Nach dem Großen Wagen ist der Orion sicherlich die bekannteste Sternkonfiguration am Himmel. Geprägt von zwei hell leuchtenden Sternen, dem blauen und heißen Rigel und der roten und kühlen Beteigeuze, sowie den drei diagonalen "Gürtelsternen" in seiner Mitte, beherrscht er den winterlichen Nachthimmel. Doch im Orion sind neben hellen Sternen auch recht berühmte Nebel zu finden, die schon mit einem normalen Teleobjektiv zu fotografieren sind. In diesen Nebeln verbergen sich die Kinderstuben von Sternen, in denen sich Wolken aus Gas und Staub zusammenziehen und so weit verdichten, bis neue Sonnen geboren werden.

Die Nebel im Sternbild Orion (Übersichtsaufnahme)
© Dietrich Ehmann
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Das Sternbild Orion ist reich an hellen Sternen und Nebeln. Dietrich Ehmann nutzte eine Canon 350 Da mit 50-Millimeter-Objektiv bei Blende 4 und ISO 800. Er belichtete fünf Aufnahmen je 5 Minuten lang und überlagerte sie am Computer.

Östlich, in unseren Breiten links des Sternbilds, zieht sich ein gigantischer rötlicher Bogen um den Orion. Es ist Barnard’s Loop, benannt nach dem US-amerikanischen Astronomen Edward Barnard, der den Nebel im Jahr 1895 fotografisch entdeckte. Barnard fand den Nebel auf einer Fotoplatte, die mit einer damals üblichen Kamera lange belichtet wurde. Mit heutigen Digitalkameras mit Teleobjektiv auf einer kleinen, nachgeführten Montierung lässt sich der Nebel problemlos bei einigen zehn Minuten Belichtungszeit fotografieren.

Als Ursprung dieser rötlichen Emissionswolke wird eine Sternexplosion, eine Supernova, vor etwa zwei Millionen Jahren vermutet. Allerdings ist es auch möglich, dass es sich um die Stoßfront von starken Sternwinden massereicher Sterne im Trapez des Orionnebels handelt, die etwa im Zentrum des Bogens liegen. Die Sterne könnten das neutrale Gas aus atomarem Wasserstoff im interstellaren Medium mit ihrer starken UV-Strahlung ionisieren, wie sie dies auch beim Orionnebel selbst tun. Dabei wird dem Wasserstoff sein einziges Elektron entrissen, wodurch er zum Leuchten angeregt wird. In Barnard’s Loop entstehen außerdem laufend neue Sterne, was auf Verdichtungsprozesse hinweist, die wiederum eher zu einer Supernova vor langer Zeit passen würden. Was auch immer die Ursache für den Bogen ist: Wir wissen, dass er bei einer Entfernung von 1500 Lichtjahren einen wahren Durchmesser von rund 300 Lichtjahren hat.

Der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion
© Patrick Hochleitner
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Um den Pferdekopfnebel so abzulichten, ist ein Teleskop nötig. Patrick Hochleitner nutzte einen 120-mm-Refraktor mit 900 mm Brennweite. Mit einer Canon 1000 Da nahm er 14 Bilder mit je 10 Minuten Belichtungszeit auf.

Einer der ästhetischsten Erscheinungen am gesamten Nachthimmel ist sicherlich der Pferdekopfnebel. Ausgehend vom linken Gürtelstern (Zeta Orionis) zieht sich eine Dunkelwolke aus Staub und Gas nach Süden, die den hellen Stern- und Gashintergrund verdeckt, und in deren Mitte eine Struktur in Form eines Pferdekopfes liegt. Der Pferdekopfnebel ist wie Barnard’s Loop rund 1500 Lichtjahre entfernt, hat aber nur eine Ausdehnung von etwa drei Lichtjahren. Für Beobachtungen oder Fotografien gilt dasselbe wie für den Loop, und auch er wurde von Barnard entdeckt.

Das Trapez im Orionnebel
© Jens Hackmann
(Ausschnitt)
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Vier junge, eng beieinander stehende Sterne im Zentralbereich des Orion­nebels bilden das "Trapez".

Der scheinbar hellste und darum wohl bekannteste Nebel an unserem Nachthimmel ist gewiss der Orionnebel (Messier 42). Er findet sich im so genannten "Schwert des Orion" direkt unterhalb der drei Gürtelsterne und ist trotz seiner geringen scheinbaren Ausdehnung schon mit dem bloßen Auge als diffuser Fleck zu sehen. Wie Barnard’s Loop und teilweise der Pferdekopfnebel wird der Orionnebel durch das Licht massereicher Sterne zum Leuchten angeregt. Diese Strahlung kommt aus dem Zentrum des Nebels, dem "Trapez". Es besteht aus vier trapezförmig angeordneten heißen Sternen, deren Strahlung auch das eigene Material wegdrückt und so zu einem Sternwind führt. Die turbulenten Strukturen im Orionnebel führen wiederum zu Verdichtungen, aus denen neue Sterne entstehen. Der Orionnebel ist etwa 1350 Lichtjahre von uns entfernt. Schon mit einem kleinen Fernrohr können Strukturen mit dem Auge wahrgenommen werden, doch erst auf fotografischen Aufnahmen entfaltet er seine volle Pracht.

Bedeckungsveränderliche im Trapez (Aufsuchkarte)
© Wolfgang Quester / SuW-Grafik
(Ausschnitt)
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Zwei der Trapezsterne, die Komponenten A (= V1016 Ori) und B (= BM Ori) sind Bedeckungsveränderliche. Die Helligkeiten sind hier in Dezimalen der Magnituden angegeben (Beispiel: 79 = 7,9 mag); eine solche Schreibweise ist in Sternkarten üblich, damit das Komma oder der Dezimalpunkt nicht mit einem Stern verwechselt wird.