Inseln sind Sehnsuchtsorte – auch wenn nicht alle dem Südseetraum Bora Bora entsprechen. Wir stellen zehn Eilande vor, die auf irgendeine Weise extrem sind: Sie sind am weitesten vom nächsten Land entfernt, am dichtesten besiedelt oder vielleicht für uns am gefährlichsten. Sie sind neu oder sehr alt, idyllisch oder völlig unwirtlich. Eine Reise um die Welt.

Keine Insel liegt weiter vom nächsten Land entfernt als Bouvet Island im Südatlantik.
© NASA Earth Observatory / Jesse Allen und Robert Simmon
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 Bild vergrößernBouvet Island – dem nächsten Land so fern

Wenn Sie eines Tages mal wirklich das Weite suchen wollen, wäre Bouvet Island genau das Richtige. Zumindest befindet sich keine Insel weiter vom nächsten Stück Festland entfernt als dieses kleine Eiland, das zu Norwegen gehört und im Südatlantik liegt. 1700 Kilometer sind es bis zum nächsten Kontinent, der Prinzessin-Astrid-Küste in der Antarktis. 2260 Kilometer müssen Sie zurücklegen, bis Sie zur nächsten Siedlung auf Tristan da Cunha gelangen. Nur wenige Menschen haben Bouvet Island bislang besucht, denn die Insel kann kaum angesteuert werden. Einziger Ankerplatz ist eine eisfreie Bucht an der Westküste, die aber ausschließlich bei konstantem Ostwind sicher erreicht werden kann. Feste Behausungen existieren auf diesem Gipfel eines großen Schildvulkans, der fast völlig vereist ist, ebenfalls nicht. Die letzte Forschungsstation, welche die Norweger 1996 aufgebaut hatten, verschwand spätestens 2007 – ein Erdrutsch riss sie ins Meer. Immerhin nutzen zahlreiche Seevögel und Robben Bouvet Island, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Tristan da Cunha – die entlegenste Siedlung der Welt
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Nicht jede abgelegene Insel ist auch unbesiedelt, wie das britische Überseeterritorium Tristan da Cunha belegt. 2800 Kilometer sind es bis Südafrika, 3000 Kilometer bis nach Südamerika, dennoch lebten im September 2016 mehr als 260 Menschen im Örtchen Edinburgh of the Seven Seas. Es gibt nur neun Familiennamen, und viele der Bewohner leiden unter Asthma, was wohl genetische Ursachen hat: Drei der ursprünglichen Siedler brachten die Neigung dazu mit auf das Eiland. Tristan da Cunha ist ein aktiver Schildvulkan, der durch einen so genannten Hotspot genährt wird – eine Magmablase in der Erdkruste. Sein Gipfel, der Queen Mary's Peak, ragt 2062 Meter über dem Meeresspiegel auf. Am 10. Oktober 1961 brach der Vulkan aus und zwang die Bewohner zur Flucht. Mit Booten segelten sie zur unbesiedelten Nachbarinsel Nightingale, von wo sie ein niederländisches Passagierschiff mitnahm. 1963 kehrten die meisten Bewohner zurück. In den nächsten Jahren möchten die Insulaner energietechnisch autark werden und auf erneuerbare Energien setzen. Trotz seiner Lage fern der Kontinente ist Tristan da Cunha dennoch nicht die am weitesten abgelegene Insel, sondern Bouvet Island: Zum Archipel von Tristan gehören weitere Eilande wie Gough und Nightingale.

Madagaskar gilt als die älteste Insel der Erde
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Eine der größten Inseln der Erde ist gleichzeitig auch die älteste. Seit 88 Millionen Jahren soll Madagaskar keinen Kontakt mehr mit einem Kontinent gehabt haben – damals spaltete sich die Insel von Indien ab, das seinerseits als ehemaliger Teil des riesigen Kontinents Gondwana nach Norden driftete. Diese lange Isolation erklärt auch, warum mindestens 90 Prozent der Tier- und Pflanzenwelt nur hier vorkamen und vorkommen, darunter die ausgestorbenen gigantischen Elefantenvögel, zahlreiche Lemuren oder viele der Chamäleons und Baobab-Bäume (im Bild zu sehen). Die Geschichte der Menschen auf Madagaskar ist dagegen deutlich kürzer. Maximal seit 2500 Jahren siedeln sie hier. Doch sie haben in dieser Zeit die Ökosysteme gravierend umgestaltet. Von den ursprünglichen Wäldern sind nur kleine Reste übrig geblieben, zahlreiche große Säugetier- und Vogelarten sind ausgestorben. Vor allem Brandrodung wirkt sich verheerend aus: Der frei gelegte Boden kann die Niederschläge nicht halten und wird ins Meer geschwemmt. Madagaskar gehört weltweit zu den Staaten, die am stärksten mit Erosion zu kämpfen haben.

