Einmal auf die Südhalbkugel der Erde fliegen, nach Chile, Namibia oder Australien, das Kreuz des Südens in der südlichen Milchstraße und die Magellan­schen Wolken sehen – das ist sicher der Traum vieler europäischer Sternfreunde. Aber geht das überhaupt in ein und demselben Monat? Schließlich stehen sich die Magellanschen Wolken und das Kreuz des Südens am Südhimmel ja fast genau gegenüber! Im Mai eines jeden Jahres ist genau dies möglich.

Große Magellansche Wolke (Übersichtsbild)
© Ralf Raab
(Ausschnitt)
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Die Große Magellansche Wolke ist ein rund 150 000 Lichtjahre entfernter Begleiter unserer Galaxis. Ralf Raab belichtete mit einem 135-Millimeter-Teleobjektiv 16 Minuten auf einen 200-ASA-Film.

Eine Beobachtungstour zu den Highlights des Südhimmels sieht in etwa wie folgt aus: Gleich nach Ende der Dämmerung steht die im Westsüdwesten absackende Große Magellansche Wolke mit etwa acht Grad Ausdehnung im Sternbild Schwertfisch (lateinisch: Dorado) noch oberhalb des Südpols. Sie bietet zum Auftakt einer klaren Nacht einen unbeschreiblichen Anblick im Feldstecher; ein kleines Teleskop macht auch den in ihr eingebetteten rötlichen Tarantelnebel sichtbar. Der nördliche Sternenhimmel hat nichts Vergleichbares!

Gegen 21 Uhr kulminiert die gesamte Pracht der bei uns völlig unsichtbaren Milchstraße im Kreuz des Südens (Crux) und im Schiffskiel (Carina), mit der bekannten Dunkelwolke "Kohlensack" und dem gewaltigen Eta-Carinae-Nebel. Dieser fast zwei Grad große Emissionsnebel stellt den uns gut bekannten Orionnebel gänzlich in den Schatten und bietet selbst in einem kleinen Reisefernrohr wie zum Beispiel Zehn-Zentimeter-Newton-Teleskop oder Neun-Zentimeter-Schmidt-Cassegrain-Teleskop, einen grandiosen, etwas an einen Schmetterling erinnernden Anblick. Die­se Milchstraßenregion ist dazu garniert mit einigen sehr beachtlichen offenen Sternhaufen, die wir hier gar nicht alle aufzählen können. Es lohnt sich, hier einfach nur mal mit dem Feldstecher langsam auf- und abzuschwenken.

Blick an den Südhimmel
© Klaus-Peter Schröder
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Klaus-Peter Schröder fotografierte mit einem 100-Milimeter-Teleobjektiv die Highlights der südlichen Milchstraße. Der auffällige rötliche Nebel in der rechten Bildhälfte ist der Eta-Carinae-Nebel, die dunkle Zone unterhalb des Kreuz des Südens ist der Kohlensack.

Gegen 22 Uhr kulminieren dann der riesige Kugelsternhaufen Omega Centauri (36 Bogenminuten groß und 3,5 mag hell) sowie einige interessante Galaxien, wie zum Beispiel die fast "edge-on"-Galaxie NGC 4945 (23 Bogenminuten lang), die 30 x 20 Bogenminuten große Centaurus A (NGC 5128) und Messier 83, die Zenitnähe erreicht. Alle weiter nördlich gelegenen Objekte beschreiben einen Bogen über dem Nordhorizont, in dieser Blickrichtung in der für uns ungewohnten Bewegungsrichtung von rechts (hier Ost) nach links (West). Vertraute Sternbilder wie Löwe, Bärenhüter und Herkules sehen wir recht tief über dem Nordhorizont und auf dem Kopf stehend!

In der zweiten Nachthälfte passiert dann zuerst der markante Skorpion den Zenit, bevor gegen 3 Uhr das Milchstraßenzentrum im Schützen direkt über uns steht. Die wirkliche Helligkeit dieser Milchstraßenregion, die wir am Südhimmel ungeschwächt wahrnehmen dürfen, ist schon überwältigend. Dazu kommt, dass der Bogen der Milchstraße sich jetzt eindrucksvoll über den gesamten Himmel spannt – bei uns daheim erleben wir dies nur mit der viel blasseren Wintermilchstraße.

NGC 4945 im Sternbild Zentaur
© Josef Pöpsel, Beate Uhle
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Im Sternbild Zentaur liegt die Balkenspiral­galaxie NGC 4945. Sie ist annähernd von der Seite aus zu sehen. Die Galaxie wurde von Josef Pöpsel und Beate Uhle 140 Minuten mit einem 24-Zoll-Hypergrafen und CCD-Kamera belichtet.

Am Morgenhimmel, vor Dämmerungsbeginn, steigen dann endlich auch im Sternbild Tukan die Kleine Magellansche Wolke (etwa fünf Grad Ausdehnung) und der nur etwa 20 000 Lichtjahre von uns entfernte, 3,5 mag helle Kugelsternhaufen 47 Tucanae (NGC 104, 31 Bogenminuten groß) auf. Zum Ende der Mainacht haben beide Objekte die Höhe des Südpols überschritten. In einer Gebirgsregion wie in Namibia oder Chile oder in der trockenen Wüstenluft Australiens ist das eine bereits völlig ausreichende Bedingung für den tollen Anblick im Feldstecher oder Teleskop.

Die Kleine Magellansche Wolke (Übersichtsbild)
© Heinrich Weiß
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 Bild vergrößernDie Kleine Magellansche Wolke und der Kugelsternhaufen 47 Tucanae
Die Kleine Magellansche Wolke und der Kugelsternhaufen 47 Tucanae befinden sich im südlichen Sternbild Tukan. Heinrich Weiß nahm die beiden Objekte in Namibia mit einem 500-Millimeter-Teleobjektiv auf und belichtete 90 Minuten.

Ein weiterer Vorteil des Monats Mai ist die schon längere Dauer der Südnächte, denn die Sonne ist ja bereits recht weit auf die nördliche Himmelshalbkugel geklettert. Aber wohin sollte die Reise denn nun am besten gehen? Hier bieten sich mehrere verlockende Alternativen an:

Reiseziele im Süden

Besonders engagierte deutsche Amateurastronomen haben sich in der Internatio­nalen Amateur-Sternwarte IAS (www.ias-observatory.org) organisiert und im dunkelsten Hochland von Namibia eine Sternwarte errichtet, mit mehreren Teleskopen am Fuß des Gamsbergs (Gästefarm Hakos) und auf dem Gamsberg selbst. Ernsthaft interessierte Astroamateure können sich daher an die IAS wenden und um eine Mitgliedschaft und Benutzung der Geräte nachfragen.

Aber es gibt auch weitere günstig gelegene Gästefarmen in Namibia, die ihren astronomisch begeisterten Gästen ein 20-Zentimeter-Schmidt-Cassegrain-Teleskop oder ein ähnliches Instrument auf einer parallaktischen Montierung anbieten; gut bekannt ist die Tivoli-Farm (www.tivoli-astrofarm.de). Für eine erste Erfahrung unter dem Südhimmel reicht ein einfacheres Instrumentarium ja auch völlig aus. Flüge nach Namibia werden von mehreren Fluglinien angeboten. So kommen Sie auf dem kürzesten Weg und ganz ohne Jetlag an den Südhimmel, und das Teleskop wartet schon vor Ort auf Sie.