Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren, Löwen zu den Höhepunkten jeder Safari. Und dennoch liefert die Erforschung der Katzenartigen immer noch neue Überraschungen. Wir stellen einige der interessantesten Forschungsergebnisse vor.

Leopard mit Beute
© fotolia / EcoView
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern9 Schmecken Katzen Süßes?

Von wegen Naschkatzen: Im Gegensatz zu uns Menschen und manch anderen Säugetieren können Katzen Süße nicht wahrnehmen – ihnen fehlt genetisch der Rezeptor für diese Geschmacksrichtung. Dieser wenige Jahre alte Befund bestätigte endgültig eine Beobachtung aus den 1970er Jahren. Damals hatten Verhaltensforscher bemerkt, dass es für Katzen im Gegensatz etwa zu Hunden keinen Unterschied macht, ob sie gesüßte Sahne oder normale Milch konsumierten, denn sie zeigten keine Vorliebe. Damit widerlegten die Biologen endgültig die Vermutung, alle Säugetiere hätten auch einen Sinn für Süßes. 2012 zeigte sich dann zudem, dass auch noch weiteren Arten wie Hyänen, Robben oder Otternn die entsprechenden Sensoren fehlen. Im Lauf der Evolution ging dieser Sinn also mehrfach verloren, was jedoch kein Wunder ist: All diese Tiere ernähren sich ausschließlich von Fleisch oder Fisch – Süßes hingegen verschmähen zumindest wildlebende Katzen völlig. Übrigens: Auch Bitterstoffe nehmen die Katzen schwächer oder anders wahr als wir. Warum, das ist aber noch unklar.

Der Margay imitiert andere Tierarten
© fotolia / ilumus photography
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern8 Können Katzen andere Arten imitieren?

Verglichen mit Primaten, Delfinen oder Papageien gelten Katzen als weniger kommunikativ – zumindest was das Repertoire ihrer Lautäußerungen betrifft. Doch es gibt zumindest eine bekannte Ausnahme: Der Margay (Leopardus wiedii), eine südamerikanische Kleinkatzenart, ist so attraktiv wie trickreich. Denn das mit dem Ozelot verwandte Raubtier setzt auf einen perfiden Trick, um potenzielle Beute zu erhaschen: Es macht sich zum Affen, um mit den klagenden Lauten von Krallenaffenbabys deren Eltern in seine Nähe zu locken.

Trinkender Gepard am Wasserloch
© fotolia / knelson20
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern7 Warum trinken Katzen so gesittet Wasser?

Verglichen mit Hunden gelten Katzen als gesittete Trinker, die Wasser oder Milch nahezu ohne Geklecker aufnehmen – während es bei Hunden anschließend rund um den Napf ziemlich verspritzt aussieht. Mit Hochgeschwindigkeitskameras haben Biologen daher beide Gruppen mehrfach gefilmt, um die Trinkphysik durchschauen zu können. Katzen biegen demnach ihre Zungenspitze nach hinten, so dass nur eine kleine Fläche der Zungenoberseite die Oberfläche der Flüssigkeit berührt, nicht aber durchdringt. Sobald Kontakt besteht, reißen sie ihre Zunge ruckartig zurück und ziehen dabei einen Zylinder aus Wasser mit nach oben. Solange Beharrungsvermögen und Schwerkraft im Gleichgewicht sind, bleibt die Säule bestehen, wobei die Katzen jeweils den oberen Teil einnehmen, wenn sie ihr Maul schließen. Der Vorgang läuft blitzschnell ab: Pro Sekunde können sie mindestens viermal zuschnappen – ihre Mundpartie bleibt dabei sauber und trocken. Hunde könnten das nicht, weil sie eine weniger elegante Technik einsetzen, dachten Wissenschaftler dagegen noch ein paar Jahre länger: Sie nahmen an, dass die Tiere das Wasser löffelten und ihre Zunge komplett eintauchten – bis sie diese Vierbeiner auch filmten. Tatsächlich ähnelt ihr Trinken dem der Katzen sehr stark, allerdings müssen die Hunde die Flüssigkeit durch eine längere Schnauze zur Speiseröhre transportieren. Das Gesabber erklärt das jedoch noch nicht. Es darf also weiter spekuliert werden.

