Kein erwachsenes Säugetier verträgt Milch – mit Ausnahme des Menschen. Das verdanken wir einer Veränderung in unserem Erbgut, durch die wir Laktose, also Milchzucker, mittels des Enzyms Laktase verdauen können. Sie trat allerdings erst mit dem Beginn der Viehzucht auf, denn erst dann bot sie Menschen einen Überlebensvorteil.

So lautet die Kernaussage eines Videos aus der BioInteractive-Serie des amerikanischen Howard Hughes Medical Institute (HHMI). In dem aufwändig produzierten Fünfzehnminüter trifft der amerikanische Genetiker und Autor Spencer Wells renommierte Chemiker, Biologen und Anthropologen, um zu erfahren, wie Kultur und Genetik bei der Evolution der Laktosetoleranz zusammenspielten.

Das Video zeigt anschauliche Animationen, scheut aber auch nicht vor Originaldaten aus wissenschaftlichen Publikationen wie etwa dieser Nature-Studie zurück, die den ersten Gebrauch von Milch auf das 7. Jahrtausend v. Chr. datiert. Sehenswert ist es nicht zuletzt, weil es auf offene Fragen eingeht und die authentisch porträtierten Wissenschaftler auch einmal zugeben dürfen, wenn sie eine Antwort nicht wissen.

Übrigens kann nicht nur ein Bluttest, wie im Film gezeigt, eine Intoleranz diagnostizieren. Häufiger noch wird nach Wasserstoff in der Atemluft gesucht: Wenn keine Laktase am Werk ist, wird die Laktose von Bakterien im Dickdarm aufbereitet, wobei Wasserstoff über das Blut in die Lunge gelangt.

Heutzutage sind rund fünfzehn Prozent der Deutschen laktoseintolerant. Ihrem Nachwuchs vererben sie diese genetische Konstellation nur rezessiv. Sie tritt also nur dann auf, wenn keines der beiden Elternteile die Mutation für das Verdauen von Laktose weitergibt. Global gesehen sind die Milchtrinker sogar in der Minderheit.

Wer aber angesichts der steigenden Zahl laktosefreier Produkte in den Supermarktregalen glaubt, die Intoleranz sei auf dem Vormarsch, täuscht sich. Gestiegen ist wohl lediglich das Bewusstsein für das Thema.