Den schönsten Anblick eines Kugelsternhaufens erzielen Sie mit relativ hohen Vergrößerungen, von etwa der Millimeterzahl der Teleskopöffnung. So lassen sich die vielen feinen Sterne am besten aus dem nebligen Haufenlicht heraustrennen. Daher ist auch ruhige Luft, wie in den oft dunstigeren Nächten einer Hochdruckphase anzutreffen, wichtiger als perfekte Durchsicht. Natürlich tragen dann ein guter Justierzustand der Teleskopoptik und ein feinfühlig eingestellter Fokus zu einem wirklich begeisternden Anblick bei. Dennoch: Von den vielen, teilweise über eine Million Einzelsternen eines Kugelsternhaufens löst ein normales Amateurteleskop lediglich die hellsten roten Riesen auf – diese erreichen teilweise 11 mag. Die für Kugelsternhaufen besonders typische Sternart der blauen Horizontalast-Sterne ist hingegen nur 15 bis 16 mag hell.

Kugelsternhaufen Messier 5 im Sternbild Schlange
© Hermann von Eiff
(Ausschnitt)
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M 5 oder NGC 5904 ist ein heller Kugelsternhaufen im westlichen Teil des Sternbilds Schlange. Er erscheint etwa halb so groß wie der Mond am Himmel und ist deshalb ein gutes Feldstecherobjekt.

Lang belichtete Farbfotografien zeigen sehr schön das bunte Nebeneinander von blauen und orangefarbigen Sternen, während dem Beobachterauge leider sowohl die Horizontalast-Sterne als auch die Farben entgehen. Dennoch gehört der visuelle Anblick eines Kugelsternhaufens zu den eindrucksvollsten Erlebnissen am Teleskopokular.

Die Vorhut: M 53 und M 3

Den Auftakt bildet der mit 60 000 Lichtjahren Abstand sehr ferne, aber mit rund 230 Lichtjahren Durchmesser besonders große M 53 im Sternbild Haar der Bereni­ke. Mit einer Helligkeit von nur 7,7 mag gehört dieser Kugelsternhaufen zwar nicht zu den Paradeobjekten, und erst größere Optiken ab etwa 20 Zentimeter Öffnung lösen ihn in Einzelsterne auf. Aber mit einem scheinbaren Durchmesser von 13 Bogenminuten hat M 53 eine ansehnliche Größe. Dagegen brilliert der rund zehn Grad weiter nördlich und etwas weiter östlich in den Jagdhunden stehende M 3 mit seiner Helligkeit von 5,9 mag und einem Durchmesser von bis zu 19 Bogenminuten. Kunststück: M 3 ist nur halb so weit entfernt. Eine Optik von 15 Zentimeter Öffnung löst bereits seine hellsten Riesen auf.

Messier 13 im Sternbild Herkules
© Robert Schulz
(Ausschnitt)
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Ähnlich groß und hell wie M 5, aber wegen seiner nördlicheren Lage etwas bekannter ist der Kugelsternhaufen M 13 im Sternbild Herkules.

Die ganz Großen: M 5 und M 13, …

Die beiden hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel sind M 5 im Sternbild Schlange und M 13 im Herkules. Von Nordeuropa aus gesehen werden sie nur von M 22 (5,1 mag hell, rund 30 Bogenminuten groß) übertroffen, aber der liegt ja leider bei –24 Grad Deklination! M 5 und M 13 sind beide rund 5,7 mag hell, erstrecken sich über einen Winkeldurchmesser bis zu 20 Bogenminuten, stehen rund 26 000 Lichtjahre von uns entfernt und haben eine Ausdehnung von etwa 150 Lichtjahren. Und beide Kugelsternhaufen lassen sich bereits mit einem Teleskop von etwa zwölf Zentimetern Öffnung auflösen.

Dennoch ist M 13 erheblich bekannter! Das liegt sicherlich an seiner nördlicheren Stellung am Himmel und an seiner leichten Auffindbarkeit: genau in der westlichen Kante des Herkules-Vierecks, mit zwei gleich hellen Sternen ein knapp ein Grad großes Dreieck formend. Der nun wirklich auch nicht zu verachtende M 92 (6,5 mag, bis zu 14 Bogenminuten), nur etwas weiter nördlich im Herkules, wird deshalb leider oft übergangen! M 5 hat dagegen nur den Nachteil, dass er in einem an hellen Sternen armen "Niemandsland" liegt, zwischen dem Bärenhüter im Norden, dem Schlangenträger im Südosten und der Jungfrau im Westen.

… und die anderen: M 10, M 12, M 14, M 9 und M 107

Etwas weiter im Südosten, im Schlangenträger (lateinisch: Ophiuchus), stehen gleich fünf Kugelsternhaufen, die es allesamt zu Messier-Objekten gebracht haben, sich aber wegen ihrer südlichen Stellung und zum Teil auch deutlich geringeren scheinbaren Helligkeit nicht derselben Beliebtheit erfreuen wie M 3, M 5 oder gar M 13. Relativ leichte Objekte dieser Ophiuchus-Kugelsternhaufen sind die beiden helleren und nördlicheren Vertreter M 10 (6,6 mag, bis zu 19 Bogenminuten) und M 12 (6,8 mag, bis zu 14 Bogenminuten). M 14 (7,6 mag, bis zu 11 Bogenminuten) fällt dagegen schon deutlich ab, und die weiter südlich gelegenen Kugelsternhaufen in diesem Sternbild, M 107 (7,8 mag, bis zu 13 Bogenminuten) und M 9 (7,6 mag, bis zu 11 Bogenminuten) bedürfen guter Beob­achtungsbedingungen.

Messier 92 im Herkules
© Stefan Heutz
(Ausschnitt)
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M 92 im Sternbild Herkules ist nur wenig lichtschwächer als M 13 und daher ebenfalls ein lohnendes Beobachtungsobjekt.