Über das Wetter kann man immer reden. Dass dies ganz und gar kein langweiliger Smalltalk ist, belegen zehn Wetterrekorde – vom heißesten Tag der Temperaturmessungen über den stärksten Dauerregen bis hin zu Stürmen, die einen wahrhaft davonblasen würden. Deutschland kann sich dagegen glücklich schätzen, denn derartige Extreme kennen wir hier nicht. Die Daten beziehen sich übrigens selbstverständlich jeweils auf die Zeit seit Beginn moderner Wetteraufzeichnungen und nicht auf die gesamte Menschheitsgeschichte.

Höchste je gemessene Temperatur
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Im Sommer 2015 schwitzte Deutschland mancherorts bei wüstenhaft anmutenden 40,3 Grad Celsius – so gemessen im Juli und August im fränkischen Kitzingen. Im weltweiten Vergleich wirkt dieser Rekord dennoch lau. Die bislang höchste Temperatur, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erfasst und offiziell anerkannt wurde, erreichte das kalifornische Death Valley am 10. Juli 1913: Heiße 56,7 Grad Celsius zeigte das Thermometer in Furnace Creek im Zentrum der Senke an. Diesen Wert bestätigte die World Meteorological Organization vor wenigen Jahren und legte damit einen langen Streit bei. Denn um diesen Titel konkurrierte auch der libysche Ort El Azizia, an dem am 13. September 1922 sogar 58 Grad Celsius erreicht worden sein sollen; doch sprach eine Kontrolle der Daten und Fakten der Örtlichkeit letztlich dagegen, dass dieser Höchststand tatsächlich erreicht worden ist. Daneben existieren noch weitere, allerdings ebenfalls ungültige Höchstwerte. Satellitenmessungen der Oberflächentemperaturen ergaben beispielsweise hitzige 70,7 Grad Celsius direkt an der Oberfläche in der Wüste Lut im Iran. Sie zählen aber nicht, weil die offiziellen Temperaturen in einer Höhe von zwei Metern gemessen werden müssen.

Tiefste je gemessene Temperatur
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Noch deutlicher als bei der Hitze sind die Unterschiede zwischen den Tiefsttemperaturen in Deutschland und weltweit: Aktuell steht unser absoluter Negativwert bei minus 45,9 Grad Celsius, gemessen am 24. Dezember 2001 am Funtensee in den Berchtesgadener Alpen. Dieser wird vom Deutschen Wetterdienst allerdings nicht offiziell anerkannt, sondern stammt vom privaten Wetterdienst Meteomedia. Schuld daran ist die besondere Lage des Gewässers in einer Mulde im Gebirge, in der sich kalte Luft ansammeln kann. Verglichen mit der russischen Antarktisstation Vostok ist es aber selbst in bitterkalten Nächten am Funtensee fast noch lauschig: Minus 89,2 Grad Celsius am 21. Juli 1983 bilden momentan den Negativpunkt auf dem für extreme Tiefstwerte ohnehin bekannten ostantarktischen Eisschild – er gilt als globaler Kältepol. "Schuld" daran ist auch die hohe Lage der Station, die sich auf knapp 3500 Meter Höhe über dem Meer befindet – die dünne Luft begünstigt die winterliche Auskühlung während der Polarnacht zusätzlich.

Stärkste Temperaturschwankung in kurzer Zeit
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Spearfish ist eigentlich ein kleines, unspektakuläres Nest, das in den schier unendlichen Weiten der Prärie im US-Bundesstaat Süddakota liegt – immerhin sind es von dort nur wenige Kilometer bis zum geografischen Zentrum der Vereinigten Staaten, berücksichtigt man dabei auch Alaska und Hawaii. Ein bemerkenswerter Rekord zeichnet das Städtchen allerdings aus: Nirgendwo sonst maßen Meteorologen bis heute einen ähnlichen steilen Temperaturanstieg in kurzer Zeit wie dort. Innerhalb von nur zwei Minuten schossen am 22. Januar 1943 um 7.30 Uhr die Quecksilbersäulen der Thermometer von minus 20 auf 8,3 Grad Celsius in die Höhe – verursacht durch einen warmen Fallwind namens Chinook, einen Verwandten unseres alpenländischen Föhns. Das Tückische am winterlichen Chinook ist jedoch seine Unbeständigkeit, denn sobald die Fallwinde aussetzen, stürzen die Temperaturen wieder in den Eiskeller. Spearfish erfreute sich an jenem Januartag bis gegen 9 Uhr morgens noch an einem weiteren Anstieg auf 12 Grad Celsius, aber dann erstarb der Föhn. Binnen 27 Minuten konnten sich die ursprünglich vorherrschenden arktischen Luftmassen wieder durchsetzen, und die Werte stürzten nun um 32 Kelvin hinab zum morgendlichen Tiefpunkt.

