Kometen – seit Menschengedenken Furcht erregend und faszinierend zugleich. Noch bis vor 500 Jahren galt die Ansicht von Aristoteles, Kometen seien Erscheinungen der Erdatmosphäre. Erst Tycho Brahe erkannte ihre kosmische Herkunft, und Edmund Halley stellte fest, dass einige Kometen – auch der nach ihm benannte Halleysche Komet – periodisch wiederkehren.

Manche Kometen zählen auf Grund der riesigen Schweifstrukturen zu den eindrucksvollsten Gebilden, die wir am Himmel beobachten können. Doch sie sind im Grunde kosmische Blender, denn die eigentlichen Kometenkörper sind mit wenigen Kilometern Durchmesser an sich zu klein, um besonders auffällig zu sein.

Waren die Kerne früher unbeobachtbar verborgen in der so genannten Koma, der ausgedehnten Hülle aus Gas und Staub, so konnten wir dank der ESA-Raumsonde Giotto 1986 erstmals einen detaillierten Blick auf den Kern eines Kometen werfen – den Kern des berühmten Kometen Halley. Auf Grund der geringen Masse und Größe sind die Kometenkerne unregelmäßig geformt und ähneln auf den ersten Blick den Asteroiden. Das bestätigten später auch andere Raumsonden an anderen Kometen.

Im Rahmen der NASA-Deep-Impact-Mission gelang sogar der Beschuss eines Kometenkerns mit einem fast 400 Kilogramm schweren Projektil, um eine detaillierte Analyse des Materials der Einschlagwolke durchzuführen. 2014 soll die ESA-Sonde Rosetta sogar eine Landeeinheit kontrolliert auf einem Kometen absetzen. Eine durchaus heikle Mission, denn Kometenkerne sind offenbar ein relativ lockerer Mix von Gas, Eis und Gestein. Der amerikanische Astronom Fred Whipple prägte daher den berühmten Vergleich mit einem schmutzigen Schneeball. Da Kometenkerne jedoch eher dunkel sind, sollte man sie besser als eisigen Schmutzball bezeichnen.

Erst in Sonnennähe führt die erhöhte Strahlung zur Ablösung von Material durch Sublimieren. Flüchtige Substanzen reißen dabei ins Eis eingebettete Staubteilchen mit sich. Wie stark dieser Prozess abläuft, hängt vom Sonnenabstand und der individuellen Beschaffenheit des Körpers ab. Raumsondenbilder zeigen, dass Kometenkerne offenbar nur an wenigen Stellen aktiv sind, was genaue Vorhersagen über die Prächtigkeit der Erscheinung erschwert. Unter optimalen Bedingungen entsteht ein Kometenschweif mit 100 Millionen Kilometer Länge oder mehr. Erst diese macht manche Kometen bei günstigen Sichtbarkeitsbedingungen zum Spektakel. Dabei sind die Schweife auf Grund der Sonnenstrahlung und des Sonnenwindes – einer starken Teilchenstrahlung – immer von der Sonne weg gerichtet.

Kern und Schweife eines Kometen
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(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAufbau eines Kometen

Die Hauptbestandteile des Kerns sind Wassereis, Trockeneis, Methan, Ammoniak sowie Gesteine, Staub und Mineralienpartikel wie Silikate. Auch Elemente wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff wurden entdeckt. Sowie weitere organische Verbindungen wie Äthan, Blausäure oder Ameisensäure. Genau dieser Mix macht Kometen auch für die Erforschung der Entstehung des Lebens auf der Erde oder anderswo im All interessant. Kometen sind offenbar Fossilien aus der Zeit der Entstehung des Planetensystems aus einer Scheibe aus Gas und Staub. Und vieles spricht heute dafür, dass die Erde kurz nach ihrer Entstehung einen wesentlichen Teil ihres Wassers durch zahlreiche Kometeneinschläge erhalten hat – und dabei möglicherweise auch die ersten Bausteine des Lebens.

Heute sind Einschläge von Kometen und Asteroiden zum Glück äußerst selten. Denn was vielleicht einmal ein Segen für die biologische Evolution auf der Erde war, wäre heute eine globale Katastrophe, gegen die jedes irdische Naturereignis harmlos erscheint. Dass solche Ereignisse jedoch auch heute nicht ausgeschlossen sind, zeigen die Einschläge der Bruchstücke des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf dem Planeten Jupiter im Jahr 1994.

Heute vermutet man unzählige Kometen in der so genannten Oortschen Wolke am äußeren Rand des Sonnensystems, aus der gelegentlich ein Objekt durch gravitative Effekte ins Innere des Planetensystems gelenkt wird. Eine Kometenbahn ist deshalb eine langgezogene Ellipse oder – wenn das Objekt gar von außerhalb des Sonnensystems kommt – eine Hyperbel, auf der der Komet das Sonnensystem auch wieder verlässt.

Manche Kometen kommen der Sonne aber zu nahe, zerbrechen oder fallen sogar in die Sonne hinein. Für einen solchen so genannten Sungrazer, also Sonnenkratzer, kann der Besuch des inneren Sonnensystems durchaus die letzte Reise sein.