Löwen bei der Paarung
© fotolia / Andreas Edelmann
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern6 Warum verfügen Katzen über Penisstacheln?

Ein Penis ist ein Penis? Nicht ganz, denn bei Katzen unterscheidet sich auch das männliche Geschlechtsorgan in einem markanten Detail von dem vieler anderer Säugetiere: Kater weisen Stacheln auf ihrem Phallus auf, deren Zweck noch nicht vollständig erforscht ist. Hunderte dieser aus Keratin bestehenden, millimetergroßen Fortsätze überziehen den Penis. Möglicherweise sollen sie verhindern, dass der Penis aus dem Weibchen rutscht, sobald die Ejakulation einsetzt. Oder sie stimulieren Männchen wie Weibchen: Letztere können beispielsweise nur ovulieren, wenn sie genital erregt werden. Kastriert ein Halter übrigens frühzeitig seinen Kater, entwickelt dieser keine Penisstacheln, da das dafür nötige Testosteron nicht mehr ausreichend produziert wird.

Gepard jagt Gazelle
© fotolia / 169169
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern5 Manipulieren Katze ihre Beute?

Das Jagdverhalten von Katzen ist faszinierend, etwa wenn ein eleganter Gepard seiner flinken Beute hinterher eilt – vor allem vom Standpunkt eines neutralen Beobachters aus. Doch zumindest Hauskatzen verfügen auch über subtile Einflussmöglichkeiten, um sich zukünftige Nahrung leichter zu sichern: Offensichtlich manipulieren sie diese schon früh im Leben mit einem besonderen Duftstoff im Urin. Mit ihrem Harn setzen die Katzen das so genannte Felinin frei, das von Nagetieren wahrgenommen wird und in deren Körper verschiedene Reaktionen bewirkt. Wachsen Jungmäuse in einem Umfeld mit Katzen auf, nehmen sie den Geruch zwar schneller auf und reagieren gestresster, dennoch verhalten sich diese Mäuse furchtloser: Sie zeigen weniger Angstreaktionen und fliehen später als Nager, die erst in höherem Alter mit Felinin in Berührung kommen – damit werden sie leichter ein Opfer der Katze. Bekannt ist zudem bereits, dass der Erreger der Toxoplasmose, Toxoplasma gondii, das Mausverhalten manipuliert: Der Einzeller kann sich nur im Katzendarm gut vermehren – um dorthin zu gelangen, beeinflusst er geschickt das Furchtverhalten von Mäusen: Er schaltet im Nagerhirn die Angst vor dem Fressfeind aus.

Tiger im Wasser
© fotolia / keller
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern4 Sind alle Katzen wasserscheu?

Eigentlich mögen Katzen Wasser – zumindest solange sie jung sind, spielen sie beispielsweise gerne mit dem Nass, wenn es aus dem Wasserhahn läuft. Mit zunehmendem Alter legt sich diese Freude jedoch oft. Und die meisten Katzen verabscheuen dann auch ein Vollbad: Ihr Fell saugt sich voll, da es nicht Wasser abweisend ist. Eventuell haben Hauskatzen diese vermeintliche Aversion auch erst während ihrer Domestikation erlernt, denn der Mensch versucht ja auch, seine Behausung trocken zu halten, was die Katzen womöglich schätzen lernten. Löwen und Leoparden wiederum meiden Gewässer, da darin Krokodile lauern können, die sie als einzige potenzielle Fressfeinde fürchten müssen, wenn sie erwachsen sind. Doch eine generelle Regel ist das nicht: Tiger und Jaguare beispielsweise gehen regelmäßig ins Wasser, um zu jagen. Die südostasiatische Fischkatze hat sich weit gehend auf aquatische Beute spezialisiert: Sie verfügt sogar über Ansätze von Schwimmhäuten zwischen den Zehen, um nach Nahrung tauchen zu können.