Der stärkste Regen innerhalb eines Tages
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Inseln in der Passatzone der Erde sind durch zum Teil extreme Niederschlagsgegensätze geprägt – so auch das französische Überseeterritorium La Réunion im Indischen Ozean. Während auf der Westseite im Regenschatten der örtlichen Berge an mindestens 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint, ist es im Südosten klatschnass. Beständig trägt der Südostwind feuchte Luftmassen heran, die sich an den Vulkanen Réunions stauen, abkühlen und abregnen, so dass allein sie schon jährlich rund 8000 Millimeter Regen bringen. Ins Extrem kann dies aber noch gesteigert werden, wenn die Regenwolken eines Wirbelsturms auf das Eiland 670 Kilometer östlich von Madagaskar treffen: vom 7. auf den 8. Januar 1966 passierte der tropische Zyklon "Denise" die Insel und lud innerhalb von 24 Stunden 1825 Millimeter Regen auf dem Foc-Foc-Hochplateau der Insel ab – in Hamburg regnet es im ganzen Jahr im Schnitt 770 Millimeter.

Der meiste Schnee in 24 Stunden
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Im Gegensatz zu Regenrekorden ist die Erfassung von Schneespitzenwerten komplizierter. Die für die Anerkennung von Wetterextremen verantwortliche World Meteorological Organization erfasst derartige Höchstwerte nicht, da Schneefälle zu messen sehr schwierig ist und es keinen weltweiten Standard gibt. Historisch gesehen besitzen zudem nur die USA, Kanada und Japan langjährige Beobachtungsreihen, während in Europa vor allem gemessen wird, wie viel Flüssigkeit vom Himmel fiel – also wie viel Wasser frei wird, wenn der Schnee schmilzt. Das kleine Örtchen Capracotta im italienischen Apennin trägt seinen Titel als Schneeweltmeister daher nur inoffiziell. Rekordverdächtig ist dennoch, welche Mengen es hier am 5. März 2015 innerhalb von 24 Stunden schneite: Ein kräftiges Adriatief habe hier an einem Tag mehr als 250 Zentimeter Schnee gebracht, wie MeteoWeb meldete (mit Fotos). Allerdings wird dieser Wert von Meteorologen durchaus bezweifelt, da schon Schnee gelegen habe, als noch mehr Flocken vom Himmel fielen. Sie schätzen den tatsächlichen Wert eher auf ebenfalls beachtliche 80 Zentimeter. Den Höchstwert innerhalb eines Winters hält übrigens der Mount Baker in den USA, wo sich im Winter 1998/99 29 Meter angesammelt hatten.

Größte Hagelkörner, die auf die Erde prasselten
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Erst wenn die Eiskörnchen einen Durchmesser von 0,5 Zentimeter überschreiten, sprechen Meteorologen von Hagel – alles darunter gilt als Graupel. Und während man in Deutschland vor allem die wirtschaftlichen Schäden von Hagel fürchtet, treten in anderen Teilen der Welt bisweilen auch lebensbedrohliche Brocken auf: Der absolute und anerkannte Rekordhalter ist ein Unwetter vom 14. April 1986 im Bezirk Gopalganj in Bangladesch – damals prasselten bis zu ein Kilogramm schwere Geschosse auf die Erde; insgesamt zählten die Behörden 92 Todesopfer durch das Ereignis. Und während hier zu Lande meist Hagelkörner mit Durchmessern von nur wenigen Zentimetern vorkommen, maßen Beobachter am 23. Juli 2010 in Vivian, South Dakota, Brocken mit 20 Zentimeter Durchmesser und mehr als 47 Zentimeter Umfang. Hagel entsteht in unterkühlten Gewitterwolken, wenn Wasser an so genannten Kristallisationskernen zu Eis gefriert. Wichtig sind zudem starke Aufwinde in der Wolke, die das Eiskorn immer wieder nach oben reißen, so dass es wachsen kann. Andernfalls fällt es wegen seines Gewichts zu schnell aus der Wolke heraus.

Höchste Globalstrahlung in Ecuadors Anden gemessen
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Verglichen mit der Temperatur oder dem Niederschlag ist der meteorologische Faktor Globalstrahlung eine relativ junge Messgröße – in Deutschland wird sie beispielsweise lokal erst seit 1937 und flächendeckend erst seit den 1970er Jahren erfasst. Temperaturreihen gehen dagegen bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Zudem existiert für die Globalstrahlung kein dichtes weltweites Netz. Einen bislang ebenfalls inoffiziellen Weltrekord für Spitzenwerte dieses Parameters, der sich aus der direkten Schatten gebenden Sonnenstrahlung und beispielsweise von Wolken reflektierten Anteilen zusammensetzt, vermeldeten die beiden Geografen Michael Richter und Paul Emck von der Universität Erlangen 2008 aus einer vierjährigen Messreihe in den Anden Südecuadors: 1832 Watt pro Quadratmeter erfassten ihre Sensoren als Höchstwert. Die Strahlung der Sonne allein kommt an der Atmosphäre der Erde mit einer Intensität von 1340 Watt pro Quadratmeter an; der Rest entfiel also auf reflektierte Strahlung. Zeitweise zweifelten sie deshalb sogar an der Zuverlässigkeit ihrer Geräte, doch ergab eine sorgfältige Überprüfung, dass alles einwandfrei funktioniert hatte.

