Auf einer sommerlichen italienischen Gebirgswiese, reich bevölkert von blühenden Wildblumen, Kräutern, Insekten und Spinnen, herrscht buchstäblich buntes Treiben. Die Farbenpracht ist nicht nur ästhetisch ein Genuss, sondern dient ganz elementaren Zwecken. Mit den Farben ihrer Blüten locken Pflanzen Nektar suchende Bestäuber wie die Hummel an und sichern so ihre Fortpflanzung. Jäger wie die Krabbenspinne interessieren sich ebenfalls für die Insekten und nehmen zur Tarnung die Farbe der Blüte an, die sie bewohnen.

Die sehenswerte und farbenfreudige Dokumentation, 2014 gedreht von der italienischen Verhaltensforscherin und Filmemacherin Isabella Bollini, geht inhaltlich zwar nicht über längst Bekanntes hinaus, ist aber handwerklich perfekt. Sie heimste Filmpreise in Italien und Frankreich ein und war Finalistin zahlreicher weiterer Wettbewerbe.

Dass die Fülle, in der Bollinis Film schwelgt, in großer Gefahr ist, muss sich der Zuschauer indessen selbst klar machen. In den letzten drei Jahrzehnten ging die Zahl der Insekten weltweit bedrohlich zurück, in Naturschutzgebieten in ganz Deutschland gar um 75  Prozent. Das belegt eine aktuelle Studie. Ursachen könnten unter anderem Pestizide, Überdüngung und Monokultur der industriellen Landwirtschaft sein, die mit der Vernichtung von Hecken, Feldrainen und Wäldchen einhergehen. Gifte werden von dort aus in Naturschutzgebiete eingetragen, die von vornherein zu klein ausgelegt sind und mehr und mehr zu Inseln werden, zwischen denen kein Artenaustausch mehr stattfindet.

Doch auch in der Stadt sehen sich Insekten oft unnötigem Stress ausgesetzt, etwa durch nährstoffarme Balkon- und Grünflächenbepflanzung mit Geranien und Rasen sowie durch giftreiche und maschinelle Garten- und Landschaftspflege. Für Hummeln, die extrem viel Energie benötigen, kann das Mangelangebot den Hungertod bedeuten. So sind viele von ihnen einer britischen Studie von 2017 zufolge gezwungen, mit zahlreichen anderen Insekten um den Nektar von Silberlinden zu konkurrieren. Er stellt im August in vielen urbanen Regionen Europas und Nordamerikas die letzte verfügbare Nahrung dar. Im Wettbewerb darum sind Hummeln die schwächsten Teilnehmer.

Wer nichts anfangen kann mit Prozentzahlen zum Insektensterben, ausführlichen Studienergebnissen und Sätzen wie Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten, der möge diesen Clip ansehen. Bollini zeigt uns noch einmal in aller Schönheit, was vielerorts längst verloren gegangen ist.