Schau mir in die Augen – aber seitlich! Wer so das Auge eines Menschen betrachtet, erkennt eine Wölbung auf dem Augapfel direkt über der Iris: die Hornhaut oder Kornea. Dieses glasklare Häutchen umschließt einen flüssigkeitsgefüllten Raum, der einen Großteil der für das scharfe Sehen erforderlichen Lichtbrechung übernimmt. Dieses Video aus dem Hause Nature erklärt anschaulich, wie die Kornea aufgebaut ist, was geschieht, wenn sie Schaden nimmt und welche Behandlungsmöglichkeiten dann zur Verfügung stehen.

So kann etwa der Zellring, der Limbus, geschädigt sein, der die Kornea von der weißen Augenhaut isoliert. Diese Trübung der Hornhaut ist zwar nicht mit dem Katarakt (grauer Star) zu verwechseln, bei dem die Linse des Auges selbst getrübt ist. Aber der Effekt ist der gleiche: Betroffene sehen die Welt unscharf, wie durch einen Schleier hindurch. Laut WHO verursachen solche Erkrankungen der Kornea etwa zwei Prozent der Sehbehinderungen und sieben Prozent der Erblindungen weltweit.

Wie das Video korrekt berichtet, lassen sich Eintrübungen der Kornea zwar behandeln. Zu den Standardtherapien gehören etwa Transplantationen patienteneigener Limbus-Zellen oder künstliche Kornea-Prothesen. Diese Therapien führen jedoch oft nicht zu vollständiger Heilung oder sind mit langwierigen Nebenwirkungen verbunden. Und auch bei Transplantationen von Spenderhornhäuten, einer weiteren Standardbehandlung, gibt es Probleme: Rund ein Drittel dieser Fremdorgane werden vom Auge des Empfängers wieder abgestoßen.

Einen Durchbruch, so das Video, verheißt die Züchtung neuer Hornhäute aus patienteneigenen Stammzellen. Beispielsweise haben Forscher in einer 2016 in Nature veröffentlichten Studie aus menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen immerhin Teile der Kornea wachsen lassen. Anschließend implantierten sie diese Gewebeteile Hasen, deren Hornhaut geschädigt war.

Ziel ist es nun, eine ganze Kornea aus patienteneigenen Stammzellen zu züchten. Genau daran arbeitet einer der Sponsoren des Videos, die Kyoto Prefectural University of Medicine. Ein weiterer Sponsor ist das Translational Research Informatics Center(TRI) im japanischen Kobe. Inhaltlich, versichert Nature, arbeite die Videoredaktion aber unabhängig – nur dass sie vermutlich lieber solche Filme produzieren, die Sponsoren finden, als andere. Abgesehen davon ist der Clip als Lehrvideo wirklich gut gelungen.