Lichtgeschwindigkeit! 300 000 Kilometer pro Sekunde, 299 792 458 Meter pro Sekunde oder rund eine Milliarde Kilometer pro Stunde – wie man es dreht und wendet, das Licht ist mit unvorstellbarer Geschwindigkeit unterwegs. Und weil das so ist, fällt es Hollywoodregisseuren so leicht, uns mit ihr übers Ohr zu hauen: Da fliegen Raumschiffe – mit, genau, Lichtgeschwindigkeit – innerhalb von Sekunden von einem Sternsystem zum nächsten, eine Reise durch die Galaxis ist eine Sache von Stunden oder Tagen (nein, Star Trek ist hier nicht gemeint, die haben ja den Warp-Antrieb). Flögen unsere Raumschiffe tatsächlich so schnell, würden wir im Handumdrehen das Universum erobern.

Wer sich diese schöne Illusion nicht nehmen lassen will, sollte sich Alphonse Swineharts 45-Minuten-Video "Riding Light" besser gar nicht erst ansehen.

Wer es doch tut, wird feststellen, dass sich ein Flug mit Lichtgeschwindigkeit ganz schön hinziehen kann, zumindest auf kosmischen Distanzen. Dabei geht die Reise noch nicht einmal durch ferne Galaxien: Die 45 Minuten des Videos braucht der Betrachter, um ein Photon, also ein Lichtteilchen, von der Photosphäre der Sonne zum Jupiter zu begleiten – in Echtzeit. Das Sonnensystem jenseits von Jupiter hat sich Swinehart gespart, um die Dauer des Films unter einer Stunde zu halten. Dass ein Flug zum nächsten Stern über vier Jahre dauern würde, muss man wohl gar nicht erst erwähnen.

Ästhetisch anzuschauen ist das Video allemal – auch wenn es nicht viel zu sehen gibt. Alle paar Minuten fliegt ein Planet oder Asteroid durchs Bild (die glücklicherweise alle in einer Linie aufgereiht sind, ein Zickzack-Trip würde noch viel länger dauern), außerdem werden ein paar Informationen eingeblendet, etwa die seit dem Start verstrichene Zeit – wichtig, um zu wissen, dass der Bildschirm nicht eingefroren ist. Die wichtigste ist der Countdown bis zum nächsten Objekt (das dann allerdings ziemlich schnell durchs Bild rauscht). Dazwischen passiert: nichts. Der Zähler verführt also geradezu zum Vorspulen. Unterlegt ist das Video mit minimalistischer Musik des amerikanischen Komponisten Steve Reich. Die Kombination ist ideal für das Wartezimmer beim Arzt oder die Zeit vor der mündlichen Astronomieprüfung, weniger für den spannenden Videoabend zu Hause.

Auf die Berücksichtigung relativistischer Effekte verzichtet der hauptberufliche Designer und Animationskünstler Swinehart allerdings. Doch die Lichtgeschwindigkeit ist nicht nur ein unglaublich hohes Tempo, sondern auch eine fundamentale Grenzgeschwindigkeit, bei der allerlei lustige Effekte passieren. Wer mehr dazu erfahren möchte, sollte sich auf tempolimit-lichtgeschwindigkeit.de nach den dazugehörigen Visualisierungen umsehen. "Riding Light" hinterlässt dennoch einen nachhaltigen Eindruck, nämlich von der gähnenden Leere des Weltraums. Und lässt die Sache mit der Reise mit Lichtgeschwindigkeit gleich viel weniger erstrebenswert erscheinen.