Heute geht es um ein Phänomen, das normalerweise zwar nur lästig ist, aber auch eine dunkle Seite hat. Staub.

Dass man an Staub sterben kann, wissen wir spätestens seit der Geschichte mit dem Asbest. Gesteinsstaub im Bergbau verursacht eine ähnliche Krankheit, die Silikose. Oft reisen in Stäuben auch viel interessantere Sachen mit als bloß Staubkörner, nämlich Pilze. Sehr feiner Staub kann beim Einatmen bis tief in die Lunge gelangen.

Ein Beispiel kommt aus den USA, und zwar aus Kalifornien, wo die Behörden vor der Coccodioidmykose warnen. Das ist eine Krankheit, die durch das Einatmen von Wüstenstaub hervorgerufen wird, der Sporen des Pilzes Coccidioides immitis mit sich trägt. Jedes Jahr treten einige tausend Fälle auf, die sich durch Husten, Fieber, Hautausschlag und andere Symptome äußern. Gesunde Menschen werden die Infektion nach einiger Zeit wieder los, immunschwache Patienten jedoch, können eine lebensgefährliche systemische Infektion entwickeln

Gefährliche Pilze im Staub gibt es hierzulande natürlich auch. Ich hatte schon in anderen WWAS-Folgen von unseren pilzigen Mitbewohnern an feuchten Orten wie Kühlschrank und Spülmaschine berichtet. Im Staub allerdings begegnet uns vor allem die die Schimmelpilzgattung Aspergillus. Aspergillus kann spezielle Sporen bilden, die so wasserabweisend sind, dass sie sich in der Luft verteilen, wo wir sie dann einatmen. Außerdem produzieren sie spezielle Wirkstoffe wie das Gliotoxin, das das Immunsystem unterdrückt und menschliche Zellen tötet.

Deswegen ist Aspergillus auch überall. Zum Beispiel haben Mitarbeiter von Nagelstudios ein Berufsrisiko durch den Staub von abgeschmirgelten oder durchbohrten Zehen und Fußnägeln – weil diese so stark von Schimmelpilzen besiedelt sind.

Der Schimmel ist nur in seltenen Fällen wirklich gefährlich, kann aber invasiv werden, besonders bei immungeschwächten Personen. In Extremfällen dringt der Pilz in die Blutgefäße der Lunge ein. Bei Personen mit einem gesunden Immunsystem kann ein Aspergillom entstehen, das ist ein Klumpen aus Schleim, Schimmel und abgestorbenem Gewebe, der sich in einer Körperhöhle, zum Beispiel der Nasennebenhöhle bildet. Nicht tödlich, aber sehr eklig. Vorsicht ist allerdings geboten bei Kompost und Biomüll: Es gibt immer wieder Berichte von Leuten, die beim Umgang mit schimmelnden Abfällen eine volle Ladung Sporen einatmen und dabei schwer krank werden oder auch sterben.