9  Buruli-Ulkus
© Amofah, G. et al.: Buruli Ulcer in Ghana: Results of a National Case Search. In: Emerging Infectious Diseases 8, S. 167–170, 2002, fig. 1 / public domain
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern9 Buruli-Ulkus

Wer im südlichen Afrika, in Asien oder Lateinamerika Urlaub macht, könnte auch mit Mycobacterium ulcerans Bekanntschaft schließen – dem Erreger einer Infektionserkrankung von Haut und Weichteilen. M. ulcerans setzt das Toxin Mykolakton frei, das zu Gewebeschädigung und Hemmung der Immunantwort führt.

Nach dem Befall durch das Bakterium bilden sich vorrangig an Armen und Beinen zunächst unauffällige kleine Knoten, die sich unbehandelt zu schmerzhaften, offenen Geschwüren weiterentwickeln – im schlimmsten Fall wird sogar der Knochen in Mitleidenschaft gezogen. In der Regel begleitet auch Fieber die Schwellungen. Bis dato ist der Übertragungsmechanismus unbekannt – Experten jedoch verdächtigen diverse Mückenarten sowie Wasserwanzen, da die meisten Krankheitsfälle in der Nähe von Flüssen oder Sumpfland auftraten.

Ein spezifischer Impfstoff existiert nicht, allerdings liebäugeln Forscher mit der BCG-Vakzine gegen den nahe verwandten Erreger der Tuberkulose, Mycobacterium tuberculosis. Die Infektion wird mit Antibiotika wie Streptomycin über einen längeren Zeitraum behandelt – bei frühzeitiger Erkennung stehen die Heilungschancen beruhigenderweise gut.

8  Onchozerkose – die Flussblindheit
© CDC / Ladene Newton
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern8 Onchozerkose – die Flussblindheit

"Baden gehn, Waden sehn – das ist schön!" Vermutlich das Angriffsmotto von Kriebelmücken der Gattung Simuliidae, wenn sie nichts ahnende Badegäste in schnell fließenden tropischen Gewässern Mittel- und Südamerikas attackieren. Mit dem Blutmahl bescheren sie dem Menschen gelegentlich eine böse Überraschung: Die Mücken sind Zwischenwirte von Onchocerca volvulus, einem parasitären Fadenwurm.

In der Mücke wartet der Wurm als infektiöse Larve auf einen Stich. Einmal übertragen, wandert er teils über Jahre durch das menschliche Bindegewebe und wächst heran. Ausgewachsene Tier von 40 bis 70 Zentimeter Länge verursachen stark juckende Knoten direkt unter der Haut – hier produziert der weibliche Fadenwurm täglich 700 bis 1500 Nachkommen, die Mikrofilarien. Sterben diese ab, werden Toxine freigesetzt. Eine Folge ist die so genannte Leoparden- oder auch Eidechsenhaut, während die Augen oft irreversibel geschädigt werden und der Infizierte erblindet.

Ein Impfstoff gegen die Parasiten existiert derzeit noch nicht, zur Vorbeugung dienen Moskitonetze und Insektenspray. Bei Infektion können antiparasitäre Medikamente wie Ivermectin zwar die Larven abtöten, nicht aber erwachsene Tiere. Die Hautknoten müssen chirurgisch entfernt werden.

7  Chagas-Krankheit
© CDC
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern7 Chagas-Krankheit

Die Chagas-Krankheit, auch amerikanische Trypanosomiasis genannt, wird durch den einzelligen Parasiten Trypanosoma cruzi hervorgerufen. Seine Überträger sind Raubwanzen – Blut saugende Insekten, die in menschlichen Behausungen Mittel- und Südamerikas ihr Unwesen treiben. Wer morgens Stiche oder gar Ödeme um Lippen und Augen (Romana-Zeichen) entdeckt, kann damit rechnen, dass er sich den Parasiten eingefangen hat. Auf sein menschliches Opfer warten sie in den Fäkalien der nachtaktiven Wanze – es reibt den infektiösen Kot mitsamt Erreger in die Einstichstelle. Auch der Verzehr von damit kontaminierter Nahrung macht krank.

Die Infektion mit den Trypanosomen sorgt für unterschiedliche Krankheitssymptome: von ersten Grippeerscheinungen wie Fieber, geschwollenen Lymphknoten, Kopf- und Gelenkschmerzen im akuten Zustand bis hin zu Verdauungsproblemen und Herzinsuffizienz bei chronischem Krankheitsverlauf. Wird der Erreger zu Beginn der akuten Phase im Blut identifiziert, lässt er sich mit Antiprotozoika wie zum Beispiel Benznidazol abtöten – jegliche Verzögerung senkt jedoch die Heilungschancen. Einen Impfschutz gibt es nicht. Wirksamstes Hilfsmittel zum Schutz vor den Blutsaugern sind Moskitonetze, da bisher noch kein Repellent einen optimalen Schutz vor den Wanzen gewährleistet.

