Es ist vielleicht kein Zufall, dass Harvard-Absolventin Pamela Meyer zunächst eine Social Networking-Firma führte: Dort entwickelte sie sich zu einer Expertin in Lügendetektion, die heute andere in dieser Wissenschaft trainiert. In ihrem Vortrag stellt sie zum einen unterhaltsame Befunde der Lügenforschung vor: Verheiratete Paare lügen einander in jeder zehnten Interaktion an, unverheiratete in jeder dritten, und Studenten ihre Mutter in jeder fünften. Zum anderen führt sie in die Prinzipien der Lügendetektion ein und zeigt Beispiele für wahre und falsche Aussagen, etwa Clinton beim Abstreiten der Lewinsky-Affäre.

Zunächst aber warnt sie, Lügen zu verteufeln: Viele seien gut gemeint – nur manche könnten uns teuer zu stehen kommen. Wer nicht betrogen werden wolle, müsse wissen, welche Lügen er nur allzu gerne glaube – denn das sei der wunde Punkt, wo jeder einer Lüge auf den Leim geht. Außerdem könne jeder nach den typischen Kennzeichen von Lüge und Wahrheit suchen: formelle und distanzierende Wortwahl, chronologische Erzählungen, zu viel Blickkontakt, verräterische Körpersprache und viele mehr.

Meyer präsentiert treffende Bilder und Kurzfilme mit einer wichtigen Botschaft: Ein Hinweis allein genügt nicht, um einen Lügner treffsicher zu identifizieren – es brauche stets ein Muster aus typischen Kennzeichen sowie einem Kontext, in dem sie bewertet werden. Wer die Arbeiten von Paul Ekman kennt und die darauf basierende TV-Serie Lie to me gesehen hat, wird damit zwar nicht viel Neues erfahren. Für alle übrigen jedoch lohnt es sich, genau hinzusehen.