Der Galaxien-Enthusiast mag sich darüber ärgern, aber eine große Auswahl seiner Lieblingsobjekte gibt es nur am Herbst- und am Frühlingshimmel. Letzterer ist besonders ergiebig, während der Himmel im Sommer und im Winter fast gar keine Galaxien vorzuweisen hat.

Woran liegt das – schließlich gibt es doch überall am Himmel Galaxien? Nun, unsere eigene Galaxie, das Milchstraßensystem, verstellt den Blick auf alle dahinter liegenden extragalaktischen Objekte. Im Sommer und Winter steht das Band der Milchstraße hoch am Himmel, und darum weisen diese Jahreszeiten wenig Galaxien auf.

Das "Galaxienfenster"

Jetzt im Frühling kommen jedoch zwei besonders günstige Umstände zusammen. Zum einen kulminiert der galaktische Nordpol hoch im Sternbild Haar der Berenike bei der Position 12h 45m und +27°. In dieser Richtung blicken wir also direkt senkrecht heraus aus dem staubigen, alles verdeckenden Band der Milchstraße in die Tiefen des Raums; man spricht deshalb auch von einem "Galaxienfenster". (Jetzt verwundert es auch nicht, warum wir vor allem in den Jagdhunden, Haar der Berenike und in der Jungfrau so wenig Sterne sehen.) – Zum anderen steht nur wenig südlich des galaktischen Nordpols, im Grenzbereich der Sternbilder Haar der Berenike (lateinisch: Coma Berenices) und Jungfrau (Virgo), der bei Weitem größte Galaxienhaufen unserer näheren Umgebung, der gewaltige Virgo-Haufen! Sein Zentrum wird gleich von mehreren Messier-Galaxien markiert, allen voran der gewaltigen elliptischen Riesengalaxie M 87. Mit seinen Ausläufern erstreckt sich der Virgo-Haufen über rund 25 Grad Nord-Süd-Ausdehnung an unserem Himmel, aber in seiner räumlichen Umgebung befinden sich dazu auch viele kleinere Galaxiengruppen. So reicht eine recht hohe Galaxiendichte noch bis in die südlichsten Bereiche des Sternbilds Jungfrau sowie bis in die Jagdhunde und den Gro­ßen Bären im Norden.

Galaxienzeit
© Heinrich Weiß
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernGalaxienzeit
Klare Gebirgsnächte bieten die besten Voraussetzungen für den Galaxienbeobachter.

Aus diesem Bereich schlagen wir einige Deep-Sky-Objekte für diesen Monat vor, aber es gibt hier unter dunklem Himmel eine so große Zahl attraktiver Galaxien, dass der Besitzer eines 20-Zentimeter-Teleskops viele Nächte braucht, um wenigstens die schönsten Objekte abzuarbeiten. Das Galaxienfenster reicht aber noch weiter: Unser freier Blick auf den extragalaktischen Raum erstreckt sich gen Westen auch auf den kompletten Löwen mit seinen beiden kleineren Galaxiengruppen. Eingerahmt wird dieses Fenster in den Tiefen des extragalaktischen Raums von der Wintermilchstraße im Westen und dem Bärenhüter im Osten. Auf dieser nachrückenden Seite werden wir in den kommenden Monaten viele Kugelsternhaufen aus dem galaktischen Halo zu sehen bekommen. Im Süden setzt der Dunst auf Höhe des Raben eine natürliche Grenze, im Norden eigentlich nur der Himmelspol.

Ein dunkler Himmel ist unersetzlich

Eine erfolgreiche und Freude bereitende Beobachtung ferner Galaxien ist sehr stark abhängig von der Qualität des Himmels. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Galaxien grundsätzlich von den galaktischen Emissionsnebeln, deren Leuchten von engen Emissionslinien des Wasserstoffs und anderer, ionisierter Gas­atome stammt. Bei ihnen hilft deshalb ein Schmalbandfilter, dieses Licht vom aufgehellten Himmelslicht zu trennen und so den beobachteten Kontrast stark zu verbessern. Galaxien leuchten dagegen hauptsächlich im Licht ihrer Sterne, das sich über den gesamten Spektralbereich verteilt. Filter, gleich welcher Art, helfen da wenig – nur ein transportables Teleskop und ein günstig erreichbarer Beobachtungsstandort weit vor den Toren der Stadt! Am besten geeignet ist der dunkle und vor allem transparente Nachthimmel der weitgehend unbewohnten Hochgebirge, angefangen bei den deutschen Alpen. Dem stadtnahen Beobachter bleibt sonst nur die Beschränkung auf kompaktere, flächenhellere Galaxien wie Messier 82.

