interplanetary Transport System (ITS) nannte. Die neue, nun aber etwas abgespeckte, Vision soll immer noch alle Konkurrenten weit in den Schatten stellen.

Mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX hat Musk schon jetzt Geschichte geschrieben. Er berechnet für einen Raketenstart die weltweit niedrigsten Preise und kann als Einziger die Unterstufe seiner Raketen wiederverwenden. Sein Ehrgeiz reicht aber weiter: Er möchte die Menschen zu einer multiplanetaren Spezies machen. Die Neuentwicklung mit dem Codenamen BFR (Big Fucking Rocket: verdammt große Rakete) soll den Weg dazu ebnen.

Ihre Parameter können sich sehen lassen: 31 gewaltige Triebwerke (Raptors, zu deutsch: Raubvögel), eine Eigenentwicklung von SpaceX, sollen die 106 Meter hohe, 4400 Tonnen schwere BFR in den Himmel heben und 150 Tonnen Fracht in die Erdumlaufbahn befördern. Alle Komponenten werden laut Plan wiederverwendbar sein, was die BFR zur preisgünstigsten Rakete aller Zeiten machen könnte.

Die erste Stufe kehrt direkt auf den Starttisch zurück, so dass sie an Ort und Stelle überprüft, neu betankt und wieder gezündet werden kann. Für einen direkten Flug zum Mars reicht der Treibstoff allerdings nicht aus. Vier Frachtraketen müssen zunächst die Tanks der fest mit dem Nutzlastbereich verbundenen Oberstufe in der Umlaufbahn auffüllen. Das genügt dann, um etwa 100 Menschen in 40 Kabinen komfortabel zum Mars zu fliegen und sanft auf der Oberfläche abzusetzen. Der Tank ist anschließend zwar leer, aber glücklicherweise verbrennt die Rakete ausschließlich Methan und Sauerstoff. Die Gase lassen sich aus Kohlendioxid und Wasser herstellen – beides könnten Kolonisten auf dem Mars relativ leicht gewinnen.

Weil sich das Startfenster für einen Flug zum Mars nur alle zwei Jahre für einige Wochen öffnet, schlägt Musk für die Zwischenzeit auch andere Verwendungsmöglichkeiten vor. So könnte das System schwere und ausladende Satelliten in die Erdumlaufbahn befördern oder bis zu 150 Tonnen Fracht zu einer Mondsiedlung. Wird die Oberstufe in der Erdumlaufbahn neu betankt, meistert sie den Weg zum Mond und zurück aus eigener Kraft. Und nicht zuletzt könnte die BFR den interkontinentalen Flugverkehr revolutionieren. Auf einer ballistischen Bahn flöge sie in weniger als einer Stunde von Europa nach Australien – wenn sich denn genügend Menschen finden, die ihr Leben einem solchen potenziell hochexplosiven Leviathan anvertrauen wollen.

Die beste Vision nutzt aber nur wenig, wenn sie nicht umgesetzt wird. Die NASA geht schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit dem Projekt einer neuen Riesenrakete hausieren. Pro Start soll sie eine halbe Milliarde US-Dollar verschlingen, ihr Jungfernflug verschiebt sich immer weiter nach hinten. Elon Musk treibt sein Projekt dagegen entschlossen voran. Die leistungsstarken Raptor-Triebwerke fauchen bereits auf dem Teststand, das gesamte System soll bis 2022 startbereit sein. "Fünf Jahre sind für mich eine lange Zeit", erklärte er in seinem Vortrag. Das erste mögliche Startfenster will er nutzen, um zwei Frachtraketen zum Mars zu schicken. Zwei Jahre später sollen die ersten Menschen folgen.

Kann das wirklich funktionieren? Musk hat den Weg zum Mars zwar detailliert ausgearbeitet, aber offen gelassen, wie er das Überleben der Menschen in den kalten Wüsten des roten Planeten sicherstellen will. Und die Entwicklungskosten, über deren Höhe er ebenfalls noch schweigt, kann selbst ein Milliardär kaum alleine aufbringen.

Bisher aber hat sein Raumfahrtunternehmen SpaceX alle geplanten Projekte realisiert, wenn auch mit teilweise beträchtlicher Verspätung. Auch die BFR hat also gute Chancen, gebaut zu werden. Der Mars rückt näher.