Astronomen bezeichnen offene Sternhaufen auch als galaktische Haufen, weil ihre räumliche Verteilung die Struktur der galaktischen Scheibe unseres Milchstraßensystems gut wiedergibt. Alle Mitglieder einer solchen Stern­ansammlung entstanden einst in derselben Wolke aus Gas und Staub. Die meisten der recht locker konzentrierten offenen Sternhaufen – die wenige Dutzend bis mehrere tausend Sterne enthalten können – sind vergleichsweise jung. Denn nur die sehr massereichen und kompakten Sternhaufen überdauern mehr als 200 Millionen Jahre. Alle anderen werden von den gravitativen Wechselwirkungen bei nahen Begegnungen mit interstellaren Wolken oder anderen Sternhaufen sowie von den galaktischen Gezeitenkräften förmlich aufgerieben. Ihre Sterne diffundieren, einer nach dem anderen, aus der Ansammlung heraus und verlieren sich in den Weiten der galaktischen Scheibe.

Aufsuchkarte für Sternhaufen im Fuhrmann
© SuW-Grafik / Ernst E. von Voigt
(Ausschnitt)
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Im Fuhrmann (lateinisch: Auriga), nahe des hellen Sterns Kapella (Alpha Aurigae), befinden sich fünf offene Sternhaufen: NGC 1605 im Sternbild Perseus sowie NGC 1664, 1798, 1883 und 2126.

Abgesehen von der großen Gas- und Staubwolke im Orion sind die äußeren Bereiche der galaktischen Scheibe, die wir in Form der Wintermilchstraße an unserem Nachthimmel sehen, relativ durchsichtig. Darum ist dieser Milchstraßenabschnitt auch scheinbar besonders reich an offenen Sternhaufen. Sieht man einmal von den in unseren Deep-Sky-Objekten aufgelisteten Paradeobjekten ab, so gibt es noch eine Vielzahl weiterer Sternhaufen zu entdecken. Schon wer ein 15- oder 20-Zentimeter-Spiegelteleskop zu seiner Verfügung hat, kann mit mittlerer Vergrößerung – zwischen 60- und 120-fach – auf Entdeckungstour gehen.

NGC 1605, das kleine Schatzkästchen:

Der Besitzer eines großen Amateurteleskops hat an diesem Sternhaufen seine helle Freude, denn etwa 40 Sterne auf einem Areal von etwa fünf Bogenminuten Durchmesser heben sich gut vom Hintergrund ab – ein kleines "Schatzkästchen"!

Zum Aufsuchen müssen Sie von My Persei aus etwa vier Grad nach Südosten schwenken, auf Zeta Aurigae zu. Je nach Himmelsqualität benötigen Sie eine Öffnung von 25 bis 30 Zentimeter, mit einer Vergrößerung von etwa 200-fach, um den Haufen in seine Einzelsterne aufzulösen, denn seine hellsten Mitglieder erreichen nur 12,5 mag. Ein kleineres Teleskop zeigt immerhin einen nebligen Glimmer. Die Entfernung von NGC 1605 beträgt rund 8300 Lichtjahre. Die interstellare Absorption schlägt hier mit etwa 3 mag stark zu Buche, was die genaue Bestimmung der Haufenparameter erschwert. Mit einem Alter von nur 40 Millionen Jahren und einem Durchmesser von zwölf Lichtjahren ist NGC 1605 sehr jung und kompakt.

NGC 1664, der Große für den Einsteiger:

Mit etwa zehn Bogenminuten Durchmesser und sämtlich etwa 11 mag hellen Einzelsternen kann dieser lockere und nicht allzu reiche Sternhaufen schon mit einem 15-Zentimeter-Teleskop aufgelöst werden. Auch lässt sich NGC 1664 leicht auffinden, indem Sie von Epsilon Aurigae aus etwa zwei Grad nach Westen schwenken. Bei annähernd gleicher Größe (etwa zwölf Lichtjahre) ist NGC 1664 mit etwa 290 Millionen Jahren wesentlich älter als NGC 1605, aber nur halb so weit entfernt (knapp 4000 Lichtjahre). Auch erleidet NGC 1664 nur eine vergleichsweise geringe interstellare Absorption, was seine deutlich helleren Einzelsterne erklärt.

