Die Erdbevölkerung wächst rasant – mit Konsequenzen unter anderem für die Umwelt, für Nahrungsmittelsicherheit und Gesundheitsversorgung. Glaubt man einem perfekt gemachten Video der Münchner Animationsdesigner von "Kurzgesagt", wird die Zahl der Menschen auf dem Globus aber nicht mehr lange zunehmen. Schließlich scheint das Bevölkerungswachstum in vielen entwickelten Nationen bereits gestoppt, andere Länder werden nachziehen. Es gebe vielmehr Gründe zur Annahme, dass die Zukunft der globalen Bevölkerungsentwicklung keineswegs eine "apokalyptische Prophezeiung" sei, sondern vielmehr "ein Versprechen".

Das kann man auch anders sehen. Tatsächlich scheint das Video lediglich die Position zu illustrieren, die der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Max Roser von der Oxford Martin School vertritt. In Zusammenarbeit mit ihm und mit Unterstützung der Bill & Melinda-Gates-Stiftung entstand das Video nämlich.

Roser arbeitet empirisch mit Daten von Institutionen wie UNO, OECD und Weltbank, die er für das von ihm gegründete Online-Projekt Our World in Data sammelt und attraktiv visualisiert. Zu seinen Zielen gehört es erklärtermaßen, dem Pessimismus entgegen zu wirken, den viele Medien in ihrer Berichterstattung von der Welt verbreiten.

Denn entgegen dem vorherrschenden Eindruck seien beispielsweise Armut und Gewalt im Vergleich zu früheren Zeiten und in Relation zur Gesamtbevölkerung auf dem Rückzug. Das erfährt man gerne. Rosers Arbeit ebenso wie das Video bereichern die Debatte um zahlreiche, oft auch überraschende Fakten. So liefern sie ein begrüßenswertes Gegengewicht zu unserem möglicherweise übertrieben negativen Bild der Wirklichkeit.

Die pointierte Darstellung im Video springt dann aber doch zu kurz. Ist denn wirklich alles so viel besser als gedacht? Um nur Beispiele zu nennen: Ressourcen- und Landverbrauch weltweit steigen weiterhin. Der Klimawandel ist alles andere als ein erfreuliches Versprechen. Und im Verlauf der im Video beschworenen Fortschritte in Entwicklungsländern kommen auch heute noch viele Menschen unter die Räder.

Wer den Film also gesehen hat, sollte anschließend zumindest noch Rosers Portal besuchen. Dort wird trotz aller vielleicht positiv stimmenden Fakten deutlich, dass die Dinge so einfach nun auch wieder nicht sind.