Hunga Tonga-Hunga Ha'apai – die wohl jüngste Insel der Erde
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Das genaue Gegenteil von Madagaskar ist eine noch unbenannte Insel in der Südsee mit dem zungenbrecherischen Arbeitsnamen Hunga Tonga-Hunga Ha'apai, die erst seit Januar 2015 über dem Meer aufragt. Die Region ist geologisch sehr aktiv, da sie zum Tonga-Kermadec-Inselbogen gehört: einer aktiven Subduktionszone, an der die Pazifische unter die Indo-Australische Platte taucht. Im November und Dezember 2014 begann hier eine Serie von Eruptionen, bei der große Mengen Asche und Lava ausgestoßen wurden, bis der Gipfel des Vulkans über dem Wasser sichtbar wurde. Hunga Tonga-Hunga Ha'apai besteht vor allem aus lockerem Gesteinsmaterial. Deswegen erwarten Geologen ohne weitere Ausbrüche ihren baldigen Untergang: Die Wellen nagen rasch an diesem Stück Land. Bewohner Tongas, die wenige Wochen nach dem Abklingen der vulkanischen Aktivität das Neuland betraten, berichteten davon, dass der Boden warm sei und Vögel bereits darauf nisteten. Insgesamt ist die Insel einen Kilometer breit, zwei Kilometer lang und 100 Meter hoch. Vulkanausbrüche wie dieser bilden bisweilen auch die Grundlage für "Geisterinseln", wenn sie massenhaft Bimsstein ausstoßen, der dann auf dem Meer treibt. Aus der Ferne wirkt er wie festes Land. Doch das "verschwindet", wenn die Seefahrer näher kommen.

die größte nicht besiedelte Insel der Erde ist Devon Island in der Arktis
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 Bild vergrößernDevon Island – riesig, aber unwirtlich (und unbesiedelt)

Mit einer Fläche von 55 247 Quadratkilometern ist Devon Island im arktischen Teil Kanadas die größte dauerhaft unbesiedelte Insel der Erde. Angesichts der unwirtlichen Bedingungen ist das kein Wunder, obwohl es weiter nördlich durchaus Siedlungen gibt. Der Devon-Eisschild bedeckt ein Viertel der Insel, der Rest wird überwiegend von Permafrostböden eingenommen. Und die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei minus 16 Grad Celsius. Nur im Nordosten liegt Truelove Lowland, ein etwas milderer Küstenstreifen, der sogar eineinhalb bis zwei Monate im Jahr schneefrei ist und so etwas wie eine Vegetationsbedeckung aus Moosen und Flechten aufweist. Selbst die Inuit unternahmen nur wenige Besiedlungsversuche, doch scheiterten sie wegen des extremen Klimas letztlich allesamt. Beliebt ist das Gebiet allerdings bei Marsforschern, denn die Wetterbedingungen ähneln jenen auf dem Roten Planeten. Auf der Flashline Mars Arctic Research Station leben regelmäßig Teams, die einen Aufenthalt auf unserem Nachbarplaneten simulieren sollen – als Vorbereitung für eine spätere Marsmission.

Flevopolder in den Niederlanden ist die größte künstliche Insel
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Wie sehr Menschen Inseln schätzen, zeigt sich daran, dass sie diese immer wieder künstlich schaffen. Die berühmtesten neuen Eilande liegen wohl vor der Küste Dubais. Dort sollen die Palm Islands Touristen anlocken. Im Südchinesischen Meer wiederum baut die Volksrepublik China Neuland auf, um das Meer dort für sich beanspruchen zu können. Die wahrscheinlich größte von Menschenhand neu geschaffene Insel dürfte gegenwärtig jedoch in Europa liegen, genauer gesagt im niederländischen Ijsselmeer. Mit einer Fläche von knapp 1000 Quadratkilometern gehört das Flevoland gleichzeitig zu den umfassendsten Landgewinnungsmaßnahmen der Niederlande. Nur ein schmaler Kanal trennt die Insel vom angrenzenden Festland. Er blieb erhalten, damit das Grundwasser dort nicht zu stark sinkt. Geschützt wird die Region durch den 32 Kilometer langen Abschlussdeich, der das Ijsselmeer von der Nordsee trennt und Sturmfluten fernhalten soll.

Santa Cruz del Isote – das am dichtesten besiedelte Eiland
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Santa Cruz del Islote in der Karibischen See ist ebenfalls eine – allerdings sehr kleine – künstliche Insel. Doch auf den 1,2 Hektar leben mehr als 1000 Menschen. Hochgerechnet auf den Quadratkilometer liegt die Bevölkerungsdichte bei 100 000 Menschen. Im Vergleich ist Deutschland mit 230 Menschen pro Quadratkilometer relativ dünn besiedelt, und selbst Staaten und Territorien wie Macau, Monaco oder Singapur kämen maximal auf ein Fünftel der Besiedlungsdichte von Santa Cruz del Islote. Manch andere Insel der Erde ist allerdings ähnlich dicht besiedelt, Migingo Island im kenianischen Victoria-See etwa bringt es auf 65 000 Menschen pro Quadratkilometer. Trotz der Enge erfreut sich das Eiland großer Beliebtheit, denn im Gegensatz zu den natürlichen Landflecken in diesem Meeresbereich ist es weitgehend frei von Mücken. Um ihre Toten zu bestatten, müssen die Bewohner jedoch die anderen Inseln besuchen – dafür ist kein Fleck in ihrer Heimat frei.

