Das Klima ändert sich "schneller als je zuvor seit dem Ende der Eiszeit – ein Wandel, zu schnell vielleicht, als dass sich das Leben ohne schwerwiegende Umbrüche daran anpassen könnte". Mit diesen Worten beginnt ein investigativer Artikel, den die niederländische Journalismus-Plattform De Correspondent in Kooperation mit dem britischen Guardian Anfang März 2017 publizierte. Ursprünglich stammen sie aber aus dem Film "Climate of Concern" (Klima der Besorgnis), den der Ölkonzern Shell bereits 1991 hatte produzieren lassen. Jelmer Mommers, bei De Correspondent für Energiefragen zuständig, holte ihn nun wieder aus der Versenkung.

Wie der Film und auch weitere Dokumente belegen, auf die Mommers verweist, wusste Shell bereits vor einem Vierteljahrhundert, dass die fortgesetzte Verbrennung fossiler Energien die Erde gefährlich erwärmen würde. Statt jedoch Konsequenzen daraus zu ziehen, investierte der Konzern seither gigantische Summen in die Erkundung arktischer Ölquellen und die Ausbeutung kanadischer Bitumensande.

Die auch für ein heutiges Publikum spannende Dokumentation kombiniert Einblicke in den Alltag von Forschung und Wirtschaft mit informativen Grafiken und Animationen. In der Rückschau erweisen sich ihre Voraussagen als überraschend korrekt, ihre Warnungen als angemessen und ihre Handlungsempfehlungen als wegweisend.

Die Produktion eines solchen Films entsprach dem politischen Klima von 1991, denn es gab Anzeichen für weltweite Handlungsbereitschaft. Deutschland etwa plante, seine Kohlendioxidemissionen bis 2005 um 25 Prozent zu senken und ging 1995 mit diesem Ziel in die erste UN-Klimakonferenz in Berlin. Schon 1988 hatte der renommierte Klimaforscher und Leiter des NASA Goddard Institute, James Hansen, in einer Aufsehen erregenden Senatsanhörung dafür gesorgt, dass auch US-Medien und -Öffentlichkeit auf die Gefahr aufmerksam wurden. Kurz darauf kündigte Präsident George H. W. Bush umfassende Klima- und Umweltmaßnahmen an.

Dennoch entwickelten sich die USA alsbald zum Bremsklotz der globalen Klimapolitik. Wie die Washington-Post-Journalistin Jane Mayer für ihr Buch Dark Money (2015) recherchierte, investierten Energiegiganten wie Koch Industries, ExxonMobil und Shell Oil USA seither hunderte Millionen Dollar in Lobbyorganisationen und Thinktanks. In einer jahrzehntelangen, breit angelegten Dauerkampagne finanzierten sie Stipendien für industriekonforme Gegenwissenschaft und erschufen eine Klimakontroverse. Sie sponserten Schmutzkampagnen gegen Forscher und PR-Offensiven gegen reformwillige Politiker.

All das taten sie wider besseres Wissen und nahmen dabei bereitwillig den gewaltigen Schaden in Kauf, den das Verschleppen von Maßnahmen gegen den Klimawandel nicht nur der amerikanischen Gesellschaft zufügte. Zu den Erfolgen ihrer Bemühungen zählen sie mittlerweile wohl auch die Wahl eines US-Präsidenten, der nicht nur der Klimaforschung im Besonderen, sondern auch der Wissenschaft im Allgemeinen feindlich gegenübersteht.

Wir danken De Correspondent, der uns den Embed des Videos ermöglicht hat.