Rosalia Lombardo
© Dario Piombino-Mascali, Universität Palermo
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 Bild vergrößern10. Rosalia Lombardo – die schönste Mumie der Welt

Rosalia Lombardo sieht aus wie ein schlafendes kleines Mädchen. Doch die kaum Zweijährige fiel Anfang des 20. Jahrhunderts der Spanischen Grippe zum Opfer. Bevor sie in ihrem Glassarg beigesetzt wurde, wendete der Einbalsamierer Alfredo Salafia seine gesamte Kunst auf, um ihren Körper perfekt zu konservieren. Welches Geheimrezept er dabei verfolgte, war lange Zeit ein Rätsel. "Ich habe seit 1999 nach der Lösung des Geheimnisses von Rosalia geforscht", erklärt der Mumienforscher Dario Piombino-Mascali. Im Nachlass von Salafia wurde er schließlich fündig: Der Körper der Kleinen wurde mit einer Lösung aus einem Teil Glyzerin, einem Teil Alkohol mit Salizylsäure und einem Teil mit Chlorid und Zinksulfat gesättigtem Formalin durchspült. In Äther gelöstes Wachs half Salafia, die Gesichtszüge zu modellieren.

Rosalia liegt in der Kapuzinergruft in Palermo – inmitten tausender anderer Mumien. Denn in den Katakomben des Klosters verwesen Leichname nicht – Angehörige brachten ihre Verstorbenen dort unter und statteten ihnen regelmäßige Besuche ab.

Der Star – Pharao Tutanchamun
© Getty Images / National Geographic / Kenneth Garrett
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 Bild vergrößern9. Der Star – Pharao Tutanchamun

Diesen Star unter den Mumien muss man nicht vorstellen. Der junge Tutanchamun ist vor allem wegen seines prunkvollen Grabs bekannt, das Howard Carter im Jahr 1922 entdeckte. Dabei hatte der junge Pharao eine überaus interessante Lebensgeschichte: Sein Vater, der Ketzer Echnaton, hatte das gesamte religiöse System auf den Kopf gestellt, und erst unter Tutanchamun und seinem Vorgänger fanden die alten Ägypter zur Normalität zurück. Der Familienclan Tutanchamuns, zu dem auch die berühmte Nofretete zählte, war von extremer Inzucht geprägt, wie Forscher anhand eines Vaterschaftstests kürzlich feststellten.

Vielleicht hatte der König deswegen zeitlebens unter schweren Krankheiten zu leiden: Die Liste reicht von einem leichten Klumpfuß links und einem Plattfuß rechts über eine Gaumenspalte bis hin zur Rückgratverkrümmung und einer schmerzhaften Knochenmarkserkrankung in einem Fuß. Dass er bei einem Streitwagenunfall starb, gilt daher inzwischen als überholt – ein derart kränklicher Mensch konnte die rasanten Gefährte nicht beherrschen.

Immerhin: Der grotesk geformte Hinterkopf, den er und sein Eltern auf Darstellungen haben, ist wohl nur ein Produkt der Phantasie der Maler.

Das Mumiensteak
© Anna-Marie Kellen, Ägyptisches Museum Kairo / PNAS
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 Bild vergrößern8. Das Mumiensteak

Bleiben wir in Ägypten. Damit es den Verstorbenen im Jenseits an nichts mangelte, erhielten sie bekanntermaßen zahlreiche praktische Grabbeigaben. Weniger bekannt ist, dass sich darunter auch saftige Fleischportionen befanden, die die Ägypter genauso einbalsamierten wie den Leichnam selbst.

Dieses mumifizierte Rippchen sollte Juja und Tuja, den Schwiegereltern von Pharao Amenophis III., ein gepflegtes Tafeln im Jenseits erlauben. Die passende Box komplettierte die Ausstattung. Bei einigen dieser Grabbeigaben kamen wohl auch Gewürze zum Einsatz, fand ein Forscherteam um Richard Evershed von der University of Bristol kürzlich heraus.

Die Einbalsamierung hatte vermutlich auch ganz handfeste Gründe: Hätte man Frischfleisch in die Gräber gelegt, wäre es wohl noch während der langwierigen Zeremonie vergammelt. Der Geruch wäre dem feierlichen Augenblick mit Sicherheit nicht gerade zuträglich gewesen.

M2 – die peruanische Geheimnisträgerin
© Reiss-Engelhorn-Museen, Jean Christen
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 Bild vergrößern7. M2 – die peruanische Geheimnisträgerin

Beim Aufräumen stießen Mitarbeiter der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen im Jahr 2004 völlig überraschend auf lauter gut erhaltener Mumien – darunter auch "M2", die Frau aus Peru.