Stärkste UV-Einstrahlung
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Wer sich im Mittelmeerraum an den Strand legt, muss mit einem UV-Index von 8 bis 9 rechnen – die Sonnenstrahlung ist dann so intensiv, dass man sich schützen sollte, um Hautschäden zu vermeiden. Verglichen mit den Werten, die deutsche und US-amerikanische Geowissenschaftler um Nathalie Cabrol vom SETI Institute Carl Sagan Center und Uwe Feister vom Meteorologischen Beobachtungszentrum in Lindenberg aber in den Anden Boliviens gemessen haben, erscheinen diese Werte wie Kleinkram: Während ihrer Beobachtungen in den Jahren 2003 und 2004 registrierten ihre Sensoren am 29. Dezember einen Indexspitzenwert von 43,3 – mehr hat man zuvor noch nie auf der Erde aufgezeichnet. "Wenn der Index einen Wert von 30 bis 40 erreicht, will und sollte man sich am besten nicht mehr draußen aufhalten", betont Cabrol, die die Forschungsarbeiten leitete. Mehrere Faktoren hatten zu diesem Rekordwert beigetragen. So installierten die Forscher ihre Dosimeter am Gipfel des Vulkans Licancabur in knapp 6000 Meter Höhe sowie an der Laguna Blance in 4340 Meter Höhe über dem Meer: Die dünne Höhenluft begünstigt hohe Werte für die Einstrahlung, da hier in der Stratosphäre darüber weniger Ozon vorhanden ist, das die UV-B-Strahlung normalerweise herausfiltert. Gleichzeitig stand die Sonne beim Rekord nahe ihrem Zenit. Dennoch mussten noch weitere Faktoren hinzukommen, um den Index derart in die Höhe zu treiben. So hatten nach Angaben der Wissenschaftler Aerosole aus saisonalen Waldbränden sowie Unwetter zuvor ebenso zum Ozonabbau beigetragen wie eine starke Sonneneruption zwei Wochen vor dem 29. Dezember. Die Teilchen dieser Ausbrüche beeinflussen die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre und zerstören dabei sehr wahrscheinlich auch schützende Ozonmoleküle.

Stärkste Böen in einem Sturm
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Tornados gehören zu den gefährlichsten Wetterphänomenen der Erde: Es lässt sich kaum voraussagen, wo und wann genau sie entstehen, wohin sie ziehen und welche Gebiete sie treffen. 1200 der manchmal verharmlosend Windhosen genannten Ereignisse treffen allein die US-amerikanische Tornado Alley, eine besonders für ihre Bildung geeignete Region im Mittleren Westen. Welche Wucht sie entfalten können, zeigen die mit einem fahrbaren Dopplerradar erfassten Windböen eines Tornados, der am 3. Mai 1999 eine Schneise der Verwüstung zwischen Oklahoma City und Moore zog: Eine seiner Böen erreichte die Spitzengeschwindigkeit von 484 Kilometer pro Stunde. Die World Meteorological Organization betont allerdings, dass es sich dabei nicht um die größte gemessene Windgeschwindigkeit handelt. Der so genannte 1999 Bridge-Creek–Moore-Tornado tötete 36 Menschen und verursachte einen Schaden von einer Milliarde Dollar. Die höchste gemessene Windgeschwindigkeit beträgt übrigens 407 Kilometer pro Stunde – aufgestellt von Zyklon Olivia am 4. April 1996 auf der australische Insel Barrow.

Stärkster Sturm, der bislang registriert wurde
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Zu den gewaltigsten Wettererscheinungen der Erde gehören die Wirbelstürme der Tropen und Subtropen: Mit Dauerregen und Starkwinden sowie heftiger Brandung an der Küste können sie komplette Landstriche verwüsten. Umso erstaunlicher ist es, dass der stärkste und größte tropische Wirbelsturm, der je beobachtet wurde, relativ geringe Schäden anrichtete und vergleichsweise wenige Opfer forderte: Taifun Tip erreichte einen maximalen Durchmesser von 2200 Kilometern – und einen Luftdruck von nur 870 Millibar in seinem Auge, der tiefste Wert, der je außerhalb eines (sehr viel kleineren) Tornados gemessen wurde. Bis Tip am 19. Oktober 1979 die japanische Insel Honshu streifte, starben 86 Menschen an den Folgen des Taifuns. Von Taifun Tip existieren leider nur wenige gute und hochaufgelöste Bilder; die Abbildung hier zeigt deshalb Taifun Haiyan, der 2013 unter anderem Teile der Philippinen zerstörte und dort tausende Tote forderte. Er gehört ebenfalls zu den stärksten Zyklonen der Wettergeschichte, sein Luftdruck sank zeitweise auf 895 Millibar.