Tetepare, Solomonen – das letzte unberührte tropische Eiland
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Unberührte Regenwälder, intakte Riffe – selbst auf abgelegenen Inseln der Salomonen ist das heute keine Selbstverständlichkeit mehr: Abholzung und Überfischung haben viele der Inseln ökologisch beeinträchtigt. Tetepare ist eine Ausnahme, denn die 118 Quadratkilometer große Insel ist trotz ihrer reichhaltigen Ressourcen heute unbesiedelt – die größte im Südpazifik. Das war nicht immer so. Aber während des 19. Jahrhunderts verließen die wenigen Bewohner ihre Heimat und siedelten sich auf umliegenden Archipelen an. Deshalb findet sich auf Tetepare eine immense Artenvielfalt, und sie wächst mit zunehmender Erforschung stetig. Seit 1995 ist Tetepare eine Art kommunales Naturschutzgebiet, das von den Menschen der benachbarten Regionen für zukünftige Generationen bewahrt wird. Dazu gehört auch ein Meeresreservat, in dem Fischen komplett verboten ist.

Hashima – die vielleicht merkwürdigste Insel der Erde
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Ihr Spitzname lautet Kriegsschiffinsel. In der Tat erinnert Hashima vor der japanischen Halbinsel Nagasaki aus der Ferne an ein monströses Schlachtschiff oder zumindest an ein wehrhaftes Fort. Hier spielte sich ein wichtiger Teil japanischer Wirtschaftsgeschichte ab: Fast ein Jahrhundert lang bauten Bergleute unterhalb der Insel Kohle ab. Teilweise lebten mehr als 5200 Arbeiter mit ihren Familien hier, mehrstöckige Betonbauten wurden für sie als Wohnraum errichtet. Auf dem Höhepunkt der Besiedlung betrug die Bevölkerungsdichte hochgerechnet über 80 000 Menschen pro Quadratkilometer. Um ihnen Platz zum Leben zu schaffen, schütteten die Betreiber der Mine regelmäßig Neuland auf, bis die Insel ihre heutige Fläche von 6,3 Hektar erreicht hatte. Es existierten Kegelbahnen, Schulen, ein Krankenhaus und sogar ein Bordell. Am 15. Januar schloss das Kohlebergwerk, und fluchtartig verließen die Menschen ihr Zuhause: Schon am 20. April war Hashima eine Geisterinsel. Zahlreiche zurückgebliebene Möbel und andere persönliche Gegenstände erinnern an die ehemaligen Siedler. Seit 2009 können Touristen die Insel besuchen.

Nord-Sentinel – Betreten ist lebensgefährlich
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Nicht jedes Eiland kann als Traumziel gelten, auch wenn es auf den ersten Blick dem Klischee eines Südsee- oder Karibikparadieses entspricht. Mitunter ist das Betreten sogar lebensgefährlich, wie im Fall von Nord-Sentinel. Dort lebt eines der letzten unkontaktierten Völker der Erde. Seit 1996 ist die Insel der indischen Andamanen im Indischen Ozean ein streng bewachtes Sperrgebiet, um die heimischen Sentinelesen wie auch abenteuerlustige Besucher zu schützen. Denn auf Kontaktversuche reagierten die Bewohner Nord-Sentinels bislang sehr aggressiv und ablehnend: Anlandende Forscher oder Seeleute wurden immer wieder mit Pfeil und Bogen vertrieben. Als ein Hubschrauber der indischen Küstenwache die Insel nach dem Seebeben und den Tsunamis am 26. Dezember 2004 überflog, um nach Überlebenden zu suchen, wurde die Besatzung mit Pfeilen beschossen. Wie viele Sentinelesen noch leben, weiß wegen des dichten Regenwalds vor Ort niemand: Schätzungen reichen von rund 40 bis zu mehreren hundert Menschen, die sich in der dichten Vegetation gut verstecken können. Um den Titel als potenziell gefährlichste Insel der Erde konkurriert sie mit Queimada Grande vor der brasilianischen Küste. Hier findet sich die weltweit vielleicht größte Dichte an gefährlichen Giftschlangen: Auf einer Fläche von nur 430 000 Quadratmetern kriechen mehrere tausend Insel-Lanzenottern (Bothrops insularis), deren Gift tödlich ist.