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Irrglaube

Die 7 größten Mythen der Medizin

Kennen Sie die Wahrheit? Diese Irrtümer über den Körper und die Gesundheit halten sich am hartnäckigsten.
Macht abends essen wirklich dick?

Wenn es um den eigenen Körper und die Gesundheit geht, hält sich mancher Volksglaube besonders hartnäckig. Die Mediziner Rachel Vreeman und Aaron Carroll von der University of Indiana in Indianapolis (USA) präsentierten im renommierten "British Medical Journal" die verbreitetsten Glaubenssätze, für die es keine oder sogar gegenteilige Belege gibt. Eine Auswahl:


1. "Haare und Fingernägel wachsen nach dem Tod weiter"

Dieser Irrglaube beruht auf einer optischen Täuschung: Nach dem Tod verliert der Körper an Flüssigkeit, weshalb sich die Haut unter den Nägeln und Haaren zurückzieht und diese länger erscheinen. Das Wachsen von Haaren und Nägeln erfordert eine komplexe hormonelle Regulation, die mit dem Tod erlischt.


Zucker macht hyperaktiv? Irrtum!
Zucker macht hyperaktiv? Irrtum! | Auch dieser Mythos hält sich beständig – trotz mehr als einem Dutzend Studien, die keinen Zusammenhang von zuckerhaltiger Ernährung und ADHS gefunden haben.

2. "Saure Gurken und Rollmops helfen gegen den Kater am Morgen"

Wenn es um den morgendlichen Kater nach einer durchzechten Nacht geht, schwören viele auf alte Hausmittel: saure Gurken, Rollmops und Aspirin. Doch es gibt keine Studien, die deren Wirkung belegen würden, weder von Schul- noch von Alternativmedizinern, wie eine Auswertung randomisierter Untersuchungen ergab. Der effektivste Weg: abends weniger Alkohol trinken!


3. "Über den Kopf verliert man besonders viel Körperwärme"

Bei Kälte solle man den Kopf bedecken, weil 40 bis 50 Prozent der Körperwärme über ihn verloren gingen – diesen Irrglauben verbreitete die US-Army einst in ihren "Überlebenstipps". Wahrscheinlich gründet der Irrtum darauf, dass in einer alten Studie Versuchspersonen in speziellen Kälteschutzanzügen steckten, aber ihre Köpfe nicht bedeckt waren. Unter diesen Bedingungen verloren sie tatsächlich überproportional viel Wärme über den Kopf. Hätten sie nur eine Badehose getragen, hätten sie relativ zur Körperoberfläche nicht mehr Wärme über den Kopf abgegeben als über andere Körperteile.

4. "Eine Rasur lässt das Haar kräftiger nachwachsen"

Die empirischen Befunde sind eindeutig: Das Haar wächst nach der Rasur nicht anders als vorher. Schon 1928 zeigte eine klinische Studie, dass Rasieren das Haar weder dicker macht noch dessen Wachstumsrate beschleunigt. Der Mythos beruht wohl darauf, dass dem nachwachsenden Haar die feinen Spitzen fehlen, weshalb es dicker oder rauer wirkt. Außerdem wurde es noch nicht der Sonne oder chemischen Behandlungen ausgesetzt, so dass es dunkler erscheint.


5. "Viel Zucker macht Kinder hyperaktiv"

Mehr als ein Dutzend methodisch einwandfreie Studien haben untersucht, wie Kinder auf eine geregelte Nahrung mit unterschiedlichen Mengen Zucker reagieren. Keine einzige ließ den Schluss zu, dass Aufmerksamkeitsstörungen oder Hyperaktivität davon beeinflusst werden – egal, ob die Kleinen natürlichen Fruchtzucker, Schokolade oder andere Süßigkeiten verspeisten. Aber wenn Eltern glaubten, ihr Kind habe ein zuckerhaltiges Getränk zu sich genommen, meinten sie oft, dass es sich hyperaktiver verhielte – selbst wenn das Getränk gar keinen Zucker enthielt. Der Glaube an diesen Mythos beeinflusste also nur die Wahrnehmung der Eltern!


6. "Eine nächtliche Mahlzeit setzt besonders schnell an"

Auf den ersten Blick scheint sich diese Regel zu bestätigen: Tatsächlich essen zum Beispiel einer schwedischen Untersuchung zufolge übergewichtige

Frauen häufiger am Nachmittag, in den Abendstunden oder in der Nacht. Aber das bedeutet noch nicht, dass der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme das Übergewicht (Adipositas) verursachte: Vielleicht nahmen sie auch einfach insgesamt mehr Kalorien zu sich. In den meisten anderen Studien fanden die Forscher keinen Zusammenhang zwischen nächtlichem Essen und Gewichtszunahme.


7. "Mobiltelefone verursachen Fehlfunktionen bei medizinischen Geräten"

In vielen Krankenhäusern ist der Gebrauch von Mobiltelefonen wegen ihrer elektromagnetischen Strahlung verboten. In Einzelfällen gibt es zwar Berichte von Fehlfunktionen von Infusionspumpen und Monitoren. Doch laut britischen Untersuchungen stören Handys nur Geräte, die sich in einem Umkreis von maximal einem Meter befinden; und nur in weniger als 0,1 Prozent der Fälle ließ sich überhaupt ein Effekt nachweisen. Eine 2007 veröffentlichte Studie fand bei Tests in 75 Behandlungsräumen keine einzige Störung. Eine Untersuchung von Anästhesisten kam zu dem Schluss, dass das Risiko eines Behandlungsfehlers sogar sank, wenn Ärzte Mobiltelefone benutzten – weil sie auf diese Weise besser miteinander kommunizierten.

Quellen

Vreeman, R.C., Carroll, A.E.: Medical Myths. In: British Medical Journal 335, S. 1288-1289, 2007

Vreeman, R.C., Carroll, A.E.: Festive Medical Myths. In: British Medical Journal 337, S. 1442-1443, 2008

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