Jagender Löwe
© fotolia / Alta Oosthuizen
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern3 Landen Katzen tatsächlich immer auf den Füßen?

Gleich aus welcher Höhe eine Katze fällt, nach weniger als einer halben Sekunde hat sie sich auch aus einer Rückenlage gedreht und landet mit den Füßen zuerst. Nur wenn die Fallzeit weniger als eine halbe Sekunde beträgt, gelingt ihr das Kunststück nicht. Wie sie dies schafft, klärte der Franzose Étienne Jules Marey bereits im Jahr 1894, nachdem die Pariser Akademie der Wissenschaften zur Lösung dieses "wissenschaftlichen Problems" aufgerufen hatte. Er zeigte mit Hilfe von Fotografien, dass Katzen erst ihren Vorderkörper drehen und anschließend ihren Hinterleib, wobei sie wechselseitig die Beine anziehen und wegstrecken, um das jeweilige Trägheitsmoment zu verändern. Der Reflex hierzu ist angeboren und bereits in der siebten Lebenswoche vollständig ausgebildet. Dennoch überstehen die Tiere nicht jeden Sturz unbeschadet, was jedoch nur indirekt mit der Höhe zusammenhängt: Fallzahlen New Yorker Tierärzte aus den 1980er Jahren belegten beispielsweise, dass Abstürze zwischen dem dritten und fünften Stock für Hauskatzen gefährlicher waren als Unglücke aus der siebten und noch höheren Etagen. Das liegt daran, dass die Fallgeschwindigkeit nicht unendlich steigt, sondern einen Grenzwert erreicht, wenn der Luftwiderstand die Fallbeschleunigung aufwiegt. Je kleiner der Körper, desto geringer ist diese Grenzgeschwindigkeit. Bei Hauskatzen liegt sie zwischen 80 und 100 Kilometern pro Stunde. Im Lauf des – längeren – Flugs stabilisieren die Tiere ihre Flugposition, indem sie ihre Pfoten ausstrecken und daher eher zum Grund gleiten. Außerdem besitzen Katzen ein sehr elastisches Skelett, was die Folgen des Aufpralls abfedern kann und die Verletzungsgefahr senkt.

Säbelzahnkatzen beeindrucken durch ihr Gebiss
© iStock / Mark Kostich
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern1 Welche Katzen sind am ungewöhnlichsten?

Gingen sie wie Löwen als Rudel auf die Jagd – oder lebten sie doch einzeln wie der Jaguar heute? War ihr Biss kräftig – oder sollten die Zähne nur Furcht erregen und Konkurrenten beeindrucken, aber keine Beute zerfleischen? Leider können wir heute unser Wissen über die Säbelzahnkatzen der Eiszeiten nur anhand von Fossilien mehren: Die ungewöhnlichen Raubtiere starben am Ende des Pleistozäns vor 12 000 Jahren endgültig aus. Smilodon und Co bildeten die eigene Unterfamilie Machairodontidae innerhalb der Katzenartigen, die sich alle neben dem gedrungenen Körperbau vor allem durch ihre dolchartigen Eckzähne des Oberkiefers von ihren heute noch lebenden Verwandten unterscheiden. Die größten Arten reichten an die Dimension der Löwen heran; sie lebten weltweit mit Ausnahme der Antarktis und Australien, wo bislang keine Fossilien aufgetaucht sind. Vor allem über die Rolle ihrer Zähne wird spekuliert, da sie nach verschiedenen Studien keinen hohen Beißdruck erreichen konnten und daher womöglich leicht brachen. Dennoch jagten sie wohl aktiv und fraßen nicht nur Aas, wie bisweilen gemutmaßt wird. Eventuell schlitzten sie mit ihren Hauern Halsschlagader und Luftröhre der Opfer auf. Fossile Überreste von Säbelzahnkatzen wurden übrigens auch in Deutschland gefunden – etwa in unmittelbarer Nähe des Unterkiefers von Homo heidelbergensis in Mauer bei Heidelberg.