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Geologie: Die 7 höllischsten Erdschlunde

Glühende Lava, loderndes Feuer oder Eiseskälte beflügeln seit jeher die Fantasie. Sitzt hier der Zugang zur mythischen Unterwelt? Was sich hinter diesen sieben geologischen Spektakeln wirklich verbirgt, haben wir uns einmal näher angeschaut.
Krater von Derweze
7 Eishöhlen (Island) | Sie entstehen jedes Jahr aufs Neue, die beeindruckenden und bizarren Eishöhlen unter den mächtigen Gletschern Islands. Während sich der Gletscher kontinuierlich mit bis zu einem Meter pro Tag vorwärtsschiebt, wird das darunterliegende Eis vom Gewicht der darüberliegenden Schneeschichten über Jahrhunderte hinweg komprimiert. Bis letztlich die gesamte Luft aus dem Eis gedrückt und dieses dadurch glasklar wird.
Unter dem Gletscher schmelzen kleine Wasserläufe enge Hohlräume in das Eis. Die darin befindliche eiskalte Luft erzeugt einen umgekehrten Kamineffekt, durch den wärmere Luft von oben unter den Gletscher gezogen wird und so die Höhlen ständig erweitert. Die dabei entstehenden Eisbögen lassen vom einfallenden Licht nur den Blauanteil hindurch, so dass die Decke in den eindrucksvollsten Blautönen schimmert.
6 Solfatare (Italien) | Es stinkt nach Schwefel, Rauchfahnen ziehen über den Boden, und hin und wieder schießt ein Geysir in die Höhe. So richtig gemütlich ist es auf dem Solfatare, dem eindrucksvollsten Vulkan der Phlegräischen Felder am Golf von Neapel, nicht. Vielleicht war es ja dieser große Vulkankrater, der Dante zu seinem "Inferno" inspirierte. In seiner längsten Ausdehnung misst er knapp 770 Meter und wurde in der Antike als Kurort genutzt. Heute zieht es vor allem Touristen an den unwirtlichen Ort, der gerade wegen seiner besonderen klimatischen Bedingungen viele seltene Pflanzen beherbergt.
5 Jeita Grotto (Libanon) | Im Libanon, knapp 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Beirut, findet sich die beeindruckende Tropfsteinhöhle Jeita Grotto. Knapp 9000 Meter lang und bis zu 108 Meter hoch, beherbergt sie unzählige Stalagmiten und Stalaktiten. Die erste neuzeitliche Entdeckung erfolgte 1836, doch schon früher scheinen Menschen den Zugang zu dem Höhlensystem gekannt zu haben, wie Funde belegen. In den Jahren 1873/74 erforschte schließlich ein Expeditionsteam die Höhlen, die der Fluss Nahr al-Kalb in den Kalkstein gegraben hatte, genauer. Als Beweis ihrer Erkundung platzierten sie eine fest verschlossene Flasche, die ein Stück Papier mit Namen und weiteren Auskünften enthielt, auf einem Stalagmiten. Der im Wasser enthaltene Kalk hat die Flasche im Lauf der Zeit auf dem Stein dauerhaft fixiert.
4 Hoyo Negro – Yukatan | "Schwarzes Loch" – "Hoyo Negro" – tauften ihre Entdecker 2007 den großen Cenote, der zu einem verzweigten Unterwasserhöhlensystem auf der Halbinsel Yukatan in Mexiko gehört. Die mit Süßwasser gefüllten Kalksteinlöcher waren als Trinkwasserreservoir wichtiger Bestandteil der Mayakultur. Berühmt wurde die knapp 61 Meter breite und bis zu 50 Meter hohe Höhle durch den spektakulären Fund eines 12 000 Jahre alten weiblichen Skeletts im Jahr 2007. Wissenschaftler um James Chatters von der University of Washington hatten ihre Ergebnisse 2014 veröffentlicht.
3 Kristallhöhle (Mexiko) | Es ist heiß und feucht. Bis zu 50 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 bis 100 Prozent herrschen in der knapp 30 Meter großen Kristallhöhle. Im April 2000 machten Bergarbeiter bei einer Bohrung für einen Luftschacht diese einmalige geologische Entdeckung in 290 Meter Tiefe: riesige Kristalle aus Marienglas, einer speziellen Gipsart. Bis zu 14 Meter hoch und zwei Meter dick sind die einzigartigen Gebilde. Bis zur Bohrung war die Höhle mit 54 Grad Celsius warmen Wasser gefüllt, vermutlich bereits seit Jahrmillionen. Denn nur unter absolut gleich bleibenden Bedingungen konnten sich die gewaltigen Kristalle aus dem niedrigkonzentrierten Salzbad in den Minen von Naica im Norden Mexikos bilden.
2 Nyiragongo (Kongo) | Er ist einer der seltsamsten Vulkane der Welt: der Nyiragongo. Der 3470 Meter hohe Feuerberg gehört zu einer Gruppe von Stratovulkanen im Great Rift Valley im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Schwankend zwischen 450 und 600 Metern unter dem Kraterrand befindet sich der mit knapp einem Kilometer Durchmesser größte Lavasee der Welt. Wenn der Nyiragongo ausbricht, dann jedoch nicht explosionsartig. Stattdessen produziert er dünnflüssige Lavaströme, die wie Wasserfälle den Berg herabstürzen. 2002 überschwemmten seine Lavamassen die Stadt Goma. Noch heute bedeckt ein erstarrter, silbriger Steinpanzer die Straßen der Stadt.
1 Krater von Derweze – Tor zur Hölle | Sie nennen es das "Tor zur Hölle". 270 Kilometer nördlich der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat brennt seit 43 Jahren ein loderndes Feuer im Krater von Derweze. Als Wissenschaftler 1971 mitten in der Wüste Karakum Sondierungsbohrungen nach Gas machten, bohrten sie unbeabsichtigt einen unterirdischen Hohlraum an. Dieser brach zusammen, und ein etwa 70 Meter breiter Trichter bildete sich, aus dem seither Methangas austritt. Um die umliegenden Dörfer zu schützen, entschlossen sich die Fachleute, das Gas abzufackeln. Entgegen ihren Erwartungen erlosch das Feuer jedoch nicht, sondern brennt auch heute noch – allen Löschversuchen zum Trotz.

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