Als Kind hatte man ihr den Kopf in die Form eines Turmschädels gezwängt, wie es dem damaligen Schönheitsideal der peruanischen Chancay-Kultur entsprach. Dass sie liegt, statt im Schneidersitz zu sitzen, lag wohl an ihrer Krankheit: Die Frau war querschnittsgelähmt, zeigte ein CT-Scan, das Forscher um Winfried Rosendahl anfertigten.

Auf den Röntgenaufnahmen hatten die Forscher außerdem zwei mysteriöse Objekte entdeckt, die M2 fest umklammert hielt. Da man ihre Hände nicht lösen konnte, griffen Rosendahl und Kollegen zu einem Trick: Sie kopierten die Talismane aus ihren Händen heraus. Mit einem CT-Gerät scannten sie erst die Objekte und druckten sie dann mit einem 3-D-Drucker aus. Es waren zwei Milchzähne.

Der Atacama-Humanoid – der irdische Alien
© Sirius Disclosures
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 Bild vergrößern6. Der Atacama-Humanoid – der irdische Alien

Spekulationen über Spekulationen. Die optische Ähnlichkeit von "Ata" zum gemeinen Außerirdischen ist tatsächlich verblüffend. Doch die etwa 15 Zentimeter große Gestalt, die 2003 in der chilenischen Atacama-Wüste gefunden wurde, ist keine Fälschung.

Aber was ist sie dann? Laut einer Erbgutuntersuchung durch Forscher der Stanford University soll die Mumie ganz normale menschliche DNA aufweisen. Es könnte sich um einen Fall von extremem Kleinwuchs handeln, den "Ata" sechs bis acht Jahre lang überlebte. Das legen Wachstumsfugen am Skelett nahe. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er ein frühgeborener Fötus ist, bei dem eine noch nicht näher bestimmte Krankheit eine vorzeitige Alterung ausgelöst hatte.

Für die Macher des Dokumentarfilms Sirius Disclosure (Trailer bei Youtube) um den Ufologen Steven Greer ist die Alien-Hypothese dagegen noch nicht vom Tisch. Dazu ist sie schließlich viel zu verlockend.

Gut gehalten: Lady Dai
© Huangdan2060 / public domain
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 Bild vergrößern5. Gut gehalten: Lady Dai

Lady Dai oder auch Marquise von Dai genannt gilt als am besten erhaltene Mumie weltweit – zumindest wenn man ihr hohes Alter bedenkt: Die reiche chinesische Adlige aus der Zeit der Han-Dynastie mit Namen Xin Zhui starb im Jahr 163 v. Chr. Auf ihr Grab stießen Arbeiter im Jahr 1971.

Das "chinesische Schneewittchen" ist in einem hervorragenden Zustand – ihre Haut ist leicht feucht, ihre Gelenke lassen sich noch immer biegen. Wie dies möglich war, weiß derzeit niemand genau – möglicherweise lag es an den bislang nur teilweise identifizierten Bestandteilen der Flüssigkeit, in der sie zwei Jahrtausende lang lagerte. Oder an den 20 Lagen Stoff, in die ihr Körper eingewickelt war. Oder an den vier ineinander gebauten Kästen aus Pinienholz, in die sie gebettet wurde. Vielleicht auch an den Schichten aus Kohle und Lehm, die dieses Konstrukt abschlossen.

Neben Lady Dai wurden auch einige ihrer Angehörigen bestattet. Und darüber hinaus erhielt sich in dem Grabkomplex in der Provinz Hunan einzigartige Zeugnisse aus der Han-Zeit. Dass die Menschen damals nicht nur an Parasiten, sondern auch an typischen Wohlstandkrankheiten litten, zeigte eine Autopsie an der Mumie: Die reiche Xin Zhui war übergewichtig, bewegte sich wenig und hatte infolgedessen eine Erkrankung der Herzkranzgefäße.

Mönch im Lotossitz
© Drents Museum
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 Bild vergrößern4. Mönch im Lotossitz

Diese chinesische Buddha-Statue aus dem 12. Jahrhundert beherbergt in ihrem Innern die mumifizierten Überreste eines Mönchs. Den Experten um Erik Brujin vom niederländischen Drents Museum in Assen zufolge dürfte es sich dabei um Liu Quan handeln, der etwa um das Jahr 1100 starb. Brujin und Team haben die Statue nun für eine Mumienausstellung unter anderem mit dem Computertomografen untersucht und dabei entdeckt, dass dem Toten die Organe entnommen worden waren und an deren Stelle beschriftete Papiere eingesetzt wurden.

Spekulationen zufolge könnte sich Liu Quan dem Prozess der Selbstmumifizierung unterzogen haben. Dabei nahmen die Mönche über Jahre hinweg konservierende Substanzen zu sich und vergifteten sich dabei langsam. In dieser Tradition wäre es allerdings unüblich gewesen, die Leiche nach dem Tod durch Entnehmen der Organe weiter zu präparieren.