6 Schistosomiasis – das Schneckenfieber
© Icaro Gustavo / CC0 CC0
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern6 Schistosomiasis – das Schneckenfieber

Auch unter dem Namen Bilharziose bekannt, ist diese Erkrankung nach Malaria die derzeit zweithäufigste Tropenkrankheit überhaupt – nach Angaben der WHO sind rund 250 Millionen Menschen weltweit betroffen. Auslöser des Übels sind Pärchenegel der Gattung Schistosoma – kleine Saugwürmer, die durch Posthornschnecken der Gattung Biomphalaria übertragen werden. Hierbei durchdringen die Wurmlarven die Haut des menschlichen Endwirts, der in stehenden oder langsam fließenden Süßwassern Afrikas, Asiens und Südamerikas badet.

Im Körper entwickeln sich die Larven (Zerkarien) zu erwachsenen Metazerkarien, die rote Blutkörperchen befallen und darin weiterwachsen. Mit dem Blutkreislauf gelangen sie in die Leber – dort wachsen sie zu Männchen und Weibchen heran, die nun verpaart in die Venen des Dünn-und Dickdarms sowie der Harnblase wandern.

Betroffene leiden erst nur unter Hautbläschen, die den Eintritt der Larven verzeichnen, bald aber auch unter Bauchschmerzen, Durchfall, Blut im Stuhl und Nierenschäden. Chronische Schistosomiasis fordert laut WHO in Südafrika jährlich 200 000 Opfer. Allheilmittel ist das Anthelminthikum Praziquantel, das jegliche Würmer ausschaltet. Traurige Tatsache ist aber, dass die Bevölkerung betroffener Regionen sich das Mittel nicht oft genug leisten kann: Einmal geheilt, stecken sich die Menschen bald erneut an, weil sie mit den Wurmlarven im Wasser oft in Kontakt kommen.

5  Dracontiasis: die Guineawurm-Krankheit
© CDC / The Carter Center
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern5 Dracontiasis: Die Guineawurm-Krankheit

Ein besonders unangenehmer Bewohner menschlichen Gewebes ist der Medinawurm Dracunculus medinensis, berüchtigt auch unter dem Namen Guineawurm. Der weibliche Medinawurm wird im Endwirt gerade einmal zwei Millimeter dick, wächst allerdings bis auf eine Länge von einem Meter zwanzig heran – als längster aller Gewebeparasiten.

Die Fadenwürmer kommen hauptsächlich in Ländern wie Ägypten, Indien, Äthiopien und dem Sudan vor. Wenn Menschen und andere Säugetiere in diesen Regionen ungefiltertes Wasser trinken, nehmen sie gleichzeitig auch winzige Ruderfußkrebse der Gattung Cyclops auf – den Zwischenwirt des Wurms, der bereits die Wurmlarven intus hat. Unbemerkt durchwandert der Parasit dann das Gewebe seines Opfers, wobei er wächst und gedeiht. Nach 10 bis 14 Monaten ist das schwangere Weibchen zu voller Länge herangereift und sorgt für ein schmerzhaftes Geschwür am Fuß – von der Größe eines Taubeneis. Um den Schmerz zu stillen, muss ein befallenes Opfer dann den Fuß in kaltes Wasser stellen, was wiederum das Medinawurm-Weibchen dazu veranlasst, Tausende seiner Larven ins Wasser zu entlassen, die dann erneut von den Krebsen aufgenommen werden.

Sobald das Medinaweibchen aus dem Geschwür herauslugt, bedient man sich seit Jahrtausenden einer wirksamen Wurmkur: Man wickelt den Wurm um ein Holzstäbchen und zieht ihn langsam, immer nur stückweise heraus (der dünne Wurm könnte brechen und seine Reste im Wirtskörper Schaden anrichten). Auch wenn der Medinawurm unter die Kategorie "vernachlässigte tropische Krankheiten" fällt, rühmt er sich gerade durch diese Therapiemaßnahme großer Bekanntheit: Überlieferungen zufolge ist nämlich er es, der sich um den Äskulapstab, das klassische medizinisch- pharmazeutische Symbol, herumschlingt.

