Zwölf riesige außerirdische Raumschiffe, konturlos und wuchtig wie prähistorische Menhire, landen auf der Erde, jedenfalls beinahe. Tatsächlich schweben sie, als man sie näher in Augenschein nimmt, in regungsloser Erwartung knapp über dem Boden. Der Film verrät nicht, woher die Aliens kommen oder wie sie leben – und anfangs auch nicht, warum sie die Erde überhaupt angeflogen haben.

Angesichts der potenziellen Bedrohung werden die Linguistin Louise Banks und der Physiker Ian Donnally von der amerikanischen Armee rekrutiert, um Sprache und Schrift der Außerirdischen zu entschlüsseln. Die immer nervöser werdenden Militärs verschiedener Staaten bereiten inzwischen einen Angriff auf die Eindringlinge vor.

Als dramatische Erzählung, die spannend von der Selbstfindung der Protagonistin erzählt, ist der Film fraglos sehenswert und gut gespielt. Seine Grundidee erscheint jedoch eher esoterisch als wissenschaftlich. Sie erweitert die heute stark umstrittene Sapir-Whorf-Hypothese, derzufolge die Muttersprache eines Menschen sein Bewusstsein wesentlich prägt. So verfügen laut einem – mittlerweile widerlegten – Beispiel des amerikanischen Linguisten Benjamin Lee Whorf (1897 – 1941) die Hopi-Indianer über keine Begriffe für zeitliche Abläufe und hätten damit auch keine Vorstellungen einer linearen Zeit.

Ungefähr hier setzt "Arrival" an. Die auf komplexen kreisförmigen Zeichen bestehende Schriftsprache der Außerirdischen scheint die Linearität der Zeit nicht nur zu ignorieren, sondern sie geradezu aufzuheben. Auf kognitiver Ebene ist den Aliens darum die Vergangenheit ebenso wie die Zukunft gleichermaßen gegenwärtig. Einfacher gesagt: Sie – und alle, die ihre Sprache erlernen – können in die Zukunft blicken.

Aus wissenschaftlicher Sicht sollte man also nicht zu viel erwarten. Die Grundlagen der Exolinguistik, also der Lehre von den möglichen Sprachen extraterrestrischer Lebensformen, streift "Arrival" nur am Rande. Und nicht einmal die Militärs scheinen sich dafür zu interessieren, dass die Aliens offenbar die Gravitation manipulieren können.

Auch wenn sich der Film als Hard Science-Fiction gibt: Letztlich reduziert er, was immer sich über die Anbahnung einer Kommunikation mit Außerirdischen sagen ließe, auf Bilder von jeder Menge Laptops, Whiteboards und vollgeschriebenen Notizzetteln. "Arrival" zeigt keine Wissenschaft, sondern simuliert sie nur.

Arrival, VoD, DVD und Blu-ray, USA, 2016. Regie: Denis Villeneuve