Die Dinosaurier sind schon lange ausgestorben, nachdem ein Meteoriteneinschlag ihr Ende besiegelte. Doch weitere Tier- und Pflanzenarten haben diese und andere Zeitenwenden unbeschadet überstanden – und besiedeln noch heute die Erde in nahezu unveränderter Form. Die Evolution ist scheinbar an ihnen vorbeigegangen. Im Überlebenskampf der am besten angepassten Spezies waren sie offensichtlich von Anfang an gut ausgerüstet. Wir stellen Ihnen zehn Beispiele vor – eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Hoatzin – die gefiederte Kuh aus dem Regenwald
© iStock / Gaardman
(Ausschnitt)
Hoatzin – die gefiederte Kuh aus dem Regenwald

Im Amazonasbecken lebt ein Ausnahmevogel: Der Hoatzin frisst überwiegend Blätter und verdaut sie nicht im Magen, sondern im Kropf und in der unteren Speiseröhre, was zusammen als Vorderdarm bezeichnet wird und eher an Kühe als an Federvieh erinnert. Und wenn Jungvögel der Art aus dem Nest fallen, klettern sie mit ihren Krallen an den Flügeln wieder zurück – was beispielsweise an den Archaeopteryx erinnert, der ebenfalls diese Krallen besaß. Lange galten die Hoatzine daher als Missing Link zwischen heutigen und ausgestorbenen, reptilienartigen Vögeln; doch das hat sich später nicht wissenschaftlich bestätigt. Genanalysen deuten an, dass die Hoatzine die letzten Überlebenden einer Linie sind, die sich vor 64 Millionen Jahren kurz nach dem Ende der Dinosaurier von anderen Vogelfamilien abspaltete. Wegen ihrer ungewöhnlichen Merkmale gelten sie unter den heutigen Arten als einmalig.

Araukarien – der Nadelbaum des Südens
© iStock / agustavop
(Ausschnitt)
Araukarien – der Nadelbaum des Südens

Araukarien sind Relikte des ehemaligen Großkontinents Gondwana, der im frühen Jura vor 184 Millionen Jahren zu zerbrechen begann: Aus dem riesigen Erdteil gingen letztlich Südamerika, Afrika, die Antarktis, Indien und Australien hervor. Verschiedene Tier- und Pflanzenfamilien bezeugen den einstigen Zusammenhang, darunter auch die Araukarien. Sie weisen ein so genanntes disjunktes Verbreitungsgebiet auf, also eine starke räumliche Trennung, die nicht auf natürlichem Weg überwunden werden kann. Das trifft unter anderem auch auf die Araukarien zu, deren Arten im südlichen Südamerika, in Neuseeland und Neukaledonien wachsen und teilweise große Wälder bilden. Ihr Holz ist allerdings sehr begehrt, weshalb die Bäume in manchen Regionen intensiv eingeschlagen wurden und werden.

Schnabeltiere legen Eier und geben Milch
© iStock / John Carnemolla
(Ausschnitt)
Schnabeltier – das Eier legende Wollmilchkloakentier

Fossilien früher Schnabeltiere sind Mangelware, doch dafür weisen diese merkwürdigen Kreaturen aus Australien einige sehr spezielle Eigenschaften auf, welche die äußerst urigen Vertreter der Säuger kennzeichnen. Die Schnabeltiere säugen zwar ihre Jungen mit Milch, tragen ein Fell und besitzen die drei für diese Klasse typischen Gehörknöchelchen. Andererseits bringen sie keine lebenden Jungen zur Welt, sondern legen Eier, die zehn Tage lang ausgebrütet werden – was außer ihnen sonst nur noch die ebenfalls zu den Kloakentieren zählenden Schnabeligel machen. Die Eier gleichen dabei eher jenen von Reptilien und nicht denen von Vögeln. Die Männchen besitzen zudem giftige Hornstachel an beiden Hinterfußgelenken. Das Gift besteht aus verschiedenen Peptiden und ist für Menschen nicht tödlich. Allerdings verursacht es unerträgliche Schmerzen, die man auch mit starken Schmerzmitteln kaum in den Griff bekommt und die teilweise über Monate anhalten können. Schließlich beschränken sich die Schnabeltiere nicht auf zwei Geschlechtschromosomen wie die meisten Säugetiere, sondern besitzen sogar zehn. Alles in allem eine außergewöhnliche Art.