4 Frambösie: die Himbeerkrankheit
© CDC / Susan Lindsley
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern4 Frambösie: Die Himbeerkrankheit

Die Hiobsbotschaft zuerst: Bei dieser Tropenkrankheit ist größte Vorsicht vor allem bei Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren geboten, denn es besteht bereits Ansteckungsgefahr durch Hautkontakt – wie zum Beispiel beim Spielen. Nach Infektion durch das Spirochätenbakterium Treponema pallidum pertenue entstehen himbeerförmige, harte Pusteln auf der Haut von zwei bis fünf Zentimetern im Durchmesser. Wenn diese ein paar Wochen später aufbrechen, kommt es zur Bildung schmerzhafter Geschwüre, gefolgt von chronischen Gelenk-und Knochenschmerzen. Unbehandelt kann die Himbeerkrankheit zu schweren Behinderungen und Entstellungen führen, da sich die Knochen mit der Zeit verformen.

Zwar galt die Erkrankung durch gezielte Programme der WHO in den 1950er und 1960er Jahren als ausgerottet, doch ist sie, Berichten aus Papua-Neuguinea und Westafrika zufolge, mittlerweile wieder zurückgekehrt.

Trost für Infizierte: Gegen das Bakterium wirkt seit eh und je Penizillin – und noch besser Azithromycin, welches im Idealfall schon als Einzeldosis den Erreger beseitigt.

3 Giardiasis: das Biberfieber
© CDC / Janice Haney Carr
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern3 Giardiasis: Das kanadische Biberfieber

Dieser Parasit ist weltweit vertreten: Giardia intestinalis beziehungsweise G. lamblia, Erreger der Giardiasis oder auch Lamblienruhr. Da die Infektion durch Kontakt mit kontaminiertem Wasser geschieht, bezeichnet man sie in Kanada auch als Biberfieber – denn dort macht man den die Erreger enthaltenden Biberkot für die Wasserverschmutzung verantwortlich.

Giardien sind mikroskopisch kleine, begeißelte Protozoen, die sich an die Darmwand von Vögeln und Säugetieren heften und sich dort massenweise vermehren. Ins Gewebe wandern die Einzeller nicht ein, und bei vielen Menschen rufen sie auch keine Krankheitssymptome hervor. Andere Infizierte leiden dagegen unter "explosivem Durchfall", Übelkeit und Erbrechen, ständigem Völlegefühl und Schlappheit, Blähungen und nach Schwefel riechenden Rülpsern sowie starkem Gewichtsverlust.

Außerhalb des Körpers sind die Erreger hartnäckig und robust: In einer schützenden Hülle überleben sie monatelang und trotzen sowohl Chlor als auch UV-Strahlung, was die Wasserreinigung kompliziert macht – in Schwimmbädern zum Beispiel muss das Wasser ultrafiltriert werden. Im Organismus töten Antibiotika wie Metronidazol sowie einige Antiparasitika die Erreger schon nach wenigen Tagen ab.

2 Ciguatera: die Fischvergiftung
© Don Anderson, Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) / NOAA/CSCOR/COP
(Ausschnitt)
 Bild vergrößern2 Ciguatera: Die Fischvergiftung

Meeresfrüchte-Liebhaber aufgepasst: Wer in der Karibik oder am Pazifik Urlaub macht und nach dem Verzehr von Fisch Symptome wie Hautausschlag, Erbrechen, Durchfall, Kopf- und Brustschmerzen sowie Taubheitsgefühle bekommt, der verdankt das womöglich den Giftstoffen von Gambierdiscus toxicus.

Dieser Dinoflagellat bewohnt Algen tropischer Korallenriffe und produziert Ciguatin, Maitotoxin, Scaritoxin und Palytoxin – starke Nervengifte, die die Signalweiterleitung des Nervensystems blockieren. Die Toxine landen durch kleinere, Pflanzen fressende Fische in der Nahrungskette – größere Raubfische wie Barrakudas, Muränen, Zackenbarsche und Gelbschwanzmakrelen vertilgen diese und nehmen die Giftstoffe auf. So können sie schließlich auf dem Speiseteller landen.

Für die Lebensmittelvergiftung gibt es weder eine spezielle Behandlung noch ein Gegengift. Bisher bewährte sich Flüssigkeitsausgleich gefolgt von Mannitol-Infusionen zum raschen Ausschleusen der Giftstoffe aus dem Körper. Schätzungen zufolge sind mitunter 400 Riff-Fischarten mit dem Gift verseucht – ihnen selbst schadet es nicht. Kochen der Speisefische hilft nicht, da die Toxine hitzestabil sind. Die Krankheitssymptome dauern im schlimmsten Fall über Jahre hinweg an.