Horusaugen gegen den bösen Blick
© Anne Austin, Stanford University
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 Bild vergrößern3. Horusaugen gegen den bösen Blick

Zum ersten Mal sind Wissenschaftler bei einer altägyptischen Mumie auf figürliche Tätowierungen gestoßen. Der Körper der Frau war an zahllosen Stellen mit Abbildungen religiöser Tiere wie etwa der Kuh, von Pflanzen und anderen Symbolen versehen. Besonders auffällig: die Horusaugen, die wohl zum Schutz gegen Böses dienten.

Die Tätowierungen entdeckte Anne Austin von der Stanford University, als sie Mumien aus Deir el-Medina untersuchte. Weil die Haut durch den Mumifizierungsprozess stark nachdunkelte, sind viele Tätowierungen nur noch im Infrarotlicht erkennbar, zudem mussten sie durch digitales Glätten der Runzeln und Falten rekonstruiert werden. Viele sind dennoch kaum zu erkennen.

Wer die Frau war, die zwischen 1300 und 1070 v. Chr. lebte, und warum sie sich immer wieder der schmerzhaften Prozedur unterzog, ist unbekannt. Möglicherweise hatte sie religiöse Aufgaben, die Bilder auf dem Körper dürften kultische oder magische Bedeutung gehabt haben. In der einstigen Siedlung Deir el-Medina lebten Arbeiter und Künstler, die im nahe gelegenen Tal der Könige für die Ausgestaltung der Gräber sorgten.

BONUS: Daschi-Dorscho Itigelow
© Foto: Dashi-Dorzho Itigelow, ca. 1917 / public domain; Hintergrund: istock / Alexander Chernyakov
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 Bild vergrößern2. Daschi-Dorscho Itigelow

Daschi-Dorscho Itigelow war buddhistischer Lama aus der russischen Zarenzeit. Die Umstände seines Todes sind einigermaßen mysteriös: Die Legende besagt, dass sich der Mönch in Erwartung seines Lebensendes zur Meditation zurückzog und – tief versunken, im Lotussitz sitzend – zu atmen aufhörte. In dieser Haltung wurde er in eine Kiste gesetzt und in einer Gruft begraben. Das war 1927.

Als Mönche 1955 und 1973 seine Leiche inspizierten, soll sie keinerlei Anzeichen von Verwesung gezeigt haben. 2002 wurde die Mumie exhumiert und in ein weiteres Kloster in der russischen Republik Burjatien gebracht, wo sie sich bis heute befindet.

Die Gläubigen bringen dem ehemaligen Oberhaupt des russischen Buddhismus große Verehrung entgegen. Seine Mumie ist nur wenigen Menschen zugänglich – entsprechend wenige Fotos existieren und deren Herkunft ist kaum nachvollziehbar.

Ob die Mumie tatsächlich in einem derartig hervorragendem Zustand ist und, wenn ja, wie der Lama dies fertig brachte, ist ungeklärt. Die Theorien reichen von einer natürlichen Konservierung durch das Mikroklima in seinem Sarkophag über eine langfristige Einnahme schwacher Gifte zu Lebzeiten bis hin zur Anschauung, der Mönch sei gar nicht gestorben, sondern meditiere noch immer.

Unser Ötzi
© Südtiroler Archäologiemuseum
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 Bild vergrößern1. Unser Ötzi!

Oder: Der Mann vom Hauslabjoch, wie sein offizieller Titel lautet. Er ist nicht nur die berühmteste und bestuntersuchte, sondern wahrscheinlich auch die faszinierendste Mumie weltweit. Ohne den im Jahr 1991 entdeckten Hochgebirsgwanderer würde uns ein einzigartiges Fenster in die Zeit vor über 5000 Jahren fehlen.

Zuletzt haben Untersuchungen seines Erbguts beispielsweise völlig neue Einblicke in das Genom der jungsteinzeitlichen Europäer eröffnet. So zeigte sich unter anderem, dass seine DNA derjenigen von heute auf Sardinien heimischen Menschen ähnelt.

Mit kriminalistischen Methoden haben Forscher außerdem seine letzten Stunden zu rekonstruieren versucht: Auf einer Wanderung – oder war es eine Flucht? – ins Gebirge traf den Mittevierzigjährigen ein Pfeil in den Rücken, der vermutlich eine Arterie zerstörte. Ötzi stürzte nach vorne und war innerhalb kürzester Zeit tot. So lautet zumindest ein weit verbreitetes Szenario.

Damit die Mumie des "Iceman" nicht verfällt, wird sie unter speziellen Bedingungen in einer Klimakammer aufbewahrt. In einer umfassenden Ausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen werden die Funde präsentiert.