Mit bahnbrechenden wissenschaftlichen Entdeckungen laufen Forscher gelegentlich gegen die Mauern etablierter Konzepte. Es kann Jahrzehnte dauern und das Heranwachsen neuer Generationen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen erfordern, bis sie sich durchsetzen.

Das sehenswerte Video der britischen Royal Institution, die auf 200 Jahre Öffentlichkeitsarbeit im Dienst der Wissenschaft zurückblickt, erzählt die Geschichte der US-Kartografin und Geologin Marie Tharp. Sie war die erste Wissenschaftlerin, die den Ozeanboden erfolgreich kartierte. Ihre akribischen, wissenschaftlich wie künstlerisch bemerkenswerten handgezeichneten Bodenprofile zuvor unbekannter Regionen der Erde untermauerten in den 1960er Jahren Alfred Wegeners Theorie, nach der die heutigen Kontinente einst einen Urkontinent gebildet und sich dann auseinander bewegt hatten.

Als Tharp den mittelatlantischen Rücken und weiter Gebirgskämme mit tiefen Einschnitten am Grund der anderen Ozeane entdeckte, erklärte sie sie nicht wie ihre Kollegen fälschlich mit einer Zunahme des Erdvolumens. Vielmehr ging sie von einer Ausbreitung oder "Spreizung" des Meeresbodens aus, einem Auseinanderweichen tektonischer Platten.

Weitere Hinweise zur Entstehung der mittelozeanischen Rücken und der Ausbreitung des Meeresbodens gaben später Magnetfeldmessungen am Meeresboden. Das Basaltgestein unter den Weltmeeren ist vulkanischen Ursprungs und zeigt ein Muster von Streifen gegenläufiger magnetischer Polarität. Diese Streifen verlaufen parallel zu den Ozeanrücken und sind Ergebnis hunderter Polaritätswechsel des Erdmagnetfelds im Verlauf der Erdgeschichte. Aus dieser Erkenntnis schlussfolgerten Geophysiker, dass es tatsächlich die Ausbreitung des Meeresbodens ist, die das Muster hervorbringt.

Auf Basis animierter Wackelzeichnungen gibt der unterhaltsame Film Einblicke in wissenschaftliche Methodik, in erhitzte Debatten, wie sie vor allem von revolutionären Entdeckungen hervorgerufen werden können, und insbesondere in die Herausforderungen, die Frauen zusätzlich zur eigentlichen Forschung oft zu meistern hatten und vielfach noch haben.

Auch Wegeners Theorie der Plattentektonik fand erst posthume Anerkennung. Doch seine Identität als Wissenschaftler stand zeitlebens außer Zweifel. Hingegen blieb Marie Tharps Name in der Veröffentlichung ihrer revolutionären Entdeckung im Jahr 1956 unerwähnt und war auch noch Jahrzehnte später weitgehend unbekannt.