Der offene Sternhaufen NGC 1664
© Josef Waggershauser
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Der offene Sternhaufen NGC 1664 im Sternbild Fuhrmann erstreckt sich über rund zehn Bogenminuten. Ihn lichtete Josef Waggershauser mit einem Fünf-Zoll-Refraktor ab.
NGC 1798, fein und reich:

Für diesen an Sternen reichen Haufen benötigen Sie ein Teleskop von 25 bis 30 Zentimeter Öffnung, um seine ganze, auf etwa fünf Bogenminuten konzentrierte Sternenpracht eingehend bewundern zu können. Die hellsten Haufensterne sind nur etwa 12,5 mag hell.

Sie finden dieses feine Objekt durch einen vorsichtigen Schwenk von Kapella (Alpha Aurigae) aus, erst zwei Grad nach Norden und dann noch mal knapp ein Grad nach Westen. NGC 1798 steht in der beachtlichen Entfernung von 11 500 Lichtjahren, aber der interstellare Staub schwächt die Helligkeit glücklicherweise nur um gut 1 mag.

NGC 1883, der Entfernte für Spe­zialisten:

Mit drei Bogenminuten Durchmesser und nur maximal 13,5 mag hellen Einzelsternen stellt dieser Sternhaufen selbst für ein 30-Zentimeter-Teleskop eine Herausforderung an den visuellen Beobachter dar. Jedoch zeigen länger belichtete Aufnahmen einen sehr hübschen Sternhaufen! Um zumindest seinen zarten, etwa 11 mag schwachen Lichtschimmer zu finden, schwenken Sie von Kapella erst vorsichtig zwei Grad nach Osten, und dann gut ein halbes Grad nach Norden. NGC 1883 ist mehr als 15 000 Lichtjahre von uns entfernt und knapp 14 Lichtjahre groß. Wie sein Nachbar NGC 1798 bleibt er von starker interstellarer Absorption verschont und ist etwa eine Milliarde Jahre alt.

Der offene Sternhaufen NGC 1883
© Bernd Koch
(Ausschnitt)
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NGC 1883 ist ein sehr kleiner, aber feiner offener Sternhaufen. Bernd Koch fotografier­te ihn mit einem Celestron-14-Teleskop und belichtete 30 Minuten.
NGC 2126, Leitstern inklusive:

Dieser hübsche Sternhaufen wird vom 6,1 mag hellen Stern HD 40626 (HIP 28637) markiert. Weiß strahlend ziert er den nordöstlichen Haufenrand. Sie finden den nicht ganz so reichen Sternhaufen und seinen "Leitstern" recht leicht, indem Sie von Beta Aurigae fünf Grad nach Norden schwenken. Auch in diesem Fall ist eine größere Öffnung von 25 bis 30 Zentimeter und eine höhere Vergrößerung erforderlich, um die Einzelsterne (ab 12,5 mag) zweifelsfrei aufzulösen. NGC 2126 ist mit knapp 4000 Lichtjahren in etwa so weit entfernt wie sein räumlicher Nachbar NGC 1664. Jedoch ist NGC 2126 nur gut halb so groß und mit deutlich über einer Milliarde Jahren auch erheblich älter.

Der offene Sternhaufen NGC 2126
© Peter Wiener­roither
(Ausschnitt)
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Der auffällige Stern HD 40626 kennzeichnet den nordöstlichen Rand des Sternhaufens NGC 2126, der etwa sechs Bogenminuten groß erscheint. Ihn nahm Peter Wiener­roither auf.