Eine interessante Alternative ist ein kleiner Astro-Urlaub in einer astronomisch geeigneten Region. Der große Vorteil dieser Variante ist, dass ermüdende Nachtfahrten entfallen und der Beobachter seine gesamte Energie seinen Beobachtungen widmen kann, da am nächsten Morgen nicht die tägliche Arbeit auf ihn wartet. Leider können wir uns in Europa so gar nicht darauf verlassen, dass wir in so einer vorbestimmten Woche auch wirklich klare Nächte haben. Nur eine Flugreise in die Berge von Teneriffa verspricht in dieser Hinsicht eine gewisse Sicherheit.

Teleskop und Okulare des Galaxienjägers

Bei Galaxienbeobachtern sind leicht zu transportierende und schnell aufzubauende Teleskope, etwa ein 25-Zentimeter-Dobson, oder ein kompaktes 20-Zentimeter-Schmidt-Cassegrain-Teleskop – beispielsweise von Celestron oder Meade – sehr beliebt. Diese Öffnungen zeigen bei vielen der jetzt günstig stehenden Galaxien schon eine Menge Details, sofern der Beobachter den nächtlichen Ausflug unter einen dunklen Himmel nicht gescheut hat. Am besten benutzen Sie dazu einen kleinen, ausgepolsterten Alukoffer für den staub- und erschütterungsfreien Transport Ihrer Okulare und anderem Kleinzubehör. So geht auch nichts in der Dunkelheit verloren – schließlich kann ein guter Okularsatz leicht an die Kosten des nackten Teleskops heranreichen.

Zwei Teleskope für die Galaxienjagd
© Quelle: Teleskopservice
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernZwei Teleskope für die Galaxienjagd
Zwei Teleskoptypen, die sich gut transportieren und schnell im Feld aufbauen lassen: Ein kompaktes Schmidt-Cassegrain auf Dreibeinstativ (links) und ein Newton-Teleskop auf Dobson-Montierung.

Das richtige Okular ist so wichtig wie die Teleskopoptik. Den meisten Galaxien entlocken Sie die beste Detailfülle mit Vergrößerungen im mittleren Bereich, etwa bei der Hälfte der Millimeterzahl der Öffnung (also um 100-fach bei einem 20-Zentimeter-Teleskop). Eine niedrigere Vergrößerung bietet zwar lichtstärkere Bilder; aber lichtschwache, kontrastarme Details erkennt das Auge nur unter Zusammenschluss mehrerer Sehzellen. Um das Detail auf eine solch große Netzhautfläche abzubilden, ist eine höhere Vergrößerung erforderlich. Treibt man dies allerdings zu weit, dann sinkt die Leuchtdichte des Galaxienbilds auf der Netzhaut gänzlich unter die kritische Nachweisgrenze. So ist besagte mittlere Vergrößerung der beste Kompromiss, und eine Auswahl von drei Weitfeldokularen mit etwas abgestuften Brennweiten von um das Doppelte der Öffnungszahl des Teleskops garantiert für jede Galaxie den besten Anblick.

Der Besitzer eines Schmidt-Casse­grain-Teleskops wird sich aus den genannten Gründen mit guten Okularen von etwa 25, 20 und 15 Millimetern Brennweite eindecken, wobei sechslinsige Erfle-Weitfeldokulare (60 bis 65 Grad) eine gute und noch nicht zu teure Wahl darstellen. Der Besitzer eines Dobsons wird dagegen eher auf einen Okularsatz von 16, 12 und 9 Millimetern Brennweite schwören. Da bei einem Öffnungsverhältnis von f/6 die Randkorrektur der Erfle-Okulare deutlich schlechter ausfällt (oft fälschlicherweise der Koma des Parabolspiegels zugeschrieben), kommen hier eher fünflinsige, modifizierte Plössl-Okulare mit nur 50 bis 55 Grad Gesichtsfeld in Frage oder eine Kombination aus einem Erfle-Okular doppelter Brennweite mit einer zweifach-Barlow-Linse oder einem teuren, aber unschlagbaren, Nagler-Design.

Achten Sie beim Kauf unbedingt auch darauf, ob Ihre Augenhöhle mit der Lage der Austrittspupille des Okulars harmoniert, so dass Sie das Okulargesichtsfeld ohne Abschattungen gut übersehen können. Astigmatische Brillenträger können entweder Spezialokulare mit besonders weit außerhalb liegender Austrittspupille kaufen (zum Beispiel aus der Vixen LV Serie), um die Brille aufzubehalten, oder eine dem astigmatischen Brillenglas des Beobachterauges entsprechende runde Einzellinse anfertigen lassen, passend zum Aufsetzen auf das Okular.

So ausgerüstet macht eine nächtliche Beobachtungsaktion fern der eigenen Wohnung durchaus großen Spaß. Natürlich dürfen Sie dabei nicht vergessen, auch noch einen Feldstecher, einen Stern­atlas, Ihren aktuellen Ahnert, eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Kakao, ausreichend warme Kleidung und auch Proviant mitzunehmen!