Perlboote – die letzten Überlebenden der Nautiliden
© iStock / atese
(Ausschnitt)
Perlboote – die letzten Überlebenden der Nautiliden

Seit 500 Millionen Jahren existieren die so genannten Nautiliden, wie dieses Perlboot, auf der Erde. Sie gehören zu den ursprünglichsten Formen der Kopffüßer, die auch die Kraken und Tintenfische umfassen. Fossilienfunde deuten an, dass die Nautiliden im Ordovizium vor 450 Millionen sehr vielfältig waren. Davon sind heute noch sechs Arten übrig, die leider alle bedroht sind. Die gewundenen Schalen, in denen sie durchs Meer schwimmen, sind als Souvenirs sehr begehrt. Die Tiere werden daher systematisch gefangen und getötet. Die besonders gefährdete Art Allonautilus scrobiculatus galt sogar schon 30 Jahre lang als verschollen, bevor sie 2015 wieder beobachtet wurde. Wie zahlreich die Tiere dagegen während ihrer Blütezeit waren, zeigt sich im Gestein: Manche Gebirge bestehen zu einem großen Teil aus ihren versteinerten Schalen.

Baumfarne wachsen nur in warmen Regionen
© iStock / LazingBee
(Ausschnitt)
Baumfarne – Standard im Jurassic Park

Zu ihrer Hochzeit während des Juras bestanden ganze Wälder aus Baumfarnen. Bis zu 30 Meter hoch wuchsen einzelne Arten, zwischen denen Dinosaurier wandelten. Entwicklungsgeschichtlich sind diese Pflanzen sogar noch älter, denn schon im Karbon bildeten sie ein wichtiges Element in Wäldern, wie fossile Überreste belegen. An ihrem Aussehen hat sich bis heute wenig geändert, und sie sind immer noch ein gängiger Anblick in Bergregenwäldern der Tropen und Subtropen. Sie benötigen jedoch möglichst immerfeuchte Bedingungen und sterben durch Frost rasch ab. Wie viele Baumfarnarten heute auf der Erde existieren, ist noch unklar, da regelmäßig neue Spezies in entlegenen Bergregenwäldern der Anden und Neuguineas aufgespürt werden.

Störe leben auch in deutschen Flüssen
© iStock / Laser143
(Ausschnitt)
Stör – mehr als nur Kaviar

Auch in Deutschland kommen lebende Fossilien vor, wenngleich ihre weitere Existenz, wie die des Störs, auf Messers Schneide steht. Seit mindestens 200 Millionen Jahren wandern diese ursprünglichen Knochenfische zwischen ihren Laichplätzen in schnell fließenden Flussabschnitten mit Kiesbänken und den trägeren Unterläufen beziehungsweise dem Meer mit reichhaltigerem Nahrungsangebot. Heute stellt sie das vor Probleme, denn Stauwehre und andere Verbauungen verwehren die Passage oder zerstören wichtige Laichgründe. In Teilen ihres Verbreitungsgebiets werden sie auch intensiv befischt, weil aus ihnen der begehrte Kaviar geholt wird – die schwarzen Eier erzielen auf dem legalen und dem Schwarzmarkt sehr hohe Preise. Verschiedene Störarten können sehr groß und schwer werden: Der Beluga-Stör aus dem Schwarzen und Kaspischen Meer etwa bringt es auf bis zu fünf Meter Länge und bis zu zwei Tonnen Gewicht – derart große Exemplare stammen wegen der Überfischung jedoch leider meist aus historischer Zeit. In unseren Flüssen hingegen lebt der relativ kleine und ortstreue Sterlet in der Donau, der Europäische Stör soll in verschiedenen Fließgewässern wieder angesiedelt werden.

Tuatara-Echsen haben nur in Neuseeland überlebt
© iStock / CreativeNature_nl
(Ausschnitt)
Tuatara – ein Refugium in Neuseeland

Vor 250 Millionen Jahren bewegten sich die ersten Brückenechsen oder Tuatara über den Superkontinent Pangäa, etwa 100 Millionen Jahre später erlebten sie ihre Blütezeit. Seitdem ging es jedoch kontinuierlich bergab für die Reptilien, die selbst noch bei relativ niedrigen Temperaturen aktiv sind. Ihr Verbreitungsgebiet schrumpfte weiter, bis nur noch Neuseeland übrig blieb. Doch mit Ankunft der Menschen starben sie hier ebenfalls in vielen Regionen aus. Hunde, Katzen, Ratten und andere eingeschleppte Tierarten fressen die Echsen oder ihre Eier, so dass sie nur noch auf kleinen, dem Festland vorgelagerten Inseln bis heute überdauern. Insgesamt besiedeln sie wohl allenfalls 0,1 Prozent ihres ursprünglichen neuseeländischen Lebensraums.

Quastenflosser leben im Indischen Ozean vor den Komoren und im Pazifik rund um Sulawesi
© iStock / Atypeek
(Ausschnitt)
Quastenflosser – der Klassiker unter den lebenden Fossilien

Der Klassiker unter den lebenden Fossilien ist sicherlich der Quastenflosser: Seit im Dezember erstmals ein Tier vor Südafrika gefangen wurde, fasziniert der Fisch die Evolutionsbiologen. Ist er das Bindeglied zu den Landlebewesen? Das wohl nicht, da dies eher noch auf den westafrikanischen Lungenfisch zutrifft, so das Ergebnis einer Genanalyse. Doch auch Quastenflosser bilden in sehr frühen Lebensstadien eine Lunge aus, was auf ihren ursprünglichen Lebensraum im Übergang vom Meer zum Land hindeutet. Die ersten Fossilien eines quastenflosserartigen Fischs finden sich im Devon vor 400 Millionen Jahren, die bislang letzten stammen aus dem Jura vor 70 Millionen Jahren. Dazwischen klaffte eine Lücke bis zum ersten Drittel des letzten Jahrhunderts. Heute kennt man zwei lebende Arten; neben den Fischen aus dem Indischen Ozean zwischen Südafrika und den Komoren schwimmt noch ein weiterer Vertreter in den Gewässern vor der indonesischen Insel Sulawesi. Er wurde erst 1997 aufgespürt.

Pfeilschwanzkrebse sind in der Pharmaindustrie begehrt
© iStock / Robin O'Connell
(Ausschnitt)
Pfeilschwanzkrebse – Blaublüter aus dem Ordovizium

Zu den urigsten der hier vorgestellten Lebewesen gehören sicherlich die Pfeilschwanzkrebse – die als Teil der Schwertschwänze entfernt mit den Spinnentieren verwandt sind. Sie besiedeln bereits seit dem Kambrium vor 540 Millionen Jahren die Erde und hatten ihre Hochphase ab dem Silur vor 440 Millionen Jahren, bis auch sie am Ende des Juras das damalige Massenaussterben traf. Heute schwimmen noch vier Arten durch das Flachwasser tropischer und subtropischer Meere: eine an der nordamerikanischen Atlantikküste, drei weitere in Südostasien. Sie werden kommerziell genutzt, weil mit ihrem blauen Blut Bakteriengifte nachgewiesen werden können – es gerinnt dann zu einem Gel. Das Blut wirkt blau wegen seines hohen Gehalts an Hämocyanin, einem Sauerstofftransporter. Die Tiere laichen an Land und liefern damit an der Atlantikküste vielen ziehenden Watvögeln eine energiereiche Mahlzeit, wenn diese an den Brutplätzen der Pfeilschwanzkrebse rasten. Ihr Laich wird zudem als Köder für Aale verwendet, weshalb die Bestände stellenweise eingebrochen sind, was wiederum die Zugvögel in Mitleidenschaft gezogen hat.

Welwitschien wachsen nur in der Wüste Namib.
© iStock / JoenStock
(Ausschnitt)
Welwitschie – ein zweiblättriger Methusalem

"Dies ist ohne Frage die wunderbarste Pflanze, die je in dieses Land gebracht wurde, und eine der hässlichsten", so äußerte sich William Jackson Hooker, der Leiter der Royal Botanic Gardens Kew über ein außergewöhnliches Gewächs aus der südwestafrikanischen Namib-Wüste. Welwitschia mirabilis – benannt nach ihrem wissenschaftlichen Entdecker Friedrich Welwitsch – gehört zu den ursprünglichsten nacktsamigen Pflanzen (Gymnosperma), unter die ebenso die Nadelbäume fallen. Welwitschien besitzen sehr lange Pfahlwurzeln, aber nur einen sehr kurzen Stamm, aus dem stets lediglich zwei Laubblätter wachsen. Diese zerfasern im Laufe der Zeit, doch der buschige Charakter darf nicht täuschen – es werden nicht mehr als zwei Blätter. Das lebende Fossil ist sehr ausdauernd; Radiokarbondatierungen haben bei machen Exemplaren ein Alter von 1500 Jahren ermittelt. Zudem sind sie äußerst genügsam, denn sie wachsen in einer der trockensten Wüsten der Erde und erhalten kaum Wasser. Wegen ihrer einzigartigen Stellung im Pflanzenreich, ihres markanten Aussehens und der auf Namibia und Angola beschränkten Verbreitung genießt sie vor Ort hohes Ansehen. Unter anderem ziert sie Namibias Wappen.