Es war ein winzig kleines Stück Knochen, nicht mal so groß wie ein Fingernagel, der für Anthropologen bahnbrechende Erkenntnisse bereit hielt. Das Stück gehörte laut DNA-Analyse einer bis dahin unbekannten Menschenart, den Denisova-Menschen, die vor rund 40 000 Jahren im sibirischen Altai-Gebirge gelebt hatten. Mit dieser Erkenntnis konnten der Anthropologe Svante Pääbo am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und sein Team der Stammesgeschichte des Menschen ein weiteres Puzzleteil hinzufügen. Ermöglicht hatte dies ein methodisches Kunststück, das Pääbo seit den 1980er Jahren weiterentwickelt: die Gewinnung von DNA aus mumifiziertem oder fossilem Material.

Auf der Falling-Walls-Konferenz in Berlin zeichnet Pääbo den Werdegang des modernen Menschen nach und berichtet von seinen eigenen Entdeckungen. 2010 gelangen ihm und seinem Team die Sensation: Erstmals konnten sie den Entwurf des Neandertaler-Genoms präsentieren, bevor 2014 das komplette Genom folgte. Für uns als modernen Menschen hält das einige Überraschungen bereit: So zeigt sich, dass bestimmte Bereiche der Neandertaler-DNA auch in der von Homo sapiens auftauchen.

Svante Pääbo gilt heute als Begründer